Hier finden Sie alle Newsletter von PIANONews

Wenn Sie jeweils den aktuellsten Newsltter direkt erhalten wollen, dann sollten Sie sich dafür anmelden mit Ihrer Mail-Adresse - mehr benötigen wir nicht.

Klaviermusik und das Internet

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

wir nutzen es alle, die wir mit Musik umgehen: Das Internet. Immer wieder will man sich kurz einmal vergewissern, welche Opusnummer ein Werk hat, oder in welcher Tonart es steht, wann genau es geschrieben würde, oder wie viele Sätze ein Werk hat und wie sie genau benannt sind. Und schon landet man auf den Plattformen der großen Globalplayer im Internet: Auf YouTube, bei Amazon, oder aber natürlich bei Wikipedia. Das hat alles irgendwie seine Berechtigung, aber was genau macht dies mit uns?

Immer mehr, gerade junge Menschen konsumieren Musik über YouTube, Spotify oder andere Internet-Dienste. Und wenn man nun denkt, dass es bei denen, die sich dazu entschlossen haben, sich professionell mit Musik auseinanderzusetzen, anders sei, unterliegt einer Fehleinschätzung. Fragen Sie doch einmal einen Klavierstudenten, welches Konzert eines Pianisten er zuletzt besucht hat, live, nicht auf YouTube. Sie werden erschrecken, dass immer mehr Studenten sich genau an den genannten Plattformen für ihre Musikkenntnisse orientieren. Und auch an Wikipedia. Auch dies ist zur schnellen Orientierung einmal ganz in Ordnung, aber wenn man sich ein wenig auskennt, erkennt man dort auch viele Fehler, oder aber zumindest eine deutliche Vereinfachung von Darstellungen von Werken, Komponisten oder Interpreten. Wenn man diese Studenten fragt, wann sie das letzte Mal eine Biografie über einen Komponisten in Buchform gelesen haben, wird man mit einem fragenden Blick belohnt. Das soll nun nicht bedeuten, dass alle Studenten gleich seien, dass sich niemand mehr für die tiefergehenden Ideen hinter den Werken und die geschichtlichen Umstände interessiert. Aber der Druck, der auf den jungen Interpreten lastet, ist hoch. Wie soll man sich durchsetzen, wenn jeder von ihnen eine technisch einwandfreie, aber dennoch persönliche Interpretation vieler Werke fordert? Zudem müssen sie sich mit der Jetztzeit auseinandersetzen, mit den Studienanforderungen, die seit der Einführung von Bachelor und Master nicht gerade vereinfacht wurden. Da tritt dann auch eine gewisse Ablehnungshaltung gegen alle vielleicht wichtigen, aber in dem Moment kaum wahrnehmbaren Zusatzaktivitäten ein, die früher als selbstverständlich galten.

Daneben sind es Vorbilder, die falsche Hoffnungen setzen. Immer wieder werden recht unfähige Pianisten aufgrund ihrer zum Teil sexistisch anrüchigen oder anders in Szene gesetzten Internetauftritte von Medien und Schallplattenfirmen ins Spotlight gehoben. Das ist bedenklich. Wenn diese es aber schaffen, warum sollten sich die jungen Interpreten an den Tasten noch intensiv mit dem Kern der Musik und ihrer Darstellung für ein Publikum beschäftigen. Andere schaffen es doch auch, mit einer Story, mit fragwürdigem Klavierspiel oder einer Selbstdarstellung, die kaum mehr fragwürdig, sondern fast schon abstoßend ist.

Was zu tun ist? Man darf nicht müde werden, die interessierten Studenten zu unterstützen, man muss sie in die Konzerte mit großen Interpreten bringen, sie animieren, sich mit famosen Interpretationen, mit den Komponisten, mit der Geschichte ihrer Zeit und mit den politisch-sozialen Atmosphären dieser Zeiten zu beschäftigen. Das ist eigentlich die Aufgabe der Hochschulen, an denen diese Pianisten ausgebildet werden, aber auch in anderen Studienbereichen wird man nur dazu angeregt, sich selbstständig weiter zu beschäftigen. An den Hochschulen bleibt kaum mehr Zeit für den Anstoß des Interesses, kaum mehr die Luft, um mit den Studenten mehr Zeit als die Unterrichtsstunde selbst zu verbringen. Und dort geht es nun einmal darum, ihnen die Grundlagen des Klavierspiels zu vermitteln. 

