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Das Aufweichen des Status

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

immer noch haben gewisse Einrichtungen im Bereich der Klaviermusik einen bestimmten Status. Dieser allerdings bezieht seine Wichtigkeit meist nur noch aus der Geschichte dieser Unternehmen oder Einrichtungen. Wo soll man da beginnen? Vielleicht bei den Labels. Jahrzehntelang war das sogenannte „Gelbe Label“, die Deutsche Grammophon, Garant für die hochklassigen Künstler schlechthin. Pianisten wie Maurizio Pollini, Vladimir Horowitz, Fridrich Gulda, Wilhelm Backhaus, Arturo Benedetti Michelangeli oder Emil Gilels haben einmal dafür gestanden, dass dieses Label für Pianisten der Traum war. Auch die Pianisten, die bei dem legendären Chopin-Wettbewerb gewannen, stehen bis heute für das Label Deutsche Grammophon: Martha Argerich oder Krystian Zimerman beispielsweise. Mittlerweile jedoch wird dieser Traum aufgeweicht. Zwar zehrt man noch vom Image und immer noch werden großartige junge Pianisten an das Label gebunden, so wie Daniil Trifonov, Rafal Blechacz und andere. Doch so richtig glücklich will man nicht über die junge Garde zu sein, schaut man sie sich genauer an. Denn Seong-Jin Cho, Alice Sara Ott, Víkíngur Ólafsson oder Yuja Wang haben einfach nicht dieselbe durchdringende Tiefe in ihren musikalischen Anschauungen. Und wenn man hört, was da noch alles als Pianisten verkauft wird … Ohne eine Wertung der Breitenwirkung zu treffen, sind Pianisten wie Joep Beving oder Yuruma haben einfach nicht den Stellenwert in der Musik wie die vorgenannten Altkünstler. Doch das Image ist geblieben. Ist das zu Recht so? Auch bei anderen sogenannten „Major“-Labels kann man dasselbe feststellen. Anstatt ein Unterlabel zu gründen, nimmt man das Risiko in Kauf das Image aufzuweichen. Dagegen sind hochangesehene Pianisten bei kleinen Labels untergekommen, bei Onyx, bei Pentatone, bei Cavi Music oder bei Hyperion.

Doch auch bei Institutionen ist dies der Fall. Wer kennt nicht den Namen der legendären Juilliard School of Music in New York City? Doch wer von den bekannteren Pianisten der vergangenen 20 Jahre hat dort studiert? Man lebt von einer legendären Geschichte. Doch auch wenn man noch Urgesteine der Klaviererziehung auf dem Papier dort als Lehrer vorfindet, ist der Output an großen Talenten doch eher mäßig. Dasselbe gilt für einige der als „Hochburgen“ für das Klavierstudium angesehenen Hochschulen in Deutschland. Hannover galt lange Zeit als solch eine. Doch was hat sich dort in den vergangenen 20 Jahren noch entwickelt? Mittlerweile sind es einzelne Lehrer, bei denen die besten studierten und studieren, die aber nicht den ruf einer Hochschule als Klavierschmiede begründen.

Dasselbe kann man auch für die Instrumente sagen, denn etliche Unternehmen bauen nicht mehr dieselben guten Instrumente wie noch vor 50 Jahren. Dagegen sind mittlerweile andere in den Fokus geraten, die aber weniger von ihrer Tradition leben.

Man muss vorsichtig sein, wenn es um den althergebrachten Ruf von Institutionen oder Firmen geht. Man sollte genau hinschauen, ob das Label, das draußen draufsteht auch immer noch für die Qualität steht, oder ob es nicht woanders längst Besseres und interessanteres zu finden gibt. Kritisch zu bleiben ist da das A und O, nicht zu glauben, dass nur, da etwas ein Label bekommt, es auch zwingend gut ist.

