Wettbewerbsgewinner

Rafal Blechacz

Von: Carsten Dürer


Es war ein ganz besonderer Tag in der Geschichte der polnischen Klaviermusik, als 2005 – nach immerhin nicht weniger als 20 Jahren – ein Pole den Chopin-Wettbewerb in Warschau gewann. Diesen großen, traditionellen und nach wie vor immens renommeeträchtigen Wettbewerb zu gewinnen, bedeutet bis heute: eine Karriere auf den Bühnen dieser Welt. Ein Musikgeschichtsereignis? Nun, irgendwie schon. Denn Polen konnte in den vergangenen Jahrzehnten – trotz der grundsoliden Ausbildung von hervorragenden jungen Pianisten – nicht wirklich einen neuen Star, einen Weltklasse-Künstler hervorbringen, nicht seit Krystian Zimermann. Nun aber war da der 20-jährige Rafal Blechacz, der nicht nur den ersten Preis gewann, sondern zudem den Publikums-Preis (den vielleicht wichtigsten Preis in solch einem Wettbewerb) und weitere Sonderpreise für sich entscheiden konnte. Und wenn man einmal über die Geschichte des Wettbewerbs in Warschau schaut, dann hat dies kaum ein Künstler geschafft. Nur ein halbes Jahr später konnte er einen exklusiven Fünfjahres-Vertrag mit der Deutschen Grammophon unterzeichnen. Fast so etwas wie eine Tradition für die Gewinner der Chopin-Wettbewerbe in der Vergangenheit, aber heutzutage immer weniger eine Selbstverständlichkeit. Wir beobachteten Rafal Blechacz während der Aufnahmesitzungen zu seiner ersten CD-Einspielung in Hamburg mit Chopins 24 Préludes op. 24 und einigen weiteren Nocturnes und Mazurken und unterhielten uns mit dem heute 22-Jährigen über seine Ansichten, seine Ideale und seinen bisherigen Werdegang.



Es ist still an diesem Spätsommertag in Hamburg-Harburg. Dort liegt ein großes Gymnasium, in das ein Saal integriert ist, der schon oft für Aufnahmen genutzt wurde: Die Friedrich-Ebert-Halle. Fast in der Mitte des Saales ein Steinway-Flügel, an dem ein schmächtiger junger Mann sich warmspielt: Rafal Blechacz. Und er entlockt dem Flügel wirklich wunderbar sensibel gehauchte Laufpassagen, stark auftrumpfende Akkord-Passagen und immer wieder wunderbaren Farbenreichtum. Dennoch: Er wiederholt zahlreiche Passagen, immer und immer wieder. Er nimmt hier, in Hamburgs Vorort, bereits seit vier Tagen sein erstes CD-Programm für die Deutsche Grammophon auf – und hat noch zwei Tage zur Verfügung. Eine Luxuseinspielung und der Schallplattenfirma scheint es recht zu sein, will sie doch den Jungpianisten zu einem Künstler aufbauen, wie sie es schon oft mit jungen Pianisten geschafft hat. Doch Rafal Blechacz ist anders, das stellt man schnell fest. Nach seiner Probenphase kommt der Klavierstimmer und arbeitet lange an dem Flügel, stimmt, intoniert, reguliert noch einmal die Mechanik. Der Flügel hat seine Tücken, klirrt schnell im Diskant, ist schnell aus der Stimmung, was auch an dem leicht luftfeuchten Klima des Saales liegen mag. Eigentlich hat Blechacz die Préludes von Chopin längst „im Kasten“, doch er ist mit einigen Nummern noch nicht zufrieden, nachdem er die Versionen in der Tontechnik abgehört hat. Er ist selbstkritisch, das merkt man. Und er weiß genau, wie es klingen soll, was er zum Ausdruck bringen will. Und ebenso genau, wie er sich vorbereitet hat und wie kritisch er mit seinem Spiel umgeht, ebenso hohe Anforderungen stellt er auch an das Instrument, das nicht eben genug über alle Oktaven klingt, wie am ersten Tag noch, was im Diskant nicht singen mag. Doch der Pianist ist die Ruhe selbst, spricht mit dem Klaviertechniker, mit dem Aufnahmeleiter, nutzt die Zeit, während der Flügel neu intoniert wird, um sich seine bisherigen Einspielungen erneut anzuhören, um eine Auswahl der unterschiedlichen Aufnahme-Tracks zu treffen. Mit ihm sind sein Vater und seine jüngere Schwester nach Hamburg gekommen. Er fühlt sich sichtlich wohl in der familiären Umgebung.

