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Scheuer Klaviertitan

Josef Lhévinne (1874–1944)

Von: Robert Nemecek


Nur ein Jahr nach Harold Bauer und Sergej Rachmaninow geboren, gehört Josef Lhévinne in die Reihe jener Tastenlöwen der Vergangenheit, die für uns heute die goldene Ära des Klavierspiels repräsentieren. Lhévinne spielte als Siebzehnjähriger Beethovens 5. Klavierkonzert unter Anton Rubinstein und konnte sich um die Jahrhundertwende als einer der weltweit führenden Pianisten etablieren. Ende des 19. Jahrhunderts tat er sich mit seiner Frau Rosina zu einem Klavierduo zusammen, das zum Urbild aller folgenden professionellen Klavierduos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde. Als Professor für Klavier an der 1922 gegründeten Juilliard School wurde er schließlich zu einer Schlüsselfigur der amerikanischen Klavierschule. Wir erinnern an diesen großen Pianisten, der nie die Popularität eines Ignacy Jan Paderewsky oder Josef Hofman erreichte und dessen Spiel nur durch einige wenige, jedoch bis heute unübertroffene Aufnahmen dokumentiert ist.

Ein großer, großer Junge

Josef Lhévinne, der am 13. Dezember 1874 in der 350 Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Stadt Orel (Orjol) das Licht der Welt erblickte, war ein Wunderkind. Er konnte schon mit drei Jahren mittelschwere Stücke aus dem klassischen Repertoire spielen und verblüffte die Zuhörer durch die Sicherheit seines Vortrags. Ein Auftritt des Elfjährigen im Rahmen einer Veranstaltung, bei der Fürst Konstantin anwesend ist, markiert einen Wendepunkt im Leben des jungen Lhévinne. Denn der Fürst fand Gefallen am Spiel des jungen Virtuosen und unterstützte seinen Wunsch, ein Klavierstudium am Moskauer Konservatorium anzufangen. Ab 1875 kam er in die Klasse von Wassili Safonow (1852–1916), der damals zu den prägenden Gestalten der russischen Klavierschule gehörte. Die Anforderungen waren sehr hoch, und die ersten Jahre bestanden in nichts anderem als im Einüben von Tonleitern und Arpeggien. Das war zwar einseitig und ermüdend, aber auch sehr effektiv. Später konnte Lhévinne mit einigem Recht behaupten, sein Klavierspiel sei „nicht auf Sand, sondern auf Fels gebaut“.
Neben Safonow spielte noch eine andere bedeutende Gestalt der russischen Musik eine wichtige Rolle in Lhévinnes Karriere: Anton Rubinstein (1829–1894). Rubinstein galt in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts als bedeutendster Pianist nach Liszt – Rellstab nannte ihn den „Herkules des Klaviers“–, und er war als Dirigent, Komponist und Gründer des Petersburger Konservatoriums zugleich eine zentrale Instanz der russischen Musik. Lhévinne und Rubinstein begegneten einander erstmals bei einem Besuch des berühmten Musikers im Moskauer Konservatorium. Als Lhévinne, damals 14 Jahre alt, Chopins Revolutionsetüde vortrug, soll Rubinstein seinen mächtigen Kopf geschüttelt und dabei gerufen haben: „Noch stürmischer!“ Lhévinne erinnerte sich später: „Ich spielte mit meiner ganzen Kraft. Rubinstein fiel plötz-lich auf die Knie, küsste mich, knetete meine Hand und sagte: ‚Du bist ein großer, großer Junge! Arbeite hart, und aus Dir wird ein großer Mann‘.“ Wie sehr Rubinstein an Lhévinnes Talent glaubte, zeigt, dass er Lhévinne ein Jahr später einlud, im Rahmen eines Benefizkonzertes den Solopart in Beethovens Es-Dur-Konzert zu spielen. Ein Riesenerfolg! Der renommierte Kritiker Nicolas Kashkin bescheinigt dem fünfzehnjährigen Virtuosen eine kolossale Technik, einen schönen Ton sowie große Musikalität und prophezeit ihm eine hervorragende Zukunft. Er sollte Recht behalten.
Im Jahre 1892 schloss Lhévinne sein Klavierstudium mit Virtuosen-Diplom und Goldmedaille ab. Er befand sich dabei übrigens in guter Gesellschaft. Denn auch seine Mitstudenten Skrjabin und Rachmaninow erhielten diese Auszeichnung. Drei Jahre später gewann er in Berlin den prestigeträchtigen Anton Rubinstein-Wettbewerb, was ihm – neben 5.000 Francs – vor allem die Aufmerksamkeit der Musikwelt einbrachte. Kurz darauf tourte er durch Russland und bei der anschließenden Europatournee spielte er mit so berühmten Orchestern wie dem Concertgebouw Orchester Amsterdam (unter Willem Mengelberg) und dem Orchestre Lamoureux.

Heirat mit der Pianistin Rosina Bessie – Geburt eines Klavierduos

Das bedeutendste Ereignis dieser Zeit war aber wohl die Heirat mit der Pianistin Rosina Bessie (1880–1976), Tochter eines holländisch-jüdischen Juweliers, die Lhévinne von seiner Studienzeit her kannte. Wie er hatte auch Rosina bei Safonow studiert und war zum Ende ihres Studiums ebenfalls mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden. Eigentlich stand sie am Anfang einer glänzenden Pianisten-Karriere. Nach der Heirat mit Lhévinne gab sie diesen Plan jedoch auf und beschränkte ihre musikalischen Aktivitäten aufs Unterrichten und gemeinsame Auftritte mit ihrem Mann, dem sie überallhin folgte. Gemeinsam bildeten Rosina und Josef Lhévinne ein echtes Traum-Paar, das in ganz Europa, später auch in den USA, großes Ansehen genoss und einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf das Musikleben ausübte. Josef Lhévinnes Name ist seitdem untrennbar mit dem seiner Frau und Duo-Partnerin Rosina verbunden. Im Unterschied zu ihr arbeitete er jedoch unverzagt an seiner Solokarriere weiter und avancierte zur Jahrhundertwende zu einem der gefragtesten Klaviervirtuosen seiner Zeit.

Wanderjahre: Tiflis, Moskau, Berlin – New York

lhevinneIn dem Bestreben, ihre Existenz auf eine solide Basis zu stellen, versuchten die Lhévinnes zunächst in Tiflis, anschließend in Berlin als Klavierlehrer Fuß zu fassen. Aber auch dort blieben sie nicht lange, weil Josef 1902 zum Direktor des Moskauer Konservatoriums berufen wurde. Die mannigfaltigen Verpflichtungen hielten ihn freilich nicht davon ab, seine Solokarriere voranzutreiben. Ein Jahr nach seiner Berufung debütiert er in London und am 27. Januar 1906 in der New Yorker Carnegie Hall, wo sein Auftritt als Sensation gefeiert wird. Ein Kritiker von damals schreibt: „Erst kürz-lich wurde der Versuch unternommen, uns einen neuen Rubinstein vorzustellen [gemeint ist wohl Arthur Rubinstein, der im gleichen Jahr wie Lhévinne in Amerika debütierte. Anm. d. A.]. Aber der wahre Rubinstein II ist Herr Lhévinne. Er hat die Technik des großen Anton, seinen Schwung und seine Bravour, seine Brillanz und einen Gutteil seiner Löwenkraft. Und er kann das Klavier genauso zum Singen bringen.“ Lhévinne tourt danach weiter durch die USA und wird mit 12 Konzerten in vier Städten zum Star der Saison 1906/07. Bis 1914 gastiert er regelmäßig in den USA, wodurch er zu einem veritablen Konkurrenten für Paderewsky, Josef Hofman und Arthur Rubinstein wird.
Durch den großen Erfolg fühlte sich Lhévinne ermutigt, dem amerikanischen Publikum nun auch das Klavierduo Lhévinne vorzustellen. Bei ihrem Chicagoer Debüt am 17. Februar 1907 wurden die beiden Künstler enthusiastisch gefeiert und seitdem immer wieder zu Gastauftritten eingeladen. Sie hätten damals leicht in den USA bleiben können. Aber dann zog es sie doch wieder zurück ins gute alte Europa, wo beide ihre Wurzeln hatten.
Lhévinne hatte den Direktorenposten am Moskauer Konservatorium inzwischen aufgegeben, und das Ehepaar zog wieder in die deutsche Reichshauptstadt. Um diese Entscheidung zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass das Berlin der Jahrhundertwende mit seinen vielen Opernhäusern, Orchestern, Konservatorien und seinem extrem regen Musikleben eine der faszinierendsten Musikmetropolen der Welt war. Gerade für Pianisten und Klavierlehrer herrschte dort ein extrem günstiges Klima. Ferruccio Busoni lehrte und wirkte hier ebenso wie Teresa Carreno, Moritz Moszkowsky, Franz Xaver Scharwenka oder auch der Liszt-Schüler und spätere Arrau-Lehrer Martin Krause. Die Lhévinnes hatten jedoch nicht vor, an einem der Konservatorien zu lehren, sondern planten die Gründung einer privaten Klavierschule. Zu diesem Zweck kauften sie eine luxuriöse Villa in Berlin-Wannsee, die gleichermaßen als Heim wie als Klavierschule diente.
Bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1914 war das Haus der Lhévinnes nicht nur eine beliebte Anlaufstelle für angehende wie für renommierte Pianisten von nah und fern, sondern auch ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt für kulturinteressierte Menschen aller Couleur. Doch der Krieg veränderte, nein, zerstörte alles. Bei Kriegsausbruch sahen sich die Lhévinnes, die einen russischen Pass hatten, plötzlich als feindliche Ausländer eingestuft und wären zweifellos in ein Lager gekommen, wenn der Kaiser selbst nicht zu ihren Gunsten interveniert hätte, sie für die Dauer des Krieges in ihrer eigenen Villa zu internieren. So begann eine Gefangenschaft am heimischen Klavier, die erst mit dem Waffenstillstand 1918 zu Ende ging. Nach dieser Erfahrung wollten die Lhévinnes auf keinen Fall in der Reichshauptstadt verbleiben. Da die Revolution eine Heimkehr nach Russland unmöglich machte, entschlossen sie sich zur Ausreise nach Amerika. Am 22. Oktober 1919 trafen sie in New York ein. Vier Tage später trat Josef vor 5.000 Zuhörern auf. Nur kurz darauf ging er auf eine monatelange Tournee mit 50 Konzerten in 40 Städten. Amerika hatte ihn wieder.

Neubeginn in Amerika

Es bereitete den Lhévinnes, die in Kew Gardens, Queens, ihr neues Heim bezogen hatten, keine allzu großen Probleme, sich in ihrer Wahlheimat einzuleben und aktiv am Musikleben teilzunehmen. Sie kannten Amerika ja schon von ihren früheren Reisen und hatten hier zahlreiche Freunde, z. B. den Pianisten Leopold Godowsky, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen. In der ersten Zeit bestritten sie ihren Lebensunterhalt noch durch privaten Klavierunterricht und Konzertauftritte, wobei Rosina den Part des Konzertmanagers übernahm. Und wieder einmal hatten sie Glück. Als sich die Juilliard Graduate School mit dem Institute of Musical Art 1922 zur Juilliard Graduate School (später Juilliard School) zusammenschloss, bot man Lhévinne eine Professorenstelle an, die dieser ohne lange zu zögern annahm. Rosina wurde zunächst seine Assistentin, später erhielt auch sie eine feste Professorenstelle. Beide waren bei den Studenten sehr beliebt und genossen als Pädagogen landesweit großes Ansehen. Ihr Einfluss auf die amerikanische Pianistik kann gar nicht überschätzt werden. Josef Lhévinne unterrichtete unter anderem Adele Marcus, Sascha Gorodnitzki, Brooks Smith und Homer Samuels. Aus Rosinas Klasse ging ein so bedeutender Pianist wie Van Cliburn und das Klavierduo Anthony & Joseph Paratore hervor.

Das Klavier ist keine Schreibmaschine

Gleich zu Beginn seiner Professorentätigkeit 1924 fasste Lhévinne seine im Laufe von 40 Jahren gesammelten Erfahrungen als Pianist in dem Lehrbuch „Basic principles in pianoforte playing“ zusammen. Es fungierte lange Zeit als Pflichtlektüre jedes amerikanischen Klavierstudenten, und man kann es auch heute noch mit Gewinn lesen.
Zugleich gibt es Auskunft über Lhévinnes eigenes pianistisches Handwerk und seine Klavier-Ästhetik.
Die Fundamente des Klavierspiels sind – kurz gesagt – „echte Musikalität“, konstantes Üben von Tonleitern („bis sie einem so natürlich vorkommen wie ein Spaziergang“), Gefühl für Rhythmus (samt Pause) und „intensive Gehörbildung“. Im Zentrum steht aber die Lehre vom schönen Ton, den Lhévinne mit „Leichtigkeit, Feinsinn, Regelmäßigkeit der Form“ assoziiert. Lhévinne zufolge erzielt man ihn jedoch nicht durch perkussives Schlagen auf die Tasten, sondern indem man sie, ein flexibles Handgelenk vorausgesetzt, gleichsam greift. „Die Tastatur ist keine Schreibmaschine“, lautet einer der prägnantesten ästhetischen Leitsätze, und kaum ein anderer hat ihn so vollendet in pianistisches Gold verwandelt wie Josef Lhévinne.
Lhévinnes geschmeidig-virtuoses Klavierspiel kam auch im Konzertsaal gut an und erhielt fast durchgängig gute bis hervorragende Kritiken. Aber an die Erfolge eines Josef Hofman oder Rachmaninow reichte er nicht heran. Dazu war sein Spiel eben doch zu kontrolliert, zu perfektionistisch und abgerundet. Ein Kritiker drückte es so aus: „Seine Interpretationen sind poetisch, aber sie gründen sich weniger auf Sensibilität als auf dem Intellekt.“ Hinzu kam eine gewisse Schüchternheit und das Fehlen jeglichen Ehrgeizes, sich als Virtuose permanent unter den Top Five zu behaupten. 1937 ging Lhévinne zum letzten Mal auf Tournee durch Europa. Danach reduzierte er seine Soloauftritte immer mehr und beschränkte sich auf Duo-Abende mit seiner Frau. Am 14. Januar 1939 feierten die Musiker mit einem festlichen Jubiläumskonzert ihre 40-jährige musikalische Verbundenheit. Dass Lhévinne überhaupt noch auftrat, war einzig und allein seiner Frau zu verdanken, die die treibende Kraft hinter ihm war. Lhévinne wusste freilich selbst am besten, was er sich zumuten durfte, und vermutlich spürte er ein zunehmendes Nachlassen der Kräfte, das ihn zur Zurückhaltung zwang. Am 2. Dezember 1944 starb er in New York an einem Herzinfarkt. Seine Frau Rosina, die nach anfänglichem Zögern ihre Arbeit an der Juilliard School fortsetzte und zu einer der bedeutendsten Klavierpädagoginnen des 20. Jahrhunderts wurde, überlebte ihn um mehr als 30 Jahre.

Die Tondokumente

Josef Lhévinne hat leider nur wenige Aufnahmen hinterlassen, von denen viele überdies mit Hilfe mechanischer Klaviere hergestellt wurden, deren Aussagewert immer etwas fraglich bleibt. Die ersten Reproduktionen entstanden 1904 für das Welte-Mignon-System. Während seiner amerikanischen Phase spielte Lhévinne auch einige Rollen für die Firma Ampico ein. Es finden sich unter diesen Einspielungen durchaus einige, die Lhévinnes Klavierspiel ziemlich nahekommen. Die Oktaven-Etüde von Czerny (1912) gehört ebenso dazu wie Liszts anspruchsvolle Reminiszenzen über Meyerbeers „Robert der Teufel“ (1912). Doch obwohl die Reproduktionssysteme mannigfaltige dynamische Abstufungen ermöglichen, vermitteln sie nur einen vagen Eindruck von Lhévinnes realem Klavierspiel. Weder kann die Mechanik seiner subtilen Differenzierungskunst gerecht werden, noch kann sie die einzigartige Noblesse seines Tons wiedergeben.
Zum Glück gibt es auch einige akustische Aufnahmen, die Lhévinne in den 1920er und 30er Jahren für Pathé und RCA Victor gemacht hat. Viel zu wenige zwar, aber dafür sind es Interpretationen, die zur Zeit ihrer Entstehung Maßstäbe setzten und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. Schon in den frühesten Aufnahmen aus dem Jahr 1920 klingt – trotz schlechter Aufnahmequalität – die unverwechselbare Stimme des Pianisten klar hindurch: sein sanglicher Ton in Liszts Bearbeitung von Schumanns „Frühlingsnacht“, sein Sinn für Rhythmus und orchestrale Wirkungen in Rachmaninows g-Moll-Prélude und nicht zuletzt seine fulminante Virtuosität in Tschaikowskys „Trepak“. Da Lhévinne die Noten zu diesem Stück 1893 vom Komponisten selbst überreicht bekommen hat, kommt seiner Interpretation besondere historische Bedeutung zu. 
1935 entstand eine weitere Serie von Aufnahmen, die den Pianisten, der sich auf dem Gipfel seines Ruhms und seines pianistischen Könnens befand, endgültig in den pianistischen Olymp heben. Besonders die vier Chopin-Etüden, die Lhévinne 1935 für Victor eingespielt hat, überragen pianistisch wie musikalisch alle in den 20er und 30er Jahren entstandenen Aufnahmen derselben Stücke bei weitem. Es ist auch heute noch verblüffend, mit welcher Leichtigkeit Lhévinne die Terzketten in der Etüde op. 25 Nr. 6 vorbeischwirren lässt, mit welcher Kraft und Geschmeidigkeit er die Oktaven in op. 25 Nr. 10 spielt und welch eine reich differenzierte Klangfülle er in der Sturm-Etüde op. 25 Nr. 11 erzielt. In der As-Dur-Polonaise besticht die Synthese von rhythmischer Genauigkeit und grifftechnischer Akkuratesse. Ebenso bemerkenswert ist Schumanns „Toccata“, die Lhévinne nicht als Demonstrationsobjekt für schnelles Spiel versteht (wie es sein Kollege Simon Barere getan hat), sondern als poetisches Fantasiestück mit starken lyrischen Akzenten. Das virtuose Glanzstück der Sammlung ist aber Adolf Schulz-Evlers „Arabeske“ über Themen aus Johann Strauss’ „An der schönen blauen Donau“. In ihrer Verbindung von atemberaubender Virtuosität, Eleganz, Charme und einer guten Portion Wiener Schmelz ist sie absolut einzigartig und bis heute unübertroffen. Hätte Lhévinne nur diese eine Aufnahme hinterlassen, er wäre trotzdem ein Kandidat für den Pianisten-Olymp.
Lediglich zwei Aufnahmen aus den 30er Jahren erinnern an das Klavierduo Rosina & Josef Lhévinne. Was die beiden da vorführen, ist freilich genau das Gegenteil von professoralem Akademismus. Mozarts D-Dur-Sonate (aufgenommen 1937) ist einfach hinreißend in ihrer vitalen Spiel- und Sangesfreude, während Debussys „Fetes“ (aufgenommen 1935) wirklich zu einer orgiastischen Feier vielfältigster Farben und Rhythmen gerät – Klänge für die Ewigkeit.

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