Die Kartenpreise in vielen Städten müssten für Studenten noch drastischer gesenkt werden, auch wenn man sie gerne mit denen von Kinos vergleicht. Aber wie oft geht ein Student ins Kino? Zudem sollten Labels Aktionen starten, um den Studenten nicht nur die Internetplattformen günstig zur Verfügung zu stellen, sondern auch die physischen Tonträger. Man muss langsam etwas tun, um auch weiterhin in einem kulturell so reichen Gebiet wie Europa die Ausbildung auf einem Niveau zu halten, das alles bietet, was schon längst verloren zu sein scheint.

Annäherung von Fachgebieten notwendig

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

vielleicht haben Sie sich selbst schon einmal Gedanken darüber gemacht, eine Klavierfabrik zu besuchen, um zu erfahren, wie die Instrumente, die Ihnen so lieb sind, eigentlich entstehen, gebaut werden? Um zu sehen, was hinter den schwarzen und weißen Tasten steckt, was man auch geöffnetem Deckel des Instruments nicht sieht. Oder vielleicht haben Sie schon einmal dem Klaviertechniker über die Schulter geschaut, der bei Ihnen zu Hause das Instrument pflegt, wenn er die Mechanik aus dem Flügel zieht, oder aber bei geöffneter Frontplatte die Stimmung im Klavier vornimmt. Wenn man etwas weiß, dann lässt sich auch leichter mit dem Techniker über bestimmte Dinge, die die persönliche Spielweise betreffen, vor allem die noch nicht vollführten Wünsche an das Instrument sprechen. Doch dies ist dann ein rein privates Interesse, denn Sie verdienen vielleicht Ihr Geld nicht mit dem Klavierspiel …

Wie aber sieht es mit den zahllosen Klavierstudenten in den deutschsprachigen Ländern aus, von denen die größte Anzahl ja durchaus das Klavierspiel zum Beruf machen will, also mit dem Spiel und dem dafür benötigten Instrument ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen? Wissen sie, was sich hinter den Tasten für ein Wunderwerk an handwerklicher Kunstfertigkeit verbirgt? Wissen sie, wie man mit einem Techniker spricht, wenn es um die persönlichen Belange und Wünsche geht? Weit gefehlt! Kaum ein Klavierstudent, der sich nicht selbst dazu bereiterklärt, sich in diesem Punkt zu bilden, erfährt während des Klavierstudiums etwas über die Bauweise eines Klaviers oder Flügels oder deren Behandlungsweise durch einen Techniker. Das ist eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Denn wenn ein Rennwagenfahrer nichts von der Technik, die er bewegt versteht, wird er dem Team hinter ihm auch nicht vermitteln können, was bei seinem Fahrzeug zu verbessern ist. Und es gibt viele Rennwagenfahrer auf allen Ebenen – ebenso wie Pianisten …

Während Klaviertechniker zumindest ein Grundmaß an Klavierspiel für ihren Berufen beherrschen müssen, allein um die Stimmung zu prüfen oder im eigenen Handelsgeschäft einem Kunden ein wenig den Klang eines Instruments vorführen zu können, ist in der Studienausbildung eines Pianisten das Feld des Instruments fast vollkommen ausgespart. Hier und da gibt es zumindest Ansätze sich mit der Klavierbaugeschichte zu beschäftigen, gibt es Hochschulen, in denen die Klavierstudenten zumindest einen kleinen Prozentsatz mit historischen Instrumenten verbringen müssen. Gut so, aber über die Bauweise des modernen Instruments wissen sie dadurch auch nicht mehr.