PIANONews: Haben Sie schon viele Interviews gegeben?

Rafal Blechacz: Nun, gestern hatte ich zwei Interviews, aber mit polnischen Journalisten, das war leicht. Jetzt habe ich mit Ihnen mein erstes Interview in englischer Sprache.

PIANONews: Erzählen Sie uns doch von Ihrer ersten Begegnung mit dem Klavierspiel.

Rafal Blechacz: Ja gerne. Als ich sehr jung war, so fünf oder sechs Jahre alt, habe ich gerne auf dem Klavier bei uns zu Hause gespielt, kleine Stücke, Lieder, Weihnachtslieder ... [er lächelt bei der Erinnerung]. Als ich etwas älter war, entschieden meine Eltern, dass ich das Klavier professionell spielen sollte, und schickten mich mit acht Jahren auf die Musikschule in Bydgozcz, die Arthur Rubinstein-Musikschule. Ich wohnte damals – und wohne dort auch heute noch – in Notecia. Dieser Ort ist allerdings nur 20 Kilometer von Bydgozcz entfernt, so dass ich leicht immer hin- und herfahren konnte.

PIANONews: Wie oft hatten Sie dort Unterricht?

Rafal Blechacz: Zwei- bis dreimal in der Woche, meine Eltern fuhren mich immer zum Unterricht. Aber neben dem Klavierspiel habe ich es sehr geliebt, Orgelmusik zu hören, vor allem in der Kirche am Sonntag. Und meine ersten Erinnerungen an Musik und an das Spiel sind auch mit der Orgelmusik in der Kirche verbunden – und auch mit dem Spiel auf der Orgel. Denn nach der Messe konnte ich immer an die Orgel gehen und spielen. Einige Stücke funktionierten ganz gut, einige Stücke von Bach – ich liebe diesen Klang der Orgel einfach. Und auch noch heute – wenn ich freie Zeit habe – spiele ich in der Kirche in meinem Heimatort die Orgel. Ich mag die Klangfarben der Orgel, die Klangkraft, die so immens groß ist. Ich habe auch einige der Préludes von Chopin auf der Orgel ausprobiert, Nummer 4 und Nummer 6 – es funktioniert sehr gut.

PIANONews: Nach der Musikschule gingen Sie dann ebenfalls in Bydgozcz auf die Musikakademie?

Rafal Blechacz: Ja, im Jahr 2001 ging ich dort dann auf die Feliks-Nowowiejski Akademie. Meine zweite Lehrerin dort war Katarzyna Popowa-Zydron, die Bulgarin ist und ihre Karriere auch mit dem Chopin-Klavierwettbewerb in Warschau startete, im Jahre 1975, als Krystian Zimermann diesen Wettbewerb gewann.

PIANONews: Hat sie Sie dann auch darauf vorbereitet, an Wettbewerben teilzunehmen?

Rafal Blechacz: Ja. Mein erster internationaler Wettbewerb war der Hamamatsu-Klavierwettbewerb 2003 in Japan, wo ich mit Alexander Kobrin den zweiten Preis gewann. Es war auch meine erste Erfahrung mit einem großen Wettbewerb überhaupt, vier Runden, die Finalrunde mit Orchester ... Ich habe dort auch das Chopin-Klavierkonzert e-Moll im Finale gespielt, es war das erste Mal, dass ich dieses Konzert überhaupt mit Orchester spielte. Nach diesem Wettbewerb habe ich dann auch direkt mein Programm für den Chopin-Wettbewerb vorbereitet. Zwischendurch, im Jahre 2004, habe ich noch den Marokko-Wettbewerb in Casablanca gewonnen. Es gab dort acht Kandidaten, die bereits Preisgewinner anderer internationaler Wettbewerbe waren.

PIANONews: Dann aber sollte es direkt der Chopin-Wettbewerb sein? Immerhin gilt dieser Wettbewerb immer noch als einer der renommiertesten Klavierwettbewerbe weltweit. Waren Sie nicht ein wenig nervös, an diesem Wettbewerb teilzunehmen?

Rafal Blechacz: Ja, ein bisschen schon. Aber ich dachte: Es gibt so viele Wettbewerbe in der Welt, dass ich dort anfangen kann, später aber immer noch Zeit hätte, zu einem anderen Wettbewerb zu gehen. Natürlich habe ich mich sehr hart vorbereitet und in Polen ist es das bekannteste Ereignis für Musiker. Natürlich bin ich sehr glücklich, dass dieser Wettbewerb so für mich ausgegangen ist [lächelt er bescheiden].