"Verrückte" Welt

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

die Welt scheint „verrückt“ seit der durch Russland initiierte Krieg begonnen hat. Denn nicht nur die Geschäfte mit Energieressourcen beschäftigt uns, sondern auch die schwierigen Lieferketten, die letztendlich auch die Klavierbauindustrie treffen wird. Denn – wir sind uns dessen bewusst – viele Instrumente und Teile von Instrumenten kommen aus Asien, meist auf dem Seeweg. Wenn diese nun länger werden, wird es – vor allem auch mit dem Blick auf die Schwierigkeiten, die uns die Corona-Pandemie schon beschert hat – werden wir als Endverbraucher auch in dieser Richtung Preiserhöhungen und eine womöglich noch größere Verknappung feststellen müssen.

Zudem sind natürlich auch für die Hersteller die Energiekosten so vehement in die Höhe geschnellt, dass die Herstellung sich zwangsläufig verteuert und selbst Preise für Holz und den Transportweg innerhalb Europas noch einmal zugelegt haben. Auch das Papier wird knapp werden, da die größten Papierhersteller der Welt schon angekündigt haben, bestimmte Papiersorten nur noch reduziert herzustellen, da sie die gestiegenen Energiekosten bei der Produktion nicht auf die Kunden umlegen können. Das wird auch die Verlage treffen, die Noten herstellen.

Die Corona-Pandemie einerseits und der Krieg andererseits wird uns noch lange Zeit viel abverlangen. Wir müssen darauf vorbereitet sein, nicht nur, was die Kosten anbelangt. Doch die Klaviermusik wird weiterleben, denn sie hat schon weitaus schlimmere Krisen in seiner so langen Geschichte überlebt. Wir müssen uns aber gewahr sein, dass es eine Kultur gibt, die neben anderen wichtigen Dingen die Grundlage unserer Demokratie darstellt. Wir dürfen gerade jetzt nicht vergessen, dass die Kultur, wozu auch die Klaviermusik gehört, wichtig bleibt für unser Zusammenleben, zu unserem Sein als freie Menschen innerhalb einer Demokratie.

Vor allem aber dürfen wir – und dies gerade mit der deutschen Geschichte – nicht zulassen, dass eine ganze Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Nationalität geächtet wird. Davor sollte man sich verwahren und muss dafür eintreten. Denn auch die Menschen und Künstler in Russland leiden unter dem Regime, unter dem sie nun zwangsläufig zu leben haben. Auch ihnen gilt – neben den Ukrainern, die natürlich jegliche Hilfe benötigen und zum Teil auch schon erhalten – unser Zuspruch, damit sie sich nicht in einer Autokratie verlassen fühlen. Denn ohne eine Unterstützung dieser Menschen in einem Land, das von einem Autokraten regiert wird, wird es auf lange Sicht auch keine freiheitlichen Gedanken geben, da ansonsten der Humus für die schockierenden Falschverlautbarungen von russischer Führung aus gelegt wird.

Die Suche nach "Stars"

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

die Suche nach den wirklich großen Talenten der Zukunft hört niemals auf. Jeder will einen entdecken, glaubt daran, einen „Star“ schon frühzeitig an seinem Spiel (oder doch eher an seiner Auftrittsart?) zu erkennen. Dabei ist es vollkommen unsicher, ob ein großes Talent tatsächlich einmal ein „Star“ wird. Heutzutage ist der Begriff „Star“ ohnehin geradezu inflationär. Schon eine Pianistin oder ein Pianist, die oder der seine erste CD vorgelegt hat, die gute Kritiken erhält und die oder der dann auch noch einige Konzerte spielt, gilt heute schon als ein Star. Dabei ist es doch aus früheren Zeiten bekannt, dass Stars erst dann als solche gelten, wenn sie wenigstens ihr halbes Leben erfolgreich das Publikum (und vielleicht auch die Kritiker, was weniger wichtig ist) überzeugen konnten mit ihrem Spielt. Dazu gibt es kein Alter, das wichtig ist, auch keines, das abgesetzt werden müsste, um den Begriff Star zu rechtfertigen. Schon die jüngeren Pianisten können tatsächlich Stars werden oder sein, wenn sie unaufhörlich für ihre Sache einstehen und das Publikum begeistern.

