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Der Neuerer

Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag

Von: Carsten Dürer

Was wissen wir heute über den zweitältesten Sohn des die gesamte Familie überstrahlenden Johann Sebastian Bach, über Carl Philipp Emanuel? Anders als der älteste Sohn Johann Sebastians, Wilhelm Friedemann, hatte Carl Philipp Emanuel keinen so intensiven Kontakt zu seinem Vater. Und dennoch lernte er alles vom Vater, wie das so üblich war: Die Bachs gingen seit Generationen innerhalb der Familie in die „Lehre“. Carl Philipp Emanuel hatte ein sonniges Gemüt, so viel ist sicher. Und er war begabt, immens begabt. Schon früh begann er eigene Werke zu schreiben, konnte schon mit 17 Jahren eine Komposition im Druck erscheinen lassen, sein „Menuet pur le clavessin“ von 1731. Dennoch steht dieser Bach nur selten im Fokus, obwohl er schon bald nach dem Tod des Vaters diesem den Rang als der „große Bach“ ablief. Allein 1988, zum 200. Todesjahr, erschienen etliche CD-Einspielungen und die bislang einzige Biografie dieses zweitgeborenen Bach-Sohns: Hans-Günter Ottenbergs Biografie, die 1982 erstmals erschien, aber zum Gedenkjahr vollkommen überarbeitet wurde. Nun können wir in diesem Jahr den 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach begehen. Ein Grund für uns, uns diesem Bach einmal mehr zu nähern und ihn aus dem Schatten seines ohne Frage großartigen Vaters zu befreien.

Betrachtungen

Carl Philipp Emanuel Bach hatte seinen Vater auf Reisen begleitet, vor allem nachdem Wilhelm Friedemann in Dresden angestellt wurde, hat er ihn dorthin begleitet. Bis dahin hatte der Bruder die meiste Zeit mit dem Vater verbracht, wie uns die grandiose Familiengeschichte in Klaus-Rüdiger Mais neuem Buch „Die Bachs“ so klar vor Augen führt (s. Besprechung auf Seite 17). Doch anstatt nun erst recht beim Vater zu lernen, ging er ins „Ausland“, weg von Thüringen, nach Frankfurt an der Oder, nach Preußen also. Sofort gab er Klavierunterricht, komponierte Vokalwerke, wusste, wo er anzusetzen hatte, wenn es um sein Fortkommen ging. Bald schon war er am Hofe des Kronprinzen Friedrich in Rheinsberg, wo auch Johann Joachim Quantz oder Carl Heinrich Graun ihren Dienst versahen. Und wir sprechen hier von dem Friedrich, der einmal als „Der Große“ als König in die Geschichte eingehen sollte und in Berlin (und Potsdam) seine Zelte aufschlug. Carl Philipp Emanuel wurde Cembalist in Berlin, nachdem Friedrich die Staatsgeschäfte als Monarch übernommen hatte. Und dort lernte er auch viele andere Intellektuelle kennen, die seine Sicht auf die Welt erweiterten und auch seine Einstellung zur Musik prägten. Unter ihnen Gotthold Ephraim Lessing. Und dieser literarische Philosoph stand für eine neue Richtung des Denkens, die letztendlich als „Aufklärung“ in Deutschland in die Geschichte eingehen sollte. Und das kam dem jungen Bach gerade gelegen, auch wenn er eigentlich die freidenkerischen Grundsätze seiner Vorfahren im Geiste der Reformation fortführte. Die Reformation hatte die Bach’sche Familie nach Luther gelehrt, dass jeder Mensch in sich frei sei: „Hier ist’s offenbar, dass kein äußerlich Ding ihn frei und gerecht machen kann … Ebenso hilft es der Seele nicht, wenn der Leib heilige Kleider anlegt … Es muss alles noch etwas anderes sein, wenn es der Seele Rechtschaffenheit und Freiheit bringen und geben soll.“ Und genau dieser Freiheit, die allein von Gott und von keinem aufgrund seines Standes „höher“ Stehenden gegeben ist, wollten die Bachs dienen, sich verwirklichen in Demut allein vor Gott. Sicherlich war Johann Sebastian Bach der Erste, der dies wirklich auslebte, sich mit den Vorgesetzten, den Fürsten anlegte, um seiner Berufung, der Wahrheit der Musik so nahe wie möglich zu kommen, vor Gott gerecht zu werden. Doch Carl Philipp Emanuel kam nun einmal auch aus diesem Haus … Und die Aufklärung ging einen Schritt weiter. Sie hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die Kultur zusammenzubringen, um den Menschen zu bilden, aber dabei vor allem auch durch die Unterrichtung der Öffentlichkeit den Freiheitsgedanken populär zu machen. Und die der Vernunft verpflichteten Aufklärer verstanden es auch, Glaubensfragen in ihr Denken zu integrieren. Immerhin hatte Gottfried Wilhelm Leibnitz den Satz geprägt, dass die Welt die beste aller denkbaren Welten sei, weil sie Gott sonst absichtlich oder aus Unvermögen unvollkommen hätte werden lassen – beides widerspräche dem Gottesbegriff, der auch einem Carl Philipp Emanuel Bach immer noch Leitgedanke war.

