titel 03 2009
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Eine bereits reife Persönlichkeit

Sa Chen

Von: Carsten Dürer


Die Pianistin Sa Chen wurde 1980 in Chongqin geboren, einer riesigen Stadt in Zentral-China mit mehr als 30 Millionen Einwohnern. Nach ersten Ausbildungsjahren am renommierten Sichuan Conservatory und dann der Shenzhen School of Arts ging die heute 29-jährige Pianistin nach London, um kurz darauf an die Musikhochschule in Hannover zu wechseln, wo sie ihre Studien abschloss. Vor kurzem präsentierte sie als neue Exklusiv-Künstlerin des niederländischen Labels PentaTone ihre erste CD mit den Klavierkonzerten von Frédéric Chopin, die ihren Namen erstmals in aller Welt bekannt werden ließ. Nun ging sie erneut ins Studio, um ihre zweite CD einzuspielen, Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ und die Klaviertranskription der sinfonischen Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ von C. Tchernov sowie einige von Sergej Rachmaninows „Études tableaux“. Wir fuhren in die Niederlande, um die junge Pianistin bei den Aufnahmen zu beobachten und mit ihr zu sprechen.


Valthermond ist nicht der Nabel der Welt, sondern im Bereich von Groningen angesiedelt, mitten auf dem platten Land. Dort hat sich vor vielen Jahren der niederländische Pianist Rian de Waal einen ehemaligen Bauernhof gekauft und dessen am Wohngebäude (für diese Gegend typisch) angeschlossene Scheune in einen Konzertsaal umfunktioniert. Dieser Ort, der seither als „Onder de Linden“ bekannt ist, wird seit geraumer Zeit auch als Aufnahmestudio angeboten. Zudem sind – dem pianistischen Besitzer sei Dank – zwei wunderbare Steinway D-Flügel vor Ort. Das technische Equipment für Aufnahmesitzungen ist ebenso vorhanden wie eine Küche und mehrere kleine Schlafräume. Was will man mehr? Und das niederländische Label PentaTone nutzt dieses ruhige und akustisch wunderbar klingende Aufnahmestudio gerne für Klavier- und Kammermusikaufnahmen. Drei Tage sind für die erste Solo-CD mit Sa Chen anberaumt.

Sa Chen ist bestens vorbereitet für ihre Aufnahmen, obwohl sie mittlerweile weltweit zahlreiche Konzerte spielt – und dies mit vollkommen unterschiedlichen Programmen. Schon nach einem Tag sind die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky „im Kasten“. Der Produkt-Manager von PentaTone, Job Maarsen, ist zufrieden und vollkommen entspannt. Er sagt: „Sie macht so selten Fehler, dass es wirklich großartig ist, nur noch an Kleinigkeiten zu arbeiten.“ An dem Tag, an dem ich anreise, steht nun als Erstes Mussorgskys berühmtes Orchesterwerk „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ in der Bearbeitung von C. Tchernov für Klavier zu zwei Händen an. Und auch hier trifft Sa Chen schnell den Grundcharakter dieses Werks, das zwischen „Himmel und Hölle“, wie sie sagt, pendelt. Wichtig ist ihr beim immer wieder erneuten Abhören einer eingespielten Version, dass sie nicht zu langsam spielt, dass sie den Wahnsinn des Hexentanzes ebenso darzustellen weiß wie die fast religiöse Anmutung des Endes. Und dennoch ist es faszinierend, zu erleben, wie punktgenau ihre Takes kommen, wie wenig sie sich in Tempo und Grundcharakter unterscheiden, so dass auch Schnitte für die bestmögliche Version möglich sind. Schon am frühen Nachmittag ist auch dieses technisch wirklich nicht einfache Werk fertig für die CD.

