Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,
es ist eine schwierige Zeit für die Hersteller von Klavieren und Flügeln: Der markt stagniert, ja ist sogar rückläufig. Das ist immer wieder in den vergangenen Jahrzehnten geschehen, aber nun ist es so, dass die wichtigen Absatzmärkte in Asien nicht mehr so florieren wie noch vor einigen Jahren. Entsprechend sind Verkäufe ein- oder weggebrochen. Aber auch in den Ländern Mitteleuropas hat sich die Situation drastisch verändert, klagen seit spätestens Mitte vergangenen Jahres die Klavier-Händler darüber, dass kaum mehr neue Instrumente gekauft werden.
In einer solch angespannten Marktlage machen sich die Unternehmer in der Regel Gedanken drüber wie man mit dem Konsumentenverhalten umgehen sollte. In anderen Branchen werden Angebote gestrickt, werden Marketingmaßnahmen ergriffen, um den möglichen Kunden das Produkt schmackhaft zu machen, ihnen den Eindruck zu vermitteln, das nun die beste Zeit sei, um – damit wir im Thema bleiben – sich doch noch ein Klavier oder Flügel zu kaufen.
Anders allerdings scheinen die Klavierhersteller zu agieren. Anstatt Preise attraktiver zu gestalten, damit die Anzahl der Verkäufe zunimmt, haben fast alle Klavierhersteller die Preise erhöht – zum Teil drastisch. Angebote sollen dann von den Händlern gemacht werden. Doch gerade die stecken ja – eigentlich gemeinsam mit den Herstellern – in der Bredouille, dass sie immer weniger Einnahmen haben. Wenn sie dann noch Angeboten machen, verdienen sie noch weniger.
Muss man da nicht Umdenken, muss man nicht daran denken, wer eigentlich der Kunde der Instrumente ist? Die Premium-Marken sind im Bereich der Flügel fast alle mittlerweile so teuer, dass selbst die kleinsten Flügel bereits über 100.000 Euro kosten. Wer soll sich das denn noch leisten können. Dabei sprechen wir in diesem Bereich gerade bei diesen noblen und guten Marken von gutverdienenden Bürgern, die im Haus ihre Instrumente gerne spielen. Aber zu diesem Preis? Entsprechend der Preiserhöhungen hat sich natürlich auch der Markt für Gebrauchtinstrumente entwickelt. Die Instrumente besagter Hersteller sind auch gebraucht deutlich gestiegen. Das führt dazu, dass viele Kunden – Amateur-Musiker ebenso wie Studenten – immer mehr zu preiswerten Alternativen greifen (müssen). Die japanischen Hersteller bieten ebenso alternativen preislicher Art wie die chinesischen. Aber vor allem müssen sich viele weniger gut betuchte Klavierliebhaber mit Digital-Pianos begnügen. Das ist natürlich kontraproduktiv, wenn es um die Erhaltung der marken aus Europa geht, denn selbst Institutionen (Konzertsäle, Musikhoch- und Musikschulen), die ihre Instrumente in der Regel alle paar Jahre aufgrund von starkem Gebrauch austauschen wollen, haben nicht mehr das Budget, um sich die Neuinstrumente für die Bühnen leisten zu können.
Es ist eigenartig, doch bei einigen Herstellern – deren Kostenschraube natürlich auch extrem angestiegen ist für Materialien, Energie- und Mitarbeiterkosten – scheint es so, als würden sie vor allem die kommenden ein oder zwei Jahre im Fokus haben. Das soll heißen: Noch kann man durch Preiserhöhungen den Verdienstrückgang auffangen – doch was soll da in Zukunft – in drei oder vier Jahren folgen? Und genau da bräuchten die Klavierhersteller in Europa anscheinend einmal einen Plan, wie sie ihre jahrhundertealte Tradition auch in 50 bis hundert Jahren noch aufrechterhalten können.