Eigentlich wäre dies Thema wichtig, denn auch ein Streicher, ein Bläser oder Gitarrist versteht doch das meiste über sein Instrument. Nur der Pianist soll davon verschont bleiben, sich mit seinem Instrument auszukennen? Natürlich würde niemand verlangen, dass er selbst Hand an sein Instrument legt, denn die Klavierbauerausbildung in den deutschsprachigen Ländern ist nicht umsonst eine der umfangreichsten (auch in Europa) und führt damit auch zu einem großen Prozentsatz der besten Klaviertechniker in aller Welt … Nein, es geht banal um die Grundkenntnisse. Und die Klavierbauer vor Ort in den Städten der Musikhochschulen wären sicherlich froh über eine Initiative, wenn man seitens der Hochschulen auf sie zukäme, um gemeinsam mit den Werkstätten der Händler oder mit freien Klaviertechnikern Seminare oder Workshops durchzuführen, in denen die Klavierstudenten ihr Wissen um die klavierbautechnische Seite des Instrumente vertiefen könnten.

Dieses Thema ist eines der fehlenden in der Pianistenausbildung (neben einigen anderen). Warum dies nicht längst geschehen ist, dass man diese so spezialisierten Fachgebiete aneinander annähert, warum nicht Klaviertechniker sich stärker für solche Angebote stark machen, sich die Studenten selbst dafür einsetzen, bzw. die Klavierprofessoren ihren Vorgesetzten erklären, wie sinnvoll und weitsichtig solch eine Erweiterung des Lehrangebots wäre, bleibt wohl ein Geheimnis.

Kooperationspartner von PIANONews:TONEBASE

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

immer wieder schauen wir, ob wir unseren Lesern unseres Magazins PIANONews nicht einen neuen Mehrwert zukommen lassen können. Nun sind wir dabei auf die neue Video-Plattform von ToneBase aufmerksam geworden.Dieses Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass man im Internet durchaus in intelligenter Weise Unterrichtseinheiten von bekannten Pianisten und Lehrern zur Verfügung stellen kann. Doch dies auf eine Weise, die – entsprechend der heutigen digitalen Möglichkeiten – einen Mehrwert als nur allein das Video liefert. Wir haben uns diese Lehreinheiten von großen Interpreten wie Garrick Ohlssohn, John O’Connor, den jungen Pianisten Claire Huangci oder Andrew Tyson und vielen anderen angeschaut, und waren begeistert. Denn neben der Erklärung eines bestimmten Werks, einer Technik oder dem Umgang mit Klang, hat man einen großartigen weiteren Nutzen: Man kann innerhalb der zum Teil anderthalbstündigen Lehreinheiten zu bestimmten Stellen springen, kann sich immer die gerade vom Lehrenden erwähnten Notenstellen als Notentext anzeigen lassen, kann sich aber auch den gesamten Notentext erst einmal herunterladen. Man erhält zudem Informationen über gerade erwähnte andere Komponisten und Musikbegriffe – mit einem Wort: solch eine Lehreeinheit wird zu einem umfassenden Erlebnis. 127 solcher Lehreinheiten sind bereits aufgezeichnet und werden nach und nach für die fast schon interaktiv wirkende Plattform aufbereitet. Viele sind schon online.

In der Ausgabe 1-2020 haben wir nun für alle Käufer von PIANONews einen Coupon mit ToneBase vereinbart, der jedem Leser einen kostenfreien zweimonatigen Zugang gewährleistet. Das ist ein großartiges Angebot. Damit Sie sich ein Bild machen können, was ToneBase leistet, haben wir aber für alle Newsletter-Abonnenten jetzt schon ein exklusives Angebot: Garrick Ohlssohn bespricht Chopins Klavieretüde Opus 10 Nr. 10

 Schauen Sie rein und lassen Sie sich inspirieren, kaufen Sie PIANONews 1-2020 (wird am 3. Januar 2020 im Handel sein), um einen zweimonatigen kostenfreien Zugang zu allen Lehrinhalten zu bekommen.