In den Abhörpausen von Sa Chen geht Michel Brandjes, einer der besten Klaviertechniker Europas, immer wieder an den Flügel, hört und reguliert nach, stimmt im Diskant, der bei diesem Werk besonders hart beansprucht wird. Das hört man, der Flügel klingt wundervoll, bruchlos in den Lagen und rund und voll.
Wir setzen uns in der späten Mittagspause mit Sa Chen zusammen, um mehr von ihr und ihrem Denken zu erfahren. Wie war es, in dieser riesigen Stadt Chongqin aufzuwachsen, will ich wissen. „Ich habe dort ja nur bis zum Alter von 11 Jahren gelebt. Es war normal“, meint sie und kommt schnell auf ihren weiteren Werdegang zu sprechen. „Wir zogen dann bald nach Changdou, wo es ein Konservatorium gab. Dort begann ich bei meinem chinesischen Lehrer Dan Zhaoyi. Als er dann nach Shenzhen umzog, nahm er einige seiner begabtesten Studenten mit. Ich war eine von ihnen. Also zogen meine Eltern und ich auch nach Shenzhen, das war im Jahr 1995. Nach zwei Jahren habe ich – es ist eine bereits oft erzählte Geschichte – am Leeds-Wettbewerb teilgenommen und habe so ein Stipendium für England erhalten. 1997 begann ich also bei Joan Havill an der Guildhall School of Music and Drama in London zu studieren.“ Dann kam auch schon der nächste große Wettbewerb, an dem sie teilnahm, der Chopin-Wettbewerb in Warschau. Was hatte sie sich davon versprochen? „Ich war mir gar nicht sicher, ob ich dorthin gehen wollte“, erklärt sie. „Ich war etwas unsicher, ob ich so lange nur einen Komponisten spielen wollte. Denn immerhin ist das Programm beim Chopin-Wettbewerb doch sehr intensiv und man muss sich lange darauf vorbereiten. Aber alle sagten mir, ich solle es versuchen, immerhin sei ich noch so jung.“ Sie lächelt. Das war im Jahr 2000 und ein Jahr später ging sie nach Hannover, um in der Klasse von Arie Vardi zu studieren. Warum wechselte sie ein weiteres Mal? „Ich denke, wenn ich zurückblicke, dass ich immer den richtigen Lehrer zum richtigen Zeitpunkt hatte. Und das ist ein Glück für einen sich entwickelnden Pianisten, meine ich. Als ich klein war, hatte mein Lehrer in China eine sehr natürliche Art, mir das Klavierspielen beizubringen. Die wichtigen Dinge, die er mir beibrachte, waren, so zu spielen, wie man sich fühlt, und wie man die Musik ausdrückt. Er brachte mir nicht bei, Musik zu machen, aber sich selbst auszudrücken und sich selbst zuzuhören. Natürlich brachte er mir auch eine gute Methode für die Technik bei. Und wir alle, meine Eltern, mein Lehrer und ich auch, dachten immer, dass ich irgendwann das Land verlassen würde, um meine Studien in Europa weiterzuführen. Denn immerhin spielen wir ja westliche Musik. Und so hat man die Hintergründe besser zu verstehen, indem man im Land der Komponisten ist, oder zumindest näher an der Kultur der Komponisten in ihren Ländern sein muss. Und ich denke, auch die Sprache ist sehr wichtig.“ Sa Chen spricht ein lupenreines Englisch. Doch dann ging es ja weiter. „Nun ich hatte einen Preis in Leeds, ich bekam einige Anerkennung seitens der Presse und dieses Stipendium. Und so ging es weiter.“

