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Musikalischer Langstreckenläufer

Till Fellner

Von: Anja Renczikowski


Vor einigen Jahren wurde Till Fellner einmal gefragt, was er zurzeit lese. Italo Calvinos Essayband „Gesammelter Sand“, so ließ er damals wissen und fügte hinzu: „Was mich an diesem Buch beeindruckt, ist zunächst die Genauigkeit der Beobachtung, der staunende Blick gerade auf die unscheinbaren Dinge. Dann die Eleganz und Originalität des Denkens, das subtile Umkreisen der Gegenstände, ohne den Anspruch, sie ein für allemal erklären zu wollen.“ Heute antwortet er auf die Frage, inwieweit ihn auch außermusikalische Dinge beeinflussen, zurückhaltend: „Es ist immer schwierig, einen direkten Einfluss festzumachen, aber für mich gehört das Lesen dazu und ich kann mir nicht vorstellen, ohne das zu sein. Wahrscheinlich wird es auch in irgendeiner Weise mein Spiel beeinflussen.“ Liest man Fellners Beschreibungen über Calvinos Buch, lassen sich durchaus Parallelen ziehen. Auch er – so scheint es – liebt die beobachtende, akribische, abwägende und vorsichtige Herangehensweise. Zeit ist ein wichtiger Faktor im Leben des 1972 geborenen Wieners. Im Gegensatz zu den rasanten Karriereverläufen vieler seiner Altersgenossen hat er nichts überstürzt. „Klavierspielen“, so sagt Fellner, „ist eine langfristige Angelegenheit.“ Kontinuierliche Arbeit ist ihm wichtig. „Ich konzentriere mich möglichst auf zwei, drei Programme pro Jahr.“ Dinge wachsen zu lassen, Details zu erkennen und auch immer das Ganze im Blick zu halten, all das hat er von seinem Lehrer Alfred Brendel gelernt.

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Inspiration durch fremde Klangwelten

Cédric Pescia

Von: Isabel Herzfeld


Seine Eltern hatten mit Musik überhaupt nichts zu tun, und das war vielleicht auch gut so, findet der Schweizer Pianist Cédric Pescia. Zumindest könnte es daran gelegen haben, dass er seine Begabung spielerisch entwickeln konnte, ohne falschen Ehrgeiz und Druck. Wann und wo er als Kind zum ersten Mal ein Klavier hörte, daran kann sich der heute 33-Jährige gar nicht mehr so genau erinnern, in der Schule vielleicht – jedenfalls war damit eine Faszination fürs Leben geboren. Richtig ernst wurde es aber erst in der Teenager-Zeit. In aller Stille ist so einer der interessantesten Pianisten der jungen Generation herangereift, unschlagbar seriös allein schon dadurch, dass er seine glänzende Technik völlig unspektakulär und natürlich im Dienst der Werksubstanz wirken lässt. Zurzeit erobert er die großen Konzertsäle der Welt, die Berliner Philharmonie, die Carnegie Hall, die Wigmore Hall London.
Fünf CDs hat er in den letzten fünf Jahren beim Label Claves herausgebracht, die die Presse geradezu enthusiastisch aufnahm – Zeugnisse eines ebenso vielseitigen wie eigenwilligen musikalischen Geistes: Bachs „Goldberg-Variationen“ gibt er eine energievolle Frische und persönlichen Ausdruck jenseits subjektivistischer Verzärtelungen; in den „Davidsbündlertänzen“ zeigt er sich Schumann wesensverwandt; geradezu eine Kostbarkeit ist die dritte CD mit Werken von Couperin, Debussy und Messiaen unter dem Titel „Le Folies françaises“. Bemerkenswert auch die Einspielung so gut wie unbekannter, aber entdeckenswerter Violinsonaten von Busoni und Enescu mit der Geigerin Nurit Stark, Pescias Lebensgefährtin. Pescias letzter „Coup“ ist die Aufnahme der drei letzten Beethoven-Sonaten, eine selbstbewusst unkonventionelle, aber niemals willkürliche Annäherung an dieses „Allerheiligste“ der Klavierkunst. Wir trafen Cédric Pescia in seiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg und lernten einen außergewöhnlich sensiblen, jedes Werk mit äußerster Sorgfalt und Differenzierung erschließenden Künstler kennen, der zugleich allem Neuen aufgeschlossen ist und über einen feinen Humor verfügt. Bei einem exzellenten grünen Tee ging das Gespräch um seinen Werdegang und Treue zu sich selbst, Erneuerung des Repertoires und die Seele alter Flügel.