Klaviertechniker in den eigenen vier Wänden

Liebe Klavierfreundinnen und -freude,

wenn man endlich der stolze Besitzer eines Klaviers oder eines Flügels in den heimischen vier Wänden ist, dann muss man sich bald schon Gedanken darüber machen, wie dieses Instrument auch in ein paar Jahren noch in einem guten Zustand ist oder wie man es sogar bei einem alten Instrument noch besser machen kann. Also muss als erstes ein Klavierstimmer her, am besten ein Klaviertechniker, der mehr leisten kann, als „nur“ eine Stimmung des Instruments vorzunehmen. Denn man wird auch einmal die Filze unter den Tasten zu erneuern haben und vielleicht muss auch einmal ein Hammerkopf abgezogen werden, da die Saiten schon deutliche Eindruckspuren hinterlassen haben. Nun ist es manchmal ein wenig komisch, wenn ein „Fremder“ sich an das eigene Instrument setzt. Aber da muss man halt durch, auch wenn einem das Instrument sehr ans Herz gewachsen ist. Dem Techniker einen Kaffee für die bessere Stimmung anzubieten, versteht sich von selbst, oder wenigstens ein Wasser – je nachdem, was er lieber hat. Und natürlich sollte man sich kurz mit ihm über das Instrument, das da vor ihm steht unterhalten, um ihm klarzumachen, was einem an kleinen Schwachstellen aufgefallen ist, was man vielleicht ändern könnte. Dann allerdings sollte man ihn seine Arbeit machen lassen. Neben einem Stimmer oder Techniker zu sitzen, ist zum einen nicht sinnvoll, da er sich kontrolliert fühlt, zum anderen wird er von seiner Konzentration abgelenkt. Und das will man nun doch wirklich nicht. Natürlich versteht es sich von selbst, dass man die eigene Zeit so gestaltet, dass man etwas Leises während des Stimmungsprozesses oder der weiteren Arbeit, die er vornehmen muss, tut. Denn wenn man nun lautstark telefoniert, hilft dies der Stimmung nicht. Ein Klaviertechniker muss sich auf sein Ohr und seine Erfahrung konzentrieren, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen – und das wollen Sie ja.

Wenn er dann verlauten lässt, dass er mit seiner Arbeit fertig ist, sollte man sich nochmals die Zeit nehmen, um alle Arbeiten zu prüfen, nicht um ihn zu kontrollieren im Sinne, dass man ihm nicht vertraut, sondern eher, um ihm (hoffentlich) Anerkennung zuzusprechen.

Dass er eigentlich auch immer das Instrument einmal kurz säubern sollte, versteht sich für einen guten Techniker von selbst. Auch das sollte man zumindest einmal ansprechen, denn unter den Saiten zu reinigen, verlangt bestimmte Werkzeuge oder Staubsauger.Wenn man dann zufrieden ist, sollte man auch gleich ansprechen, wann er wiederkommen sollte. Denn wir wissen selbst um die Heizperioden, wann es sinnvoll ist, eine Stimmung zu wiederholen. Und eines ist besonders wichtig: Wenn man einmal zufrieden ist mit dem Ergebnis, sollte man darauf achten, dass immer der gleiche Techniker dieses eine Instrument betreut. Warum? Nun, jeder Techniker hat seine individuellen Methoden, um ein Instrument zu behandeln, und verfolgt diese immer wieder. Wenn nun beständig ein Wechsel von Technikern am Instrument stattfindet, wird das Instrument niemals ganz so gut sein, wie es sein könnte, wenn derselbe Techniker immer weiter – über Jahre – seine Art, das Instrument zu behandeln verfolgt. Also sollten Sie sich sicher sein, dass es mit einem bestimmten Techniker gut funktioniert, dann können Sie sich ebenso sicher sein, dass das Instrument immer besser wird, oder zumindest seinen Stand – wenn er denn gut ist – beibehält.

Genres – feststehende Abgrenzungen?

Liebe Klavierfreundinnen  und -freunde,

haben Sie nicht auch manches Mal das Gefühl, dass Sie einige der heute erscheinenden Kompositionen, die eigentlich der sogenannten „ernsten Musik“, also der gemeinhin als Klassik bezeichneten Musik, nicht wirklich zuordnen können? Derjenige, der neben der sogenannten Klassik auch andere Musik hört, fühlt sich sogleich an Weltmusik, an Jazz oder sogar Popmusik erinnert (aus welchen Zeiten auch immer). Wie aber sieht es denn nun mit der heutigen klassischen Musik aus?Nun, auf der einen Seite gehören die anderen Genres neben der klassischen Musik mittlerweile ebenso zur Musikgeschichte wie die Kompositionen aus längst vergangenen Jahrhunderten. Und so ist es wohl mehr als selbstverständlich, dass heutige Komponisten sich auch von dieser Musik beeinflussen lassen, gewollt oder nicht gewollt. Auf der anderen Seite wollen heutige Komponisten auch, dass ihre Werke wieder stärker ein breiteres Publikum erreichen, als in Zeiten, als die fast geschlossenen Zirkel von Komponisten in Festivals wie den „Ferienkursen für Neue Musik“ in Darmstadt oder den „Donaueschinger Musiktagen“ sich gegenseitig von ihren neuen Leistungen überzeugen wollten und nicht daran interessiert waren, ob diese Werke auch in den üblichen Konzertreihen gehört würden.