Aber wie war es am Anfang, fühlte sie schon früh in ihrem Leben, da so viele junge Menschen ihres Alters in China das Klavierspielen lernen, einen gewissen Druck, um aus der Masse hervorzustechen? „Als ich klein war, fühlte ich diesen Druck nie. Als ich aufwuchs, fühlte ich diesen Wunsch, einen individuellen Raum für mich, für mein Spiel und meine Gedanken haben zu wollen. Auch für die Beziehung nur zwischen der Musik und mir.“ Macht dies nicht wiederum etwas einsam? „Ja, es gab eine gewisse Zeit, da war das Alleinsein ein wenig zu stark ausgeprägt. Das ist auch nicht gut. Bei allem in der Welt geht es um die richtige Proportion, zumindest in Bezug auf das Leben. Und wenn man zu sehr abgeschottet ist, dann verliert man leicht die Lebendigkeit, den menschlichen Zugang zu der Musik. Aber wenn man zu sehr in der Masse bleibt, dann ist es vielleicht auch ein wenig ‚zu laut’, so dass man nicht genug auf sich selbst hört. Und man muss auch seine eigenen Empfindungen, seine eigenen Gedanken beibehalten, das ist sehr wichtig.“ Aber wie war es in Bezug auf den Konkurrenzdruck bei der Masse an guten Spielern, die China zu bieten hat, gerade an einem Konservatorium wie in Shenzhen? „Nein, eigentlich habe ich das niemals verspürt. Vielleicht auch, da die Kinder, die Klavier lernen, sich ja ganz gut über ganz China verteilen, und China ist groß“, grinst sie. „Aber ja, ich war natürlich umgeben von vielen brillanten Kindern, und jedes einzelne hatte eine Art von Leidenschaft, besser zu spielen. Das war zwar eine Art von Konkurrenzdenken, aber ich erinnere mich auch, dass ich immer gerne den anderen bei ihrem Spiel zuhörte. Irgendwie war es auch eine Zeit mit viel Spaß, auch wenn wir ein Klassentreffen hatten und alle einander vorspielten. Dasselbe gilt auch für London.“ Hatte sie denn schon vor dem Wettbewerb in Leeds an anderen Wettbewerben teilgenommen? „Ja, in China.“ Der größte Sieg, den sie dort errang, war 1994, als sie den ersten Internationalen Wettbewerb in China in der jungen Kategorie gewann. Dort saßen viele der wichtigen Juroren, die ansonsten auch weltweit in Jurys sitzen. Und so kam es auch, dass die Leiterin des Leeds-Wettbewerbs, Dame Fanny Waterman, sie hörte und zum Leeds-Wettbewerb einlud. „Warum wir an so vielen regionalen Wettbewerben teilnahmen, als wir jung waren, hatte einen einfachen Grund: Wir hatten nicht viele Möglichkeiten, aufzutreten und vor einem Publikum zu spielen, da es noch nicht so populär war, ein Klavier-Recital zu geben. So nahmen wir jede Gelegenheit wahr – und die Wettbewerbe boten diese Möglichkeiten.“ Zudem war es natürlich auch immer eine gute Gelegenheit, sich intensiv auf ein Programm vorzubereiten. Ein weiterer Wettbewerb, an dem sie teilnahm, war der 12. Internationale Van Cliburn-Wettbewerb in den USA, in dem sie ebenfalls einen Preis gewann. Seither hat sie an keinem Wettbewerb mehr teilgenommen. Warum nicht, wann verspürte sie, dass es vielleicht nicht gut sein könnte, an weiteren Wettbewerben teilzunehmen? „Nach dem Van Cliburn-Wettbewerb“, kommt es wie aus der Pistole geschossen über ihre Lippen. „Natürlich gibt ein Wettbewerb einem Pianisten immer viel Hoffnung. Die vorherigen Wettbewerbe hatte ich aus anderen Gründen gespielt. Leeds war eine Chance, die ich einfach nur wahrgenommen habe. Der Chopin-Wettbewerb hat mir die Gelegenheit gegeben, zu wachsen. Danach fühlte ich mich deutlich stärker. Ich wusste, wie ich individuell zu spielen habe. Wie ich mich fühlen muss, um auf dem Podium zu sein. Allerdings war es bei dem Van Cliburn-Wettbewerb etwas anderes. Ich hatte ein persönliches Tief, ich fühlte mich aus persönlichen Gründen nicht wohl, wollte nicht mehr üben. Mit einem Wort: Es war eine vielleicht notwendige Periode im Leben, wie sie jeder einmal durchlebt. Viele Menschen, die sich um mich kümmerten, rieten mir, zu diesem Van Cliburn-Wettbewerb zu gehen, um zu sehen, ob ich danach überhaupt Lust dazu verspüre, weiterhin Klavier zu spielen. Dieser Wettbewerb war so etwas wie ein Zurückfinden zu mir selbst.“ Und sie erhielt den 3. Preis – und fand zurück zu sich selbst. Seither war sie sicher, dass sie weiterhin Pianistin sein will. Immer noch, gibt sie zu, raten ihr viele Menschen, an weiteren Wettbewerben teilzunehmen: „Denn ich habe ja noch keinen wichtigen ersten Preis gewonnen, und sie denken, dass man erst mit einem solchen Preis aufhören sollte. Natürlich geben einem Wettbewerbe einen Anreiz zu einer guten Vorbereitung und lehren einen viel. Aber das ist nicht das Ziel, auf das man hinarbeiten sollte. Auch mit einem Preis nicht. Zudem glaube ich, dass es zu viele Wettbewerbe gibt und man sich darauf eh nicht verlassen kann. Man sollte nicht zu viele Wettbewerbe spielen und ein Wettbewerbs-Pianist werden. Man muss nach und nach sich selbst finden, und das nicht im Standard eines Wettbewerbs.“ Natürlich, und je individueller man wird, umso weniger passt man in viele Wettbewerbsraster. „Ich habe festgestellt, dass ich die Musik liebe, aufzutreten mir unglaublich viel gibt: meine Ansichten und Gedanken durch die Musik mit dem Publikum zu teilen. Das ist der Grund, warum ich weitermache.“

