pn 01 2014

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Menahem Pressler
zum 90. Geburtstag

„Mein Grundsatz ist und bleibt die Liebe zur Musik.“

Von: Carsten Dürer

Er hat sich am Klavier zu einer lebenden Legende gespielt: Menahem Pressler, den die meisten Musikliebhaber vor allem als Pianisten des legendären Beaux Arts Trio kennen, feierte am 16. Dezember vergangenen Jahres seinen 90. Geburtstag. Der als Max Pressler in Magdeburg geborene Pianist war 1939 mit seiner Familie nach Israel geflohen, um den Nazis zu entkommen. Als er 1940 in die USA eingeladen wurde, blieb er nach dem Gewinn des Debussy-Wettbewerbs in San Francisco und begann eine großartige Karriere als Solist. Seit 1955 lebt er in Bloomington und lehrt dort an der Indiana School of Music. Im selben Jahr gründete er das Beaux Arts Trio, mit dem er in unterschiedlichen Besetzungen bis 2008 auftrat. Nach der Auflösung des Trios tritt er wieder verstärkt als Solist auf. Wir trafen Menahem Pressler im September, um mit ihm über seine neuen Erfolge als Solist und seine Aktivitäten am Rande seines 90. Geburtstags zu sprechen.

Es ist ein Vormittag im September 2013 in der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Menahem Pressler ist zu diesem Zeitpunkt der Jury-Vorsitzende der Kategorie Klaviertrio beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Zwei Tage zuvor hat er – an einem wettbewerbsfreien Tag – ein Konzert in der Londoner Wigmore Hall gespielt: „Menahem Pressler and friends“ nennen sich solche Konzerte. Zuvor hat er jede freie Minute geübt. Aber das nicht wegen seines anstehenden Konzerts alleine: Menahem Pressler übt jeden Tag. Auch als ich in einen der Unterrichtsräume komme, unterbricht er sein Üben nur für unser Gespräch.

Der Solist

Eigentlich hat Menahem Pressler immer solistisch gespielt, doch irgendwie hat der Ruhm des Beaux Arts Trio diese solistische Tätigkeit über die Jahrzehnte ein wenig in den Schatten gestellt. Mittlerweile spielt er wieder viele Solo-Konzerte … „Ja, ich habe immer solistisch gespielt, aber nie mit den Erfolgen, die ich jetzt habe“, sagt er ruhig. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn gerade nach dem Gewinn des damals renommierten Debussy-Wettbewerbs in San Francisco 1946 hatte er zahlreiche Solo-Konzerte. „Ja, ich hatte enorme Erfolge – auch in der Mitte der Zeit. Ich habe mit den New Yorker Philharmonikern gespielt, mit dem Philadelphia Orchestra, vor allem, als ich den Wettbewerb gewonnen hatte. Aber auch danach spielte ich mit Dallas Symphony, in Paris, in London, ich hatte immer Gelegenheiten, solistisch zu spielen. Meistens war es so: Wenn das Trio irgendwohin kam, wollten die Veranstalter auch immer, dass ich ein Solo-Konzert spiele. Aber ich habe das als Nebensache neben dem Trio betrachtet.“ Auch dies mag ein Grund sein, dass Menahem Pressler – und dies sicherlich auch zu Recht – als Koryphäe vor allem in der Klavierkammermusik angesehen wird, nicht so sehr als Solist im Bewusstsein ist. Und dies, obwohl alles sich immer und vor allem um das Klavierspiel drehte: „Ich habe ja auch immer Klavier als Hauptfach unterrichtet, denn ich unterrichte ja eigentlich keine Kammermusik in Bloomington. Natürlich habe ich auch das gesamte Repertoire studiert, es unterrichtet und gespielt. Aber dann kam es zu diesem Zufall. Ich spielte in der Cité de la Musique in Paris einen Klavierabend. Dieser Abend wurde auf DVD aufgezeichnet. Und als diese DVD erschien, schrieb ein Kritiker: ‚Warum hat er so spät mit dem Trio aufgehört?‘ Das hat mich sehr gewundert.“ Er lächelt verschmitzt. „Danach spielte ich  mit dem Orchestre de Paris ein Konzert und dieses war noch erfolgreicher. Ich spielte mit einem Gastdirigenten unter schwierigen Bedingungen, da Boulez zuvor probte. Und so gab man mir nur eine Probe mit dem Orchester und diese war für 22 Uhr nachts angesetzt. Man sagte mir, dass man zuvor eine Messe von Gounod probte und daher keine andere Zeit infrage käme. Ehrlich gesagt, wusste ich ja überhaupt nicht, dass Gounod Messen geschrieben hat, aber er hat nicht weniger als 17 Messen geschrieben. Und die aufzuführende fand mit einem Chor von 100 Sängern statt. Also blieb es bei der späten Probe. Der Dirigent fing mit dem Tutti an und ich sagte sofort, dass mir das nicht gefällt. Ich sagte: ‚Wir haben nur eine Probe, also bringt diese Art des Spiels nichts. Lassen Sie mich mit den Streichern allein und ich probe mit denen.‘ Es war ein Mozart-Klavierkonzert und letztendlich ist das ja absolute Kammermusik. Wir spielten also dieses Konzert und ich ging danach mit dem Veranstalter zum Abendessen. Während des Abendessens bekommt dieser einen Anruf von dem Chefdirigenten des Orchesters, Paavo Järvi, der sagte, er wolle unbedingt mit mir in der kommenden Saison in Paris spielen. Wenn einer sagt, in der kommenden Saison, dann ist das eigenartig, denn die ist in der Regel komplett voll mit Konzerten. Aber man fand einen Platz für mein Konzert. Und da ereignete sich dieselbe Sache mit der Probe: Mir gefielen einige Dinge nicht, die ich äußerte. Und nach der Probe sagte Järvi zu mir: ‚Weißt du, Menahem, ich fühle mich, als wenn ich 20 Jahre alt bin und mich erneut in Musik verliebe.‘ All dies war mir fremd, denn ich tat ja nur das, was ich gewöhnt war zu tun – oder besser, woran ich mich gewöhnt habe, wie ich Musik betrachte. Besonders jetzt, in meinem Alter.“

Späte Erfolge

Pressler ist ein Unnachgiebiger, wenn es um die Musik geht. Doch nicht wirklich aus Eigensinn und Eigeninteresse, sondern ihm geht es nur um die Musik. Entsprechend sieht er auch seine heutigen Konzertauftritte, die nicht weniger werden, sondern eher mehr: „Wenn ich heute spiele, spiele ich ja nicht mehr für den Erfolg. Wenn ich spiele, dann spiele ich, um mit meinem Publikum die Liebe zu den Werken, die ich habe, zu teilen. Und ich spiele nur die Werke, die ich liebe. Ich akzeptiere nicht, was ich nicht üben möchte – oder man könnte sogar sagen: was ich nicht kann.“ Menahem Pressler ist sich trotz seiner Energie, die er immer noch aus der Musik zieht, seines Alters bewusst: „Man muss auch seinem Alter gerecht werden, auch wenn ich beispielsweise heute hier bis 18 Uhr üben werde. Normalerweise tut das niemand in meinem Alter.“ Er lächelt und fügt lachend hinzu: „Eigentlich kenne ich niemanden, in keinem Alter, der das tut.“

Das komplette Porträt können Sie in Ausgabe 1-2014 von PIANONews lesen.

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