Auch der Jazz hat natürlich seine Ursprünge – mögen diese auch weitaus jünger sein, als die der klassischen Musik – in längst vergangenen Zeiten. Und die Musiker dieses Genres schauen auch beständig darauf, Neues zu entwickeln. So lassen sie sich von der Musik aus anderen Ländern beeinflussen, integrieren Rhythmen aus dem Orient oder Asien in ihre Musik – und gehen so in die Richtung Weltmusik. Abgrenzungen von Genres sind mittlerweile schwimmender als jemals zuvor, oder? Nun, wenn wir zurückblicken in die Musik früherer Zeiten (man denke nur an den Einfluss des Jazz auf Komponisten wie Debussy oder Ravel), so war dies eigentlich schon immer so, nur dass die Globalisierung nicht so weit fortgeschritten war, dass man leichten Zugang zu allen Musikstilen in jedem Land sofort und jetzt zur Verfügung hatte. Heute, in einer vollkommen digitalisierten und globalisierten Welt, ist das anders. Mittels des Internet, allein durch YouTube, kann man sich Musik aus aller Herren Länder anhören, sich einen Eindruck machen, wie diese Musik klingt, sei es aus dem Urwald Südamerikas oder des Jazz aus Island. 

Die Abgrenzungen, die wir gemeinhin in unseren Köpfen haben, sind also eigentlich längst obsolet. Warum wir sie immer noch vornehmen? Nun, die Musikhäuser in unseren Regionen liefern uns fast ausschließlich Musik vergangener Zeiten, so dass das empfinden entsteht, dass dies die wahre Musik der Klassik sei. Dabei vergessen wir oftmals, dass die Musik von Komponisten wie Beethoven, Kurt Weill oder anderen zu ihren Zeiten auch mehr als kritisch gesehen, ja auch abgelehnt wurde.

Die sogenannte Neue Musik, die immer noch gerne im Elfenbeinturm ihrer Eigenarten verweilt, ist auf zahllosen Festivals präsent. Komponisten, die diesem Elfenbeinturm entfliehen wollen, haben es schwer. Mittlerweile aber gibt es – vergleichbar mit dem Jazz – auch in der Klassik wieder mehr und mehr Interpreten-Komponisten wie in früheren Zeiten. Und sie sind in der Lage, mittels der Aufführung eigener Werke uns eine Musik näherzubringen, die keine Genregrenzen mehr kennt. Und genau das sollten wir erkennen und akzeptieren. Genres sind in unseren Köpfen und wir wollen sie beibehalten, da es uns das Leben der Einordnung vereinfacht.

Sample oder Physical Modelling?