In Europa wurde ihr Name erst durch die erste CD-Einspielung für PentaTone mit den beiden Klavierkonzerten von Chopin wahrgenommen. War das ein wichtiger Moment auf dem Weg zu einer Karriere? „Wissen Sie, wenn man über die Marktgegebenheiten in der Musikwelt spricht, dann gibt es einige Elemente, die man benötigt. Eine Aufnahme gehört dazu, aber auch eine PR-Agentur, eine Künstler-Agentur ... So bin ich sehr glücklich über die Möglichkeit, für PentaTone aufzunehmen, und das Vertrauen, das sie in mich geben. Und natürlich ist eine CD hilfreich, denn mehr Menschen können einen spielen hören. Und wenn man dann an die Kritiken denkt, dann reflektieren viel mehr Menschen über das, was man macht. Darüber bin ich sehr glücklich.“ Überhaupt macht Sa Chen einen rundum zufriedenen Eindruck, und vielleicht liegt es auch genau daran, warum sie bei Aufnahmen so entspannt wirkt. Aber ich hake doch noch einmal nach, will wissen, wie es ist, wenn man plötzlich mehr im Fokus der Medien steht. Immerhin wird man mit Aufnahmen von den Chopin-Konzerten auch immer direkt mit Pianisten verglichen, die längst eine Karriere haben. „Ich denke, dass dies sehr interessant ist“, sagt sie, sehr diplomatisch, wie ich finde. „Diplomatisch? Nein, ich meine das ernst“, erwidert sie, „lassen Sie mich das ‚interessant’ erklären. Nun hat man mehr Meinungen. Natürlich ist man nicht über jede der Meinungen begeistert. Aber es ist eine andere Sichtweise, eine andere Sicht darauf, wie die Musik vielleicht gespielt werden sollte, es sind persönlichere Ansichten, die man da in der Öffentlichkeit als Kritiken erfährt. Wenn man ein Konzert spielt, dann teilt man mehrere Dinge mit dem Publikum. Auf einer CD aber kann man es zwar auch mit einer Öffentlichkeit teilen, aber durch andere Kanäle. In dieser Hinsicht denke ich, dass es in jedem Fall positiv ist. Und letztendlich ist es natürlich großartig, dass mehr Menschen meine Ansichten von Musik hören können und meinen Werdegang verfolgen können.“
Überhaupt, wer entschied, dass als erste CD die Chopin-Klavierkonzerte aufgenommen werden? „Wir alle zusammen. Wir haben beschlossen, jedes Mal gemeinsam zu diskutieren, was am besten passt. Manchmal funktioniert das intuitiv, man fühlt, dass es gut wäre, ein bestimmtes Werk aufzunehmen. Der Produzent von PentaTone, Job Maarse, hat mich durch mein Chopin-Spiel kennen gelernt. Er erhielt die CD, die vom Chopin-Wettbewerb als Live-Einspielung entstand und wo ich auch vertreten bin. Er hörte sie an und mochte wohl mein Chopin-Spiel besonders.“ So fragte Maarse, ob man nicht die beiden Chopin-Klavierkonzerte aufnehmen sollte. „Zudem wurden diese beiden Konzerte in den vergangenen Jahren nicht von einem jungen Pianisten aufgenommen“, sagt sie noch und man erkennt, dass natürlich auch marktstrategisches Denken eine Rolle spielt. „Außerdem habe ich die Konzerte schon gelernt, als ich noch sehr jung war, so 14 oder 15 Jahre“, sie denkt kurz nach und sagt dann, „na ja, nicht so jung“ und muss selbst lachen, da sie ja erst 29 Jahre alt ist.