Und Gotthold Ephraim Lessing schrieb: „Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz –“ (aus: „Über die Wahrheit“). Diese Wahrheitssuche in der Kunst, der Musik, hatte der Vater Carl Philipp Emanuel vorgelebt und sich bis zu seinem Ende nicht zufrieden geben können mit dem, was er erreicht hat – immerhin schrieb er bis zu seiner letzten Stunde, auf der Suche nach der Wahrheit in der Musik. Und in diesem Sinne hatte er auch seine Söhne erzogen, allerdings nicht mit dem Ansinnen, sie zu Epigonen seiner selbst zu machen, sondern sie hatte schon frühzeitig ermutigt, einen eigenen Weg zu gehen.
Wenn wir Carl Philipp Emanuel Bach auf die gute Ausbildung und einen kaum zu definierenden Begriff des „Genies“ reduzieren wollen, lassen wir ihm von Anfang an wohl kaum Gerechtigkeit widerfahren. Er war auch ein Intellektueller. Er hatte Recht studiert, in Leipzig und in Frankfurt an der Oder. Er erhielt Anregungen von seinen Freunden, mit denen er musizierte, die weit mehr gereist waren als er selbst. In seiner für den Musik-Reisenden Charles Burney (in dessen „Tagebuch einer musikalischen Reise“, das kein Geringerer als der Schriftsteller Johann Joachim Christoph Bode übersetzte) verfassten Autobiografie schreibt Carl Philipp Emanuel zwar, dass er keinen anderen Lehrer gehabt habe als seinen Vater, aber was sagt das über seine Erfahrungen, über seine auf ihn eingegangenen Einflüsse aus?
Eines ist sicher: Allein mit seiner so wichtigen und bis heute in vielen Teilen gültigen theoretischen Schrift „Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen“, deren Teile 1753 und 1762 im Druck erschienen, wollte er nicht die professionellen Musiker ansprechen, sondern eine „aufklärerische“ Breitenwirkung für das Bürgertum erzielen und die vielen Laienspieler erreichen. Dass er daneben auch den Lehranspruch, den der Vater mit seinen Zyklen der „Clavierübungen“ geschaffen hatte, weiterverfolgt, ist gewiss.
Carl Philipp Emanuel Bach schrieb eine recht große Masse an Werken, für alle möglichen Besetzungen. Doch sein Klavierwerk ragt unter allen Besetzungen heraus. Natürlich arbeitete er nicht mit „dem Klavier“, sondern mit allen Tasteninstrumenten.

Die Gesamteinspielung der Klaviermusik von Ana-Marija Markovina

Immer wieder wurden die sogenannten „Württembergischen“ und die „Preußischen“ Sonaten, so benannt nach ihren Entstehungsorten, oder aber auch die Werke für „Kenner und Liebhaber“ von unterschiedlichen Pianisten eingespielt. Doch das ist fast weniger als die Spitze eines riesigen Eisbergs, den C. P. E. Bach uns allein an Werken für das „Clavier“ überlassen hat. Natürlich hat die historisch informierte Aufführungspraxis C. P. E. Bach für unsere heutigen Zeiten wiederentdeckt, in Anlehung vor allem an den „Versuch“, der ja wie ein Handbuch für diese Zeit daherkommt und dessen sich seit den 60er Jahren die Interpreten wieder bedienten. Nun aber, in seinem Gedenkjahr zum 300. Geburtstag hat sich die russische Pianistin Ana-Marija Markovina darangemacht, Carl Philipp Emanuel Bachs Gesamtwerk für Klavier solo einzuspielen. Die erste vollendete Gesamteinspielung überhaupt. Wir wollten Genaueres über diese Einspielung wissen und trafen uns zum Gespräch mit ihr.

Den gesamten Artikel und das Interview mit Ana-Marija Markovina können Sie in der Ausgabe 2-2014 von PIANONews lesen.

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