PIANONews: Das kann ich mir vorstellen! Als Sie als Gewinner bekannt gegeben wurden ...

Rafal Blechacz: ... das war sehr schwer für mich. Die vielen Angebote, Fragen ...

PIANONews: Waren Sie darauf vorbereitet und war Ihnen klar, was es bedeutet, was folgt, wenn man diesen Wettbewerb gewinnt?

Rafal Blechacz: [er lacht] Ich denke, das ist gar nicht möglich. Es war wirklich sehr schwierig, für Monate. Ich musste meine Zeit neu organisieren, ich habe so viele Angebote aus aller Welt für Konzerte bekommen, aus Deutschland, Frankreich, aus den USA, aus Japan ... Im Januar habe ich dann meine erste Tournee durch Japan gemacht, was eine sehr interessante Erfahrung für mich war. Nun aber geht alles etwas besser. Ich habe meinen eigenen Manager, ich habe gute Agenturen überall, in den Niederlanden, in Deutschland, in Japan, in den USA und so fort. Auch Krystian Zimermann hat mir in den schwierigen Monaten nach dem Wettbewerb geholfen. Er schickte mir einen wunderbaren Brief und hat mir am Telefon gesagt, dass er mir Tipps in musikalischer Hinsicht und für meine Karriere geben wolle.

PIANONews: Haben Sie ihn dann getroffen?

Rafal Blechacz: Ja, aber erst im Februar dieses Jahres, da er so viel zu tun hat. Ich fuhr zu ihm in die Schweiz und wir haben eine Woche zusammengearbeitet, an den Chopin-Préludes, aber auch an Debussy, Haydn- und Beethoven-Sonaten. Es war großartig, da Krystian Zimermann mein Lieblingspianist ist – ich mag sein Spiel sehr! So war ich natürlich sehr glücklich, ihn treffen zu können.

PIANONews: Gibt es heutzutage eigentlich auch andere polnische Vorbilder von Pianisten neben Krystian Zimermann, die den jungen Pianisten noch bewusst sind? Pianisten wie Arthur Rubinstein vielleicht?

Rafal Blechacz: Ja natürlich, ich besitze viele Einspielungen von Rubinstein und liebe sein Spiel, besonders seine Live-Einspielungen. Ich habe mir auch DVDs angesehen und bin begeistert von seiner Energie. Auch Paderewski und Horowitz liebe ich – allerdings sind die Chopin-Interpretationen von Horowitz – mmmmh – sehr interessant, aber für Chopin bevorzuge ich andere Pianisten.

PIANONews: Sie haben ja viel Zeit mit Chopins Musik verbracht, nicht wahr ...

Rafal Blechacz: ... ja, da das Publikum ja natürlich meine Chopin-Interpretationen hören will. Aber ich bereite nun auch anderes Repertoire vor, beispielsweise Beethovens Klavierkonzert Nr. 4, einige Sonaten von Beethoven, Bachs Partita Nr. 6 und einige Werke von Debussy. Überhaupt ist mir die Aussagekraft des Impressionismus sehr nahe, auch wenn ich noch nicht sehr viel Erfahrung mit dieser Art von Musik habe. Aber diese Musik hat mir geholfen die Werke von Chopin zu interpretieren, denn der farbenreiche Klang ist bei Chopin ebenso wichtig wie bei Debussy. Überhaupt ist ein richtiger, ein „schöner“ Klang für mich extrem wichtig, auch wenn die technische Seite sicherlich auch perfekt sein sollte. Und dennoch, die Klimax der Dramatik, die Emotionen sind wichtig bei Interpretationen.

PIANONews: Was denken Sie, was das Besondere in Chopins Musik ist: Farbenreichtum, Klang?

Rafal Blechacz: Die Emotionen. Es gibt so viele melancholische Momente in diesen Werken, wie beispielsweise im Prélude Nr. 4 e-Moll, oder in Nr. 2 der Préludes. Auch in den Nocturnes gibt es meist diese Momente. Aber als Chopin noch in Warschau war, noch nicht in Paris lebte, schrieb er Werke, die sehr energisch sind. Er war sehr jung damals und so schrieb er entsprechend lebendig. Beispielsweise das 1. Klavierkonzert, oder etliche der Etüden. Es ist einfach sehr wichtig, dem Publikum zu zeigen, wie unterschiedlich diese Werke sind. Die Technik ist dabei nicht so wichtig wie die Gefühle, die man ausdrücken muss.