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

sind sie in den vergangenen Jahren auch immer über die Begriffe „Sample“ und „Physical Modelling“ gestolpert? Und? Wissen Sie den Unterschied? Nun gerade in der Welt der heute immer beliebteren Digital-Pianos oder der sogenannten Hybrid-Instrumente, also solcher akustischen Klaviere und Flügel, deren Hammerköpfe man stoppen kann, sodass sie die Saiten nicht anschlagen, um dann über Kopfhörer einen digitalen Klang zu hören, findet man diese Begriffe immer wieder. „Sample“ ist vielleicht etwas leichter zu erklären: Es handelt sich letztendlich um die Aufnahme eines akustischen Instruments, meist eines Konzertflügels, dessen Klänge dann digitalisiert werden, um sie auf einen Chip zu speichern. Dieser Klang wird dann beim Spiel abgerufen. Während man es sich in früheren Zeiten einfach gemacht hat und einen Ton angeschlagen hat, ihn dann einfach kopiert und in veränderter Form immer wieder erklingen ließ (in sogenannten Loops), geht man heute weitaus detaillierter vor: Man nimmt tatsächlich jede angeschlagene Note eines Flügels in jeder auch nur erdenklichen Dynamik und in jedem Facettenreichtum auf. Früher war das nicht möglich, da die Speicherkraft der genutzten Medien einfach nicht ausreichte, denn: Es benötigt wahnsinnig viel Speicherplatz, um solch ein aufwendiges Sample auf einen Chip zu bannen. Heute ist das kein Problem. Aber: Das Sampling-verfahren ist extrem aufwendig und damit ebenso teuer. Was also haben sich gewiefte Physiker und Akustiker überlegt: Das „Physical Modelling“.

Und da ist also der andere Begriff. Doch was bedeutet er? Nun, um Speicherplatz zu sparen, hat man sich überlegt, dass man den Klang eines Instruments auch künstlich kreieren kann, ohne dass es seine spezifischen Klangeigenschaften verliert. Früher waren es die großen Synthesizer, die in der Lage waren, ungewohnte Klänge aufgrund von veränderten Sinustönen zu kreieren. Darauf basiert auch das „Physical Modelling“, nur dass man den Klang, den man kreiert, genauso klingt, wie ein bestimmter Flügel klingt. Das ist nicht einfach, aber: Es benötigt weitaus weniger Speicherplatz als ein Sample und ist auch entsprechend preiswerter zu realisieren.

Nicht jeder kleine Hersteller kann es sich erlauben, den eigenen Konzertflügel aufwendig zu sampeln. Also geht man zu einem spezialisierten Unternehmen, das in der Lage ist, den Klang des eigenen Flügels „künstlich“ nachzubauen. Das französische Unternehmen Moddart ist solch eine spezialisierte Firma, das auch mit der Software „Pianoteq“ auf dem Markt ist. Innerhalb dieser Software hat man dann klanglich zahlreiche Flügel zur Verfügung, die den firmenspezifischen Klang aufweisen, ebenso historische Instrumente. Und das alles zu einem unfassbar günstigen Preis, da alles auf „Physical Modelling“ basiert. Das bedeutet allerdings auch: Ein Sample ist noch einmal ein wenig „natürlicher“ im Klang als ein per „Physical Modelling“ entstandener Flügelklang. Doch um ganz ehrlich zu sein: Der normale Mensch hört diese Unterschiede kaum. Wenn Sie also ein Digital-Piano wählen, oder an einem akustischen Instrument mit Stummschaltung interessiert sind, lassen Sie sich nicht von solchen Begrifflichkeiten abschrecken.

Sommer, Sonne, Klavier

Liebe Klavierenthusiasten,

wenn man in den Urlaub fährt, würde man – letztendlich hat man ja plötzlich mehr Zeit – gerne auch einmal ein Instrument unter die Finger nehmen. Und da man oftmals auch gerne Natur um sich herumhaben will, sind diese beiden Dinge meist nicht zusammenzubringen. Doch in Zeiten, in denen immer mehr Besitzer von Wohnungen und Häusern in Regionen mit viel Naturumgebung zu Urlaubszwecken vermieten, ist es eigentlich kein Problem mehr, sich einen Traum zu erfüllen: Ein Haus am Strand mit einem Flügel …

Doch man sollte aufpassen, oftmals sind die Klaviere oder Flügel mehr dekoratives Möbel als ein gutes Instrument. Man sollte schon Kontakt mit dem Vermieter aufnahmen, um zu erfahren, ob das Instrument auch gewartet wurde. Da der Trend für den Urlaub auch immer stärker in die heimatlichen Gefilde geht, ist die Anzahl an sogenannten „Ferienwohnungen“ zumindest gestiegen. Und was würde man sich mehr wünschen, als in einem wunderbaren Naturumgebung aufzuwachen und nach einem ausgedehnten Spaziergang einmal ein wenig Klavier zu spielen. Das ist durchaus machbar und man sollte sich den Spaß erlauben, um das richtige Objekt zu finden.Denn wenn man nicht gerade ein Klavierfestival in wunderbarer Naturumgebung besucht, und man nicht mit dem MP3-Player und Kopfhörer durch die Gegend rennen will, kommt die Klaviermusik im Sommer doch recht kurz.