Über das Programm der neuen CD entstand ebenfalls eine Diskussion, welche Werke man nun für die erste Solo-CD aufnehmen sollte. „Wir dachten, dass man vielleicht etwas anderes anbieten sollte. Und da boten sich die ‚Bilder einer Ausstellung’ allein schon an, da sie diese großartige Fülle an unterschiedlichen Charakterstudien anzubieten haben, die alle Arten des Klavierspiels zeigen. Die ‚Nacht auf dem kahlen Berge’ zeigt zudem noch eine andere Art des Ausdrucks, als dies bei Chopin der Fall war: delikat und romantisch. So würde ich es bezeichnen. Rachmaninows ‚Études tableaux’ bieten dann etwas ebenfalls Romantisches und Melancholisches.“ Es klingt aber dann doch so, als ob marktgegebene Überlegungen eine große Rolle spielen. Was denkt sie aber ganz persönlich, wie empfindet sie in Bezug auf diese Kombination Mussorgsky und Rachmaninow? „Natürlich haben wir diese Kombination erst später zusammengestellt. Aber Mussorgskys ‚Bilder’ war die erste Idee. Ich habe dieses Werk schon vor vielen Jahren gelernt, dann aber beiseitegelegt. Seit vergangenem Jahr habe ich es dann wieder auf einige Konzertprogramme gesetzt und habe gemerkt, dass ich mich diesem Werk sehr nahe fühle. Es hat so viele unterschiedliche Charaktere innerhalb eines Zyklus und ist dennoch so hervorragend wie ein einziges Stück zusammengefügt, dass ich es wirklich liebe. Und natürlich ist es dann die Kunst, Stücke zu finden, die dazu passen. Die ‚Nacht auf dem kahlen Berge’ mochte ich immer schon als Orchesterwerk, es hat dieses Dunkle und die Verrücktheit in sich. Es ist vollkommen schwarz und weiß, die Teile sind vollkommen getrennt voneinander, wie Hölle und dann Himmel. Ich mag diese Art von Stücken, die diese Konflikte in sich bergen. Ich denke, dass diese Transkription sehr gut ist, auch wenn ich weiß, dass andere Pianisten noch etliche Kleinigkeiten zu dieser Transkription hinzufügen. Aber ich dachte, dass es absolut genug ist, um die Orchesterfarben auszudrücken.“

Die Vorbereitungen auf solch eine Aufnahme versucht sie in ihren Reise- und Auftrittsalltag zu integrieren: „Ich habe nicht wirklich beständig und nur diese Werke gespielt, das wäre gar nicht möglich gewesen. Aber ich habe versucht, jeden Tag Teile aus diesem Programm zu spielen. Und am Ende versuche ich eigentlich hier nur all die Erfahrungen, die ich in dieser gesamten Zeit gesammelt habe, zu vereinen. Ich hoffe aber auch, dass ich dennoch das Gefühl der Spontaneität bewahren kann, auch wenn es eine Aufnahme ist. Als ob ich ein Konzert gebe.“ Dennoch, so gibt sie zu, war sie ein wenig nervös vor der Aufnahme, da sie viel gereist ist und sich nicht nochmals wirklich ein paar Tage vollkommen konzentriert mit diesen Werken beschäftigen konnte. Sie sagt: „Aber damit muss man sich arrangieren, das gehört dazu. Wenn man sich entscheidet, es zu tun, dann kann man es auch tun. Das ist eine Sache der mentalen Stärke.“
Natürlich hat sie mittlerweile ihre eigenen Ansichten, ihre eigenen Gedanken, aber Rat holt sie sich immer noch bei ihrem bisherigen Lehrer Arie Vardi, aber auch bei anderen anerkannten Persönlichkeiten wie Menahem Pressler, wenn sich die Gelegenheit in den USA ergibt. „Das ist wichtig, man braucht eine andere Meinung“, sagt sie.

Sa Chen scheint eine bereits geformte, eine starke Persönlichkeit zu haben, ist aber immer noch offen für Vorschläge und Hinweise. Warum sie, so jung wie sie noch ist, den Eindruck macht, erklärt sie so: „Ich denke, dass ich vieles in meinem Leben erlebt habe. Das hat mir diese Art des Denkens beigebracht. Zudem denke ich, dass es in meinem Genen ist. Diese beiden Dinge haben mich zu einer stark mentalen Persönlichkeit werden lassen. Das heißt nicht, dass es nicht Momente gibt, in denen ich mich schwach fühle, und ich nicht weiß, was als Nächstes passieren wird.“
Diese mentale Stärke und die Sicherheit über ihre eigene Musikansicht erkennt man auch während der Aufnahmesitzung. Am Nachmittag geht sie die „Études tableaux“ von Rachmaninow an, wieder vollkommen konzentriert und entspannt, so wie es sein sollte. Man kann auf das Endergebnis gespannt sein.

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