Natürlich sind heute vor allem die großen Alten die Stars. Dazu müssen sie allerdings nicht unbedingt schon ihr Leben beendet haben. Auch lebende große Pianistinnen und Pianisten sind leicht als Stars zu identifizieren, wenn sie über Jahrzehnte ihren Weg überzeugend beschritten haben.

Das bedeutet: Stars können nicht von Marketing und Journalisten „gemacht“ werden, sondern sie müssen sich beweisen, müssen zeigen, dass sie in der Lage sind über einen bestimmten Zeitraum zu überzeugen, immer wieder. Dass es da auch schon einmal Unterbrechungen geben kann, ist nur allzu menschlich. Aber die Dauer zeichnet doch einen Star aus, nicht der ad hoc-Moment einer Überzeugung.

Wir müssen kritisch mit den Begriffen umgehen, sie auch kritisch hinterfragen, wenn sie uns präsentiert werden, denn nicht alles, was wie Gold aussieht oder so verkauft wird, ist dann auch Gold. Das hat die Geschichte der Interpreten immer wieder gezeigt. Und wenn man sich nun auf die Suche nach den neuen Stars macht, weiß man auch erst nach einiger Zeit, ob ein Interpret zum Star taugt. Daher werden auch in Klavier-Wettbewerben selten Stars „geboren“, aber sie können dort in jedem Fall ihren Grundstein für das legen, wonach wir alle immer weiter suchen werden: Nach den wahren Stars des Klaviers.

Wie die Natur des Instruments selbst: Surround-Klang

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

seit Anbeginn der Tonaufzeichnung hatte man die Idee eine musikalische Aufführung so auf einem Tonträger (heute respektive Datenträger) einzufangen, als würde man in einem Konzert einem Künstler lauschen. Erst war da natürlich das Erlebnis und Faszination, dass man überhaupt etwas Flüchtiges wie einen Klang bannen und immer und immer wieder anhören konnte. Doch bald schon reichte den technisch Interessierten Menschen, die sich um diese Aufnahmen bemühten, längst nicht mehr- Schon in den 1940er Jahren begann man zu experimentieren, wie man den Klang eigentlich so abbilden könnte, dass er die Zuhörer umgibt wie in der Natur, als würde ein Instrument angehört werden …

Doch der nächste Schritt war erst einmal die Entwicklung von Mono zu Stereo – ein immenser Schritt für das klangliche Erlebnis. Plötzlich hatte man für die Aufnahmen eines Flügels das Gefühl, als hörte man genau die Bassregion links und die oberen Töne rechts aus den Lautsprechern, als würde man vor einem Instrument sitzen. Doch man wollte mehr, experimentierte mit zwei vorderen und zwei hinteren Boxen, der Quadrophonie. Doch auch das reichte längst nicht aus, um den raumeinhüllenden natürlichen Klang des Instruments wiederzugeben. Immer blieb etwas Artifizielles zurück, doch wir hatten uns alle schon daran gewöhnt, wie gut Stereo-Aufnahmen klingen. Daran änderte auch der Datenträger, die CD oder die SACD nichts. Dann kam die Surround-Klang-Technologie auf den Markt. Und schon da erkannten wir, welchen Quantensprung dies ausmachte. Doch den Raum füllte man damit nur auf einer, einer horizontalen Hörebene. Was musste also passieren? Ein dreidimensionaler Klang musste her. Unterschiedliche Konzepte der sogenannten immersiven Aufnahme- und Wiedergabesysteme gibt es mittlerweile, die einen erstaunen lassen, was da noch alles an technischen Möglichkeiten bislang schlummernd vor sich hindümpelte. Plötzlich hört man einen ganzen Saal, die Reflexionen einbegriffen.