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„Manchmal verschreckt mich die Energie des Publikums.“

Piotr Anderszewski

Von: Carsten Dürer


Er ist einer der stilleren Vertreter von Pianisten, die vollkommen unabhängig und mit dem Blick auf ihre eigene Darstellungsweise von Musik ihren Weg gehen. Der 30-jährige Piotr Anderszewski ist anders in vielerlei Hinsicht, in seiner Art der Darstellung von Werken, in seiner Art zu denken, in Bezug auf seinen Karriereweg, den er aufgrund seiner Überzeugungen gegangen ist. Doch er ist vor allem auch eines: ein Künstler mit einer immensen Kraftentfaltung auf der Bühne, die sich nicht in großer Lautstärke widerspiegelt, sondern in seiner Intensität, den Werken das zu entlocken, was man bislang noch nie gehört hat. Als wir ein Konzert in der Kölner Philharmonie mit ihm besuchen, animiert er das Publikum durch sein Spiel zu einer Stille, wie man sie nur selten in solch einem großen Saal erlebt. Am kommenden Morgen treffen wir auf einen Frühaufsteher ...

titel 03 2009
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Eine bereits reife Persönlichkeit

Sa Chen

Von: Carsten Dürer


Die Pianistin Sa Chen wurde 1980 in Chongqin geboren, einer riesigen Stadt in Zentral-China mit mehr als 30 Millionen Einwohnern. Nach ersten Ausbildungsjahren am renommierten Sichuan Conservatory und dann der Shenzhen School of Arts ging die heute 29-jährige Pianistin nach London, um kurz darauf an die Musikhochschule in Hannover zu wechseln, wo sie ihre Studien abschloss. Vor kurzem präsentierte sie als neue Exklusiv-Künstlerin des niederländischen Labels PentaTone ihre erste CD mit den Klavierkonzerten von Frédéric Chopin, die ihren Namen erstmals in aller Welt bekannt werden ließ. Nun ging sie erneut ins Studio, um ihre zweite CD einzuspielen, Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ und die Klaviertranskription der sinfonischen Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ von C. Tchernov sowie einige von Sergej Rachmaninows „Études tableaux“. Wir fuhren in die Niederlande, um die junge Pianistin bei den Aufnahmen zu beobachten und mit ihr zu sprechen.

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Buddha des Klaviers

Leopold Godowsky

Von: Robert Nemecek


Die Erscheinung Leopold Godowskys markiert in der Geschichte der Klaviermusik nach Franz Liszt einen Gipfel, der bis heute nicht überboten worden ist. So gut wie alle Pianisten des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts waren sich darin einig, dass Godowsky über die vollkommenste Technik seiner Zeit verfügte. Harold Bauer nannte ihn „unseren Meister“. Seine Kompositionen, Transkriptionen und nicht zuletzt seine „Studien über die Etüden Chopins“ waren wegen ihrer intrikaten Schwierigkeiten berüchtigt und begründeten seinen Ruf als innovativer Klavierkomponist. Nach Godowskys Tod im Jahre 1938 geriet sein musikalisches Erbe jedoch weitestgehend in Vergessenheit. Mit Ausnahme einiger weniger Pianisten wie Jorge Bolet, Shura Cherkassky und Earl Wild hat die Pianistenzunft sein Werk praktisch ignoriert. Doch die Zeiten haben sich geändert, und dank einer neuen Generation von manuell enorm begabten Pianisten, für die Virtuosität nichts Anrüchiges hat, erlebt auch Godowsky derzeit eine Renaissance, die seine Bedeutung als eine zentrale Gestalt der Klaviermusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ins rechte Licht rückt.

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Poetischer Analytiker am Klavier

Evgeni Koroliov

Von: Anja Renczikowski


Kaum ein Pianist wirkt so introvertiert und scheu wie Evgeni Koroliov und dennoch – oder gerade deshalb – besitzt sein Spiel eine suggestive Sogkraft, wie sie selten zu hören ist. Der 1949 in Moskau geborene Musiker ist kein Mann der Äußerlichkeiten. Große Gesten sind ihm fremd. Still und zurückhaltend stellt er sich ganz in den Dienst der Musik. „In meinem Kopf spielt immer Musik“, so Koroliov und es fällt ihm sichtlich schwer, über diese Musik zu sprechen. Es scheint, als wäre es fast zu trivial, das, was so tief im Inneren sitzt, nach außen zu tragen und in Worte zu fassen. Daher mag sich der Pianist nicht sehr oft den sich häufig wiederholenden Fragen der Musikjournalisten stellen. Doch wenn er es tut, nimmt er sich Zeit und antwortet: langsam, besonnen und mit leiser, geradezu verhaltener Stimme.

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