PIANONews: Was ist mit dem bei Chopin immer wieder heraufbeschworenen und so wichtigen Rubato?

Rafal Blechacz: Das ist eine schwierige Frage. Chopin benutzte natürlich das „Tempo rubato“, aber nicht so viel, wie man denkt. Ich kann das schwer erklären ... auch ich spiele mit Rubato, aber ich kann es nicht erklären, was ich da mache. Es ist intuitiv, was ich da mache.

PIANONews: Aber es sieht so aus, nachdem ich Sie gestern bei den Aufnahmen beobachtet habe, dass Sie schon ganz klare Vorstellungen davon haben, wie ein bestimmtes der Préludes klingen soll.

Rafal Blechacz: Nicht so sehr. Ich habe zwar eine Idee von dem Stück, aber auch das ist sehr intuitiv. Vielleicht mag keiner meine Sichtweise der Werke, vielleicht würde auch Chopin sie nicht mögen, das kann ich nicht sagen. [er lacht]

PIANONews: Wie Sie erklärt haben, sind Sie momentan dabei, Ihr Repertoire zu erweitern ...

Rafal Blechacz: ... ja, ich will einfach vermeiden, dass ich nur Chopin spiele. Ich konstruiere meine Solo-Programme schon gemischt, so habe ich beispielsweise ein Programm, in dem ich in der ersten Hälfte klassische Sonaten von Haydn und Beethoven spiele und in der zweiten Hälfte dann Werke von Chopin. Ich denke, dass dies auch interessant für die Zuhörer ist, denn sie können die Beziehungen zwischen den Werken besser erkennen. Natürlich wollten nach dem Wettbewerb alle Chopin-Werke von mir hören, und Chopin ist auch einer meiner Lieblingskomponisten, aber nicht der einzige. Zudem ist es auch wichtig und hilfreich, wenn man Chopin spielen will, dass man andere Komponisten spielt – Beethoven, Mozart und auch Debussy – und natürlich Bach, vor allem für die Orgel [er lacht]. Vielleicht wird die nächste Aufnahme auf der Orgel gespielt – nein, das ist natürlich nicht ernst gemeint [grinst er]. So wie Glenn Gould beispielsweise, der ja auch Aufnahmen auf der Orgel machte, auch wenn er nicht Chopin spielte.

PIANONews: Oftmals wird ja gesagt, dass ein Pianist, der aus dem Land des Komponisten stammt, viel eher und leichter Zugang zu der Denkweise und so auch zu den Werken der Komponisten aus seiner Heimat hat. Bei Chopin wäre dies vor allem in Bezug auf die Mazurkas sehr wichtig, denke ich, da es nirgendwoanders in der Welt eine Tradition der Mazurkas gibt. Denken Sie, dass dies funktioniert und wichtig ist?

Rafal Blechacz: Tja, die Mazurkas sind natürlich etwas ganz Besonderes. Gestern habe ich ja einige Mazurkas aus Opus 50 aufgenommen – als Bonus für die erste CD. In den Mazurkas ist das Tempo rubato ein sehr schwieriges Thema, da es ja Tänze sind, Tänze mit polnischem Charakter. Ich mag die Form der Mazurkas bei Chopin sehr und ich denke, dass sie mir sehr gut gelingen. Sie sind zwar sehr kurz, aber der dramatische Verlauf ist extrem deutlich und eng gesteckt.

PIANONews: Denken Sie, dass Sie als Pole einen leichteren Zugang zu dieser Art von stilisierten polnischen Tänzen haben?

Rafal Blechacz: Ach wissen Sie, es gibt natürlich auch Pianisten aus vollkommen anderen Ländern, die Chopins Musik sehr gut spielen, wie beispielsweise Fou Ts’ong, der damals den Sonderpreis für Mazurken im Chopin-Wettbewerb gewonnen hat. Natürlich lebe ich in Polen, wo Chopin die meisten Jahre seines Lebens verbrachte, aber das hilft nicht wirklich dem Verständnis für die Interpretation seiner Werke.

PIANONews: Haben Sie eigentlich niemals darüber nachgedacht, Polen zu verlassen und woanders zu studieren?

Rafal Blechacz: Nach dem Wettbewerb 2005 habe ich zahlreiche Künstler aus anderen Ländern getroffen, und vielleicht werde ich für den ein oder anderen spielen, werde diese konsultieren, wie Christoph Eschenbach, für den ich soeben im Schleswig-Holstein Musikfestival gespielt habe. Aber Polen werde ich nicht verlassen. Mein Studium allerdings habe ich in diesem Jahr im Mai abgeschlossen – und bin nun also vollkommen frei [lächelt].