Doch bei aller Faszination für das Technische, das Hörerlebnis, ist es doch die Musik selbst, die das wichtige beim Anhören bleibt – und natürlich die Interpretation. Auf diese Weise wird wohl auch noch für viele Jahre das Gefühl des Stereohörens nicht verschwinden, sondern wird nun nur immer häufiger auf die Qualität hinterfragt. Und dennoch: all dies ersetzt letztendlich nicht das Live-Erlebnis in einem Saal. Denn eines haben die Techniker und Ingenieure noch nicht geschafft: Uns virtuell vorzugaukeln wir hörten vor Ort. Dazu muss das Live-Erlebnis bleiben. Und dennoch wird die Technologie irgendwann vielleicht in der Lage sein, uns auch klanglich diese einmaligen Momente eines Live-Erlebnisses für immer zu bannen.

Alles neu im Neuen Jahr 2022?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

was kann man von einem neuen Jahr 2022 erwarten, wenn es um die Instrumente bei den Herstellern geht? Nun, am Ende des Jahres 2021 haben die globalisierten Hersteller vor allem den Frust der vollen Auftragsbücher und der recht bescheidenen Fertigstellungsmengen bemerken können. Ein Umdenken findet in diesem Bereich aber ebenso wenig statt wie in anderen der Konsumgüterherstellung, zu denen das kunsthandwerklich entstehende Klavier oder ein Flügel eigentlich nicht zählen. Dass es bei Digital-Pianos aufgrund von Halbleiter-Verknappung auf dem Weltmarkt zu langen Lieferzeiten kommt, ist das eine. Aber warum sind einige Instrumente nicht zu erhalten, oder allein mit langen Wartezeiten?

Nun, die Globalisierung ist allerorten zugange, nur wenige Hersteller fertigen fast alle Halbfertigprodukte für ein Instrument selbst oder beziehen diese aus Deutschland und den umliegenden Ländern. Oftmals sind es vor allem die kleineren und exklusiven Hersteller, die dies tun: Steingraeber & Söhne ebenso wie Fazioli oder auch zum größten Teil Bösendorfer. Viele andere beziehen Teile ihrer Fertigung aus Asien, wo es aufgrund der Container-Knappheit und schwierigen Abfertigungen in den Häfen zu Reduzierungen der Lieferungen kommt. Für die Qualität spielt das alles erst einmal nur bedingt eine Rolle, aber was, wenn man nun gerade ein Klavier im mittleren Preissegment haben will? Man muss zum Teil einfach Geduld mitbringen. Jahrzehntelang haben die Hersteller gegen den Gebrauchtmarkt angekämpft, der nun wieder zu florieren beginnt, da man dort direkt ein Instrument haben kann. Auch wenn diese Instrumente teilweise für zu hohe Summen im Angesicht ihres Zustands gehandelt werden, ist dies immerhin eine Option (man sollte allerdings einen fachmännischen Rat hinzuziehen, wenn man es nicht bei einem Händler gebraucht ersteht).

Was also erwartet uns in diesen Zeiten, im Jahr 2022. Nun, zum einen werden sich die Preise für die Instrumente nochmals erhöhen … das ist ärgerlich, aber nicht zu vermeiden. Zum anderen wird es bei preiswerten und Instrumenten der unteren Mittelklasse mit Wartezeiten kommen, denn auch die Klavierindustrie wird sich bald schon mit den eklatanten Preiserhöhungen im Bereich des Rohstoffes Holz konfrontiert sehen.