Und in Zeiten, in denen viele das Tablet als Notenbuch benutzen, ist das auch kein Problem mehr. Denn man muss nicht mehr die Notenwerke mit sich herumschleppen, sondern stellt kurzerhand das Tablet aufs Instrument und man hat alles bei sich. Zukunftsmusik?Nein, denn es ist tatsächlich so, dass man heute – auch mithilfe der modernen digitalen Technik – fast alles möglich machen kann. Denn viele haben ja auch ihre Lieblingsmusik immer dabei. Genauso kann es mit den Noten sein.Wenn man sich schon die Mühe macht und in den Urlaub fährt, um sich zu entspannen, wenn man sich Zeit für die Dinge nehmen will, die man ansonsten nur von seiner Arbeitszeit abzwacken muss, dann ist eine Ferienwohnung (oder ein Haus) mit einem akustischen Instrument genau das richtige. Man muss sich auch nicht grämen, wenn man dann das Instrument doch in zwei Wochen nur ein oder zweimal anspielt – denn allein diese zwei Male werden Sie es genießen.

Weitere Beiträge ...

  1. Wo üben?
  2. Der Besuch im Klaviergeschäft …
  3. Klassiker und Improvisieren?
  4. Sind CD-Kritiken heute noch von Bedeutung?
  5. Musikmessen – Dinosaurier oder Neuheiten-Fetische
  6. Entscheidung für Kulturgut
  7. Das Jahr 2019
  8. Meister fallen nicht vom Himmel
  9. Freiheitsgefühl durchs Klavierspiel
  10. Die Welt der europäischen Klavierhersteller
  11. CDs gegen Internet?
  12. Auf was will man spielen und wie soll es klingen?
  13. Preise für Künstler
  14. Was spielt man?
  15. Das Internet und die Welt des Klaviers
  16. Schneller, lauter …
  17. ECHO Klassik und die Folgen
  18. Das Besondere objektiv beurteilen können
  19. 20 Jahre PIANONews – Rückblicke/Ausblicke
  20. Live oder Studio
  21. Das Einfache neben der Hochkultur
  22. Aufnahmen
  23. Das Intuitive bewahren
  24. Konzertsäle und das Klavier
  25. Titel-Ideen…
  26. Vorbilder
  27. Die Noten „übersetzen“
  28. Der deutsche Klaviermarkt aus der Sicht des Auslands
  29. Ausschreibungen
  30. Inflationärer Begriff: Star
  31. Klavierbau abseits des Mainstream
  32. Was sich Klavierliebhaber wünschen würden
  33. Ideenlosigkeit bei Festivals
  34. Veränderungen für Klavierhersteller
  35. Klaviermusik im neuen Jahr 2016
  36. Live, Stream und Digitales
  37. Konzertsaal oder die eigenen vier Wände?
  38. Die Länder und ihre Unterschiede
  39. Deutsche Klavierbauunternehmen in Eigenverantwortung werden rar
  40. Oft liegt es am Instrument – Pianisten und ihre Technik
  41. Kulturerhalt als bürgerliche Ausgabe
  42. Dem eigenen Gespür vertrauen
  43. „Crossover“ erwacht erneut
  44. Aldo Ciccolini (1925–2015) Ein Vertreter ohne Kultstatus
  45. Aufgeben aufgrund von Leistungsanforderung?
  46. Neue Romantik oder nur Marketing?
  47. Generationswechsel
  48. Hybrid – warum überhaupt?
  49. Musik-Journalismus
  50. Ausländische Musikstudenten in Deutschland

Bestellen

Bestellen Sie sich die Printausgabe der PIANONews ins Haus. Als Abonnement für 6 Ausgaben oder auch als Einzelhefte.

Abonnement Einzelheft

ePapers

Lesen Sie die PIANONews gleich hier und jetzt online. Im 6er Abonnement oder als Einzelexemplar.

6 x ePaper Einzel-ePaper Infos

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung