Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

immer wieder kommt es vor – und irgendwie immer häufiger –, dass seitens Lehrern an Musikhochschulen sich darüber beklagen, dass so wenig gute Talente aus Deutschland Eingang in die Klassen an den Musikhochschulen finden. Das ist nicht fremdenfeindlich gemeint, sondern mit einem großen Fragezeichen versehen. Denn warum sind ausgerechnet aus dem Land, in dem die Musik eine solche Tradition hat kaum deutsche Nachwuchstalente zu finden – gerade auch im Klavierbereich.Nun, das hat sicherlich unterschiedliche Gründe. Zum einen ist die antiautoritäre Erziehung, die schon in den 60er Jahren ihren Ursprung fand, einer der Gründe. Immerhin waren nur wenige Eltern gewillt, ihren Kindern das Musizieren aufzuzwingen. Im Nachkriegs-Wirtschaftswunder wollte man den Kindern alle Optionen offen lassen, wollte auf sie hören, ihren Willen akzeptieren. Und das Klavierspiel erfordert nun einmal viel Disziplin und ist auch immer verbunden mit viel Mühe, die zeitweise einen klaren elterlichen Antrieb braucht (Ausnahmen bestätigen immer die Regel). Zudem hatten die Eltern nie – wie dies in Russland oder heute in China der Fall ist – viel aufopfern müssen, um ihren Kindern Musikunterricht ermöglichen zu können, so dass der Druck auf den Kindern ungleich niedriger war. Auf der anderen Seite hatte der Musikerberuf bald schon einen Nimbus der brotlosen Kunst. Noch heute werden oftmals junge Künstler nach einem Konzert gefragt, wovon sie eigentlich leben … Dies war in anderen Ländern in diesem Ausmaß niemals der Fall. In Russland hatte der Musiker einen ebenso guten Status wie andere Berufe. Das Gleiche gilt in Asien. Entsprechend kommen viele Studenten mit großartiger Grundausbildung nach Deutschland, dem Land der großen Musiktradition, um hier zu studieren. Dass bei Eintritt in eine Musikhochschule die Staatsangehörigkeit keine Rolle spielen darf, ist sicherlich absolut sinnvoll, denn bei einer Aufnahmeprüfung gilt das Können – nichts weiter.Aber: Wenn die Studenten in Deutschland schon in den Genuss einer fast kostenfreien Ausbildung kommen – im Vergleich zu fast allen anderen europäischen Ländern – dann sollte man doch darüber nachdenken, ob es in Ordnung ist, dass die meisten nach dem Studienabschluss nicht auch für eine Zeit versuchen, der Gesellschaft, der sie dieses Studium zu verdanken haben, etwas zurückgeben. Natürlich ist dies sehr profan und positiv ausgedrückt, denn nicht alle haben die Chance, ihr Leben mit der Musik zu bestreiten. Aber manches Mal stimmt es schon traurig, wenn man sieht, dass Talente, die ihren Abschluss in Deutschland gemacht haben, gleich danach wieder in ihre Heimat zurückkehren, mit dem guten und hoch angesehenen Abschluss, der ihnen zu Hause bessere Möglichkeiten offenbart.Dies sollte vielleicht geregelt werden, dies sollte auch politisch nachdenklich stimmen, denn wenn die Chancen für junge Pianisten in Deutschland mittels Förderung besser wären, würde sich die Ausbildung, die von der Gemeinschaft getragen wird, auch für die Gemeinschaft lohnen. Und sicherlich würden viele gerne in Deutschland bleiben, wenn sie Chancen für ein Leben mit der Musik sehen würden und ihr Ansehen besser wäre.Daran sollten wir alle arbeiten: Die Chancen für junge Musiker, egal welcher Nationalität, zu verbessern und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie einen Schatz für die Gesellscahft darstellen.

Ihr

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