Wird das Klavierspiel also bald schon – wieder, wie vor hunderten von Jahren – zu einem exklusiven Vergnügen? Nein, denn einige Hersteller haben die Corona-Krise geschickt genutzt, um ihre Lager zu füllen, mit Instrumenten, die in unterschiedlichen Preisklassen angeboten werden. Zum anderen darf man vielleicht einfach nicht erwarten, dass man „sein“ Instrument – wie bisher – in jedem Fall vor der eigenen Haustür findet. Vielmehr sollte man dafür gerne auch einmal – trotz angehobener Benzinpreise – auch einmal eine Wegstrecke auf sich nehmen. Dann wird man auch fündig.

Ansonsten bleibt auch das Jahr 2022 im Bereich Klavier spannend und von vielen neuen Ideen geprägt, das zeichnet sich jetzt schon ab.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gesundheit, Glück und viel Spaß mit dem Klavier, der Musik, die auf ihm gespielt wird und den Menschen, die dafür einstehen, dass uns diese erbauliche Seite des Lebens niemals abhanden kommt.

Zerbrechliche Aufbrüche

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

es hat wieder begonnen, allerorten werden wieder Klavierkonzerte abgehalten, nach unterschiedlichen Regeln. In einem Konzertsaal kann man nur getestet, geimpft oder genesen eintreten, muss zudem noch Abstand halten und Maske tragen. Die Corona-Pandemie hat das Verhalten und die Welt des Genießens im Konzert verändert. Natürlich sind wir dies auch von anderen Orten unseres alltäglichen Lebens mittlerweile gewohnt, überall werden Maßnahmen ergriffen und verlangt, um sich einem erneuten Großausbruch des Virus entgegenzustemmen. Doch gerade das Konzerterlebnis war für viele von uns bislang ein geschützter Raum, ein Moment des Innehaltens gegenüber dem alltäglichen Stress, der Unruhe außerhalb des Konzertsaals. Davon ist nicht mehr allzu viel geblieben: Man muss sich anders vorbereiten, muss zum Teil einiges in Kauf nehmen, wenn man dann doch Klaviermusik live erleben will. Das ist durchaus möglich, um dann doch das Klavierspiel eines Pianisten zu genießen, denke ich.

Dennoch sind die Überlegungen zu Online-Konzerten nicht ganz gestorben. Zwar haben etliche nun nachgelassen, sich per Online-Konzert an eine breite Öffentlichkeit zu wenden, sind wieder zurückgekehrt in den Konzertsaal, aber gerade Veranstalter haben nun erkannt, dass es auf Dauer vielleicht doch nicht ganz ohne die Online-Verbreitung von Live-Konzerten geht. Immer neue Plattformen werden ins Leben gerufen, auf denen man dann bestimmte Konzerte miterleben kann – meist auf Bezahlebene. Genau das ist wichtig, denn nur dann kann auch hoffentlich der Künstler seinen monetären Anteil an den Einnahmen erhalten. Freie Plattformen wie YouTube oder andere Kanäle sind den Kulturschaffenden längst ein Dorn im Auge, denn genau mit dieser kostenfreien Verbreitung von Auftritten werden keine Einnahmen generiert. Wovon aber soll denn der Künstler leben? Natürlich gibt es auch diejenigen, die selbst versuchen über diese freien Plattformen eine Lanze für ihr Spiel zu brechen, eine größere Zuhörerschaft zu generieren. Doch das doch nur, solange sie es sich leisten können, so lange sie überhaupt Auftritte haben, denn wenn dies nicht mehr gegeben ist, dann macht es auch keinen Sinn mehr, sich online zu präsentieren.

Es ist ein Spiel mit dem Feuer, wenn das Online-Geschäft weiter ausgebaut wird, denn ohne Bezahlebene wird es auf Dauer keine Künstler mehr geben, die es sich leisten können, kostenfrei zu musizieren. Oder anders gesagt: Warum sollten junge Menschen sich noch abmühen mit einem Klavierstudium, wenn sie nicht einmal wissen, ob sie davon irgendwann einmal leben können.

Das Zerbrechliche des Neubeginns, die Maßnahmen, hybride Konzepte zu bestreiten, ist nur wenigen klar. Wenn dies die Lehren aus den Corona-Lockdowns sind, dann haben wir in die falsche Richtung gedacht. Also nichts wie in die Konzerte gehen, gleichgültig wie hoch die Anforderungen sind, denn nur so kann man auch wieder dem Künstler eine Plattform ermöglichen, dass er von seinem Beruf auf Dauer leben kann.

Das Aufnahmen auf dem richtigen Instrument

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

es gibt diese Vorstellung, dass man auf dem richtigen Instrument bessere Aufnahmen im Studio, zu Hause oder an sonst irgendeinem Ort vollbringen kann. Die Frage, ob dies wirklich so ist, kann man heutzutage fast als obsolet bezeichnen. Denn seit die Digitalisierung Einzug gehalten hat in der Musikwelt, sind heute Dinge möglich, die man sich vor 40 Jahren noch nicht vorstellen mochte. Mittlerweile ist eine Klavierproduktion in jedem Fall leichter zu handhaben und vor allem nachzubearbeiten als jemals zuvor. Natürlich ist ein gut klingendes Instrument immer noch eine wichtige Zutat. Aber man darf im digitalen Zeitalter nicht davon ausgehen, dass es eine der wichtigsten Grundlagen für eine gelungene Musikproduktion ist. Vielmehr sind es der Umgang mit der richtigen Software am Computer sowie die Aufnahmemedien – Mikrofone – die eine entscheidende Rolle spielen.

In guten Studios ist dies natürlich eine Selbstverständlichkeit: Man hat zahlreiche Mikrofone zur Verfügung, die unterschiedliche Charakteristiken aufweisen (Niere, gerichtet etc.). Und privat kann man sich diese Mikrofone zwar auch anschaffen, sie sind aber extrem teuer. Was aber möglich ist: Mit bereits preiswerteren Mikrofonen kann man ebenfalls einen guten Klang erzielen. Und wenn der Raumklang fehlt, sind Optionen für digital hinzugefügten Hall kein Problem. Ja es gibt sogar Software, die schon die Raumakustik bestimmter Konzertsäle gespeichert hat, die man dann der vielleicht zu trockenen Aufnahme aus den eigenen vier Wänden hinzumischen kann, ohne dass dies groß auffällt. Und natürlich kann man – rein theoretisch – auch eine digitale Software benutzen, um mittels eines einfachen Klaviers, das über einen MIDI-Anschluss verfügt, einen Konzertflügelklang zu spielen. PianoTeq bietet solche Instrumente an und ist absolut erschwinglich. Zudem kann man mit dieser Software sogar direkt aufnehmen, kann sogar die Position der Mikrofone auswählen. Es gibt kaum etwas, was nicht möglich ist.

Was also hilft ein guter Flügel für eine Aufnahmen? Nun, es ist vor allem die Inspiration, die man auch über das Instrument mit „an die Hand“ bekommt. Wenn man sich den Klang eines großen Konzertflügels nur virtuell über Kopfhörer zuführt, ist das nicht das Gleiche. Und natürlich ist auch der Raum, in dem man aufnimmt, wichtig – denn auch das kann inspirieren.

Zudem ist kaum ein Zuhause so konzipiert, dass man nicht auch Störgeräusche hat. Wenn man dann gerade in seiner besten Aufnahme ist, kann das sehr frustrierend sein, wenn ein Flugzeug oder ein Vogel hörbar ist. Das kann man nur dann ausschließen, wenn man wirklich komplett digital spielt und aufnimmt.

Dennoch ist es heutzutage nicht mehr allein das Instrument, das über eine gute Aufnahme entscheidet, sondern es ist der Künstler und vor allem das, was er daraus zu machen in der Lage ist. Mit dem richtigen – auch kleinen – Equipment ist das möglich. Aber natürlich träumt jeder davon auf seinem Lieblings-Konzertflügel aufzunehmen – denn dann stimmt es wieder mit der Inspiration.

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