Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

wundern Sie sich nicht auch manchmal, wenn sie eine Aufnahme mit Klaviermusik anhören, dass es Momente gibt, vielleicht auch nur einzelne Phrasen, bei denen Sie aufhorchen, da Sie das Werk selbst gespielt haben oder die Aufnahme sogar mit den Noten auf den Knien verfolgen, um das Werk besser kennenzulernen?

Wieso es u solchen Überraschungen kommt, auch bei Werken, die man schon hunderte Male gehört hat? Nun, oftmals liegt dies im individuellen Lesen des Notentextes, vor allem der Interpretationsangaben in ihm, der Crenscendi- und Decrescendi-Zeichen, der Pedalangaben – und auch der Tempi. Spätestens seit Beethoven haben die meisten Komponisten sensibel darauf geachtet, dass die Notentexte genaueste Angaben beinhalten, um die in sie eingewobenen kompositorischen Ideen nicht zu leicht von den Interpreten verändern zu lassen. Und dennoch ist der Notentext nur eine Art von Vehikel, wie Hieroglyphen, die es zu entschlüsseln gilt und die dann in Klang umgesetzt werden sollen. Oftmals spricht man auch von „Lesart“, wenn es um die individuelle „Übersetzung“ geht, da jeder Interpret letztendlich denselben Text anders liest und dann vor allem in Zusammenhang mit Erfahrungen, technisch-physischen Voraussetzungen und Emotion bringt – also auch anders spielt.

Denn nur auf diese Weise bleiben die vielen Meisterwerke für Klavier zeitlos lebendig. Und nur auf diese Weise – aufgrund der individuellen Spielweise – kann man sich immer wieder für neue Interpretationen derselben Werke begeistern, die neu und aus dem Moment heraus erleben.
Doch diesen individuellen Freiraum der „Lesart“ sollte man im Sinne des Komponisten in Grenzen halten. Und bei der „richtigen Lesart“ (die eigentlich schon fast ein Absurdum in sich birgt) sollten die Lehrer behilflich sein, Richtungen und „Übersetzungsmöglichkeiten aufzeigen. Doch auch diese sind natürlich bereits sehr subjektiv gefärbt …

Und die einfachste und vielleicht greifbarste Art der (persönlichen) Übersetzung eines Lehrers ist es, die Noten in Bildern und Imaginationen zu dechiffrieren. Doch als Lehrer hat man sich selbst Gedanken gemacht, welche der „Bilder“ wirklich passen. Das bedeutet aber nicht, dass der Schüler dasselbe Bild „sieht“ oder es versteht. Do muss letztendlich jeder Spieler Entscheidungen nach eigenen Überlegungen treffen – und findet dadurch zu einer neuen, eigenen Interpretation. Auf diese Weise werden uns die Überraschungen im positiven Sinne auch erhalten bleiben.

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