PIANONews: Diese Aufnahme für die Deutsche Grammophon ist nicht wirklich Ihre erste CD-Einspielung, richtig? Sie haben natürlich einige CDs, die als Live-Aufnahmen vom Chopin-Wettbewerb veröffentlicht wurden, aber da gab es auch noch eine andere, nicht wahr?

Rafal Blechacz: Ja, ich habe eine CD vor dem Wettbewerb eingespielt mit Werken von Szymanowski, Debussy, Schumann, Liszt und Chopin. Dies war meine erste CD und meine erste Erfahrung mit dem Medium Aufnahme. Es war eine sehr wichtige Erfahrung, die mir nun natürlich auch zugutekommt bei der ersten Aufnahme für die Deutsche Grammophon. Denn die Situation ist natürlich eine vollkommen andere, als wenn man ein Konzert spielt. In der Regel bevorzuge ich allerdings die Konzertsituation, denn es ist einfacher, eine Atmosphäre aufzubauen, was im Studio natürlich viel schwieriger ist. Ohne Publikum ist dies einfach sehr schwierig. Allerdings habe ich den Vorteil, dass ich hier eine Woche Zeit für diese Aufnahme habe, also genug Zeit, diese Atmosphäre zu kreieren.

PIANONews: Letztes Jahr haben Sie durch den Sponsor Orlen die Möglichkeit gehabt, sich einen Steinway & Sons-Flügel Modell B auszusuchen. War das etwas vollkommen Neues für Sie, solch einen Flügel zu haben?

Rafal Blechacz: Ja, es war ein sehr wichtiges Ereignis für mich. Zuvor hatte ich einen Yamaha-Flügel, aber ich mochte immer schon den Klang von Steinway. Ich fuhr also im Mai vergangenen Jahres nach Hamburg, um mir diesen Flügel auszusuchen. Und es war eine ganz besonders wichtige Reise für mich, denn neben dem Aussuchen des neuen Flügels, habe ich in Hamburg auch noch den Vertrag mit der Deutschen Grammophon unterzeichnet.

PIANONews: Haben Sie diese Art von Vertrag irgendwie erwartet? Denn immerhin wurden sehr viele der ehemaligen Chopin-Wettbewerbsgewinner von der Deutschen Grammophon unter Vertrag genommen.

Rafal Blechacz: Es war ein Traum von mir, aber es ging dann doch überraschend schnell, denn im Oktober war erst der Wettbewerb und im Mai habe ich den Vertrag schon erhalten. Es war das zweitwichtigste Ereignis nach dem Wettbewerbsgewinn. Erwartet habe ich es allerdings nicht.

PIANONews: Der Vertrag läuft erst einmal für fünf Jahre und drei Aufnahmen?

Rafal Blechacz: Ja. Die erste Aufnahme wird also die Chopin-Préludes beinhalten, dazu noch einige Nocturnes und als Bonus einige Mazurken. Die zweite wird ebenfalls eine Solo-Einspielung sein, die dritte wird dann 2010 zum 200. Geburtstag von Chopin eine Konzert-Einspielung der beiden Chopin-Klavierkonzerte sein. Allerdings weiß ich noch nicht, mit welchem Orchester und Dirigenten sie aufgenommen wird.

PIANONews: Nach der Erfahrung der vergangenen anderthalb Jahre mit vielen Konzertauftritten: Wie viele Konzerte würden Sie gerne in Zukunft im Jahr spielen wollen?

Rafal Blechacz: Um die 40 Konzerte. Das ist momentan genug für mich, denn ich muss ja beständig neues Repertoire lernen. In der Zukunft werde ich vielleicht mehr spielen können, aber jetzt habe ich viel zu lernen, mich vorzubereiten, muss über meine Erziehung nachdenken. Ich muss Englisch besser sprechen lernen, denn das ist sehr wichtig – auch wenn die CD erscheint, da ich dann viele Interviews geben muss [lächelt].

PIANONews: Haben Sie sich jemals unter Druck gefühlt, nachdem Sie nach dem Wettbewerbsgewinn plötzlich über Nacht berühmt waren?

Rafal Blechacz: Vielleicht manchmal in Polen, da der Chopin-Wettbewerb solch eine große Rolle im Musikleben spielt, und gerade wenn ein Pole diesen Wettbewerb gewinnt. Das ist manches Mal schwierig für mich, aber ich versuche nicht darüber nachzudenken.

PIANONews: Vielen Dank für dieses Gespräch. 

 

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