Universalmusiker

András Schiff

 

Von: Carsten Dürer


Der 1953 in Budapest geborene András Schiff ist heute einer der vielleicht am meisten geschätzten und angesehensten Pianisten weltweit. Warum dies so ist? Nun, er ist ein Klangmagier, einer, der Werke zum Atmen und Schwingen bringt, der – vereinfacht ausgedrückt – fast vergessene Ideale des Klavierspiels hochhält. Daher ist er nicht nur ein wunderbarer Pianist, sondern auch ein brillanter Kopf, einer, der keinen Scheuklappenblick auf die Klaviermusik hat, sondern der weite Felder der Gesamtkultur in sein Wissen bannt. Und das befähigt ihn zu einem dichten Klavierspiel, das immer Sinn in seiner eigenen Sichtweise macht. Vielleicht einer der Gründe, warum das Label ECM seine Arbeit genauso schätzt wie der renommierte Henle-Verlag, mit dem Schiff momentan immer mehr zusammenarbeitet. Pädagogisch ist er nur in Meisterkursen zu erleben. Daher besuchten wir einer der Meisterkurse, die András Schiff jährlich an der Hochschule für Musik und Theater in München gibt, um ihn zu beobachten. Danach setzten wir uns in das Zimmer des Rektors der Hochschule, Siegfried Mauser, um uns nach einem langen und anstrengenden Tag zu unterhalten.

 
Im Mai vergangenen Jahres hat Siegfried Mauser den geschickten Griff gewagt und András Schiff an der Münchner Musikhochschule eine Honorarprofessur übergeben. Immerhin unterrichtet der ungarische Pianist an keiner Bildungseinrichtung dieser Welt in fester Position. Aufgrund der Professur wird er nun ein- bis zweimal pro Jahr einen Meisterkurstag in München geben, etwas, das er auch an der Hochschule für Musik in Detmold schon längere Zeit durchführt. Doch hat er sich – entsprechend seiner weitgefächerten Interessen – nicht nur die Klaviermusik als Unterrichtsinhalt ausbedungen, sondern auch Klavierkammermusik und Liedbegleitung, Felder, in denen er weitreichende Erfahrungen mit Musikern und Kollegen wie Gidon Kremer, Yuuko Shiokawa, Fischer-Dieskau, Heinz Holliger, Peter Schreier, Robert Holl oder Cecilia Bartoli sammeln konnte, um nur einige zu nennen. Und an diesem Tag hat es die Auswahl ihm nicht leicht gemacht. Zu Beginn stand die 1. Cellosonate von Ludwig van Beethoven mit den beiden jungen Musikern Georgiy Lomakou (Cello) und Lydia Bader (Klavier) auf dem Programm. Und man war trotz des Wissens um Schiffs umfangreiche Kenntnisse verdutzt, wie gut er die Partitur kannte, dass er aus dem Kopf viele Tempo- und Charakterangaben wusste, sich mit den Stricharten des Cellos hervorragend auskannte. Ein Allround-Musiker, stellt man fest. Und man verspürte auch die Lust und den Spaß, den es ihm bereitete, in die Gedanken der jungen Musiker einzutauchen, sie zu begreifen, um sie dann mit einer Ruhe und Gelassenheit, aber immens gewitzten Überzeugungskraft zu verbessern. Lilian Akropowa spielte dann einen „Carnaval“ von Schumann, der zeigte, dass diese junge Pianistin immens talentiert, aber doch noch sehr unwissend ist; affektiert, unorganisch und mit der Blick auf das rein Virtuose standen für sie noch im Vordergrund. Schiff wusste ihr mit wenigen einfachen Übungen zu zeigen, wie man Anschlagkultur schaffen kann, ohne das Virtuose zu vernachlässigen: „Nicht die Lautstärke, sondern die Intensität ist wichtig“, sagte er an einer Stelle und das zahlreiche Publikum musste ihm einfach Recht geben, vor allem wenn er aus dem Handgelenk die schwierigsten Passagen dieses Schumann’schen Zyklus’ schüttelte und eindringlich bewies, wie Anschlagnuancierung sich auf die Charakteristik auswirken kann.

Aglaya Sintschenko spielte die 16 Walzer Op. 39 von Brahms wie ein Bollwerk von Marschseligkeit, ohne Atem, statisch angelegt und als hässlich aneinandergereihte Einzelwerke gesehen. Ein Wunder, dass Schiff so ruhig blieb, aber immerhin brach er den Zyklus ab, da auch die Zeit drängte. Hier nun arbeitete er ebenso intensiv und freundlich an Details wie rhythmische Strukturen und ein Tanzverständnis, wie man es haben sollte, wenn man Walzer spielen will. Dennoch war es schade, dass die Auswahl der Studenten nicht das hielt, was man sich von solch einem Meisterkurs versprach, mochte es auch noch so spannend sein, die Unterschiede zwischen den Spielernaturen zu erkennen. Als Letztes spielten die junge Sandrine Vialette (Flöte) und Lukas Kuen (Klavier) die selten zu hörenden Variationen auf das Lied „Trockne Blumen“ von Franz Schubert. Und hier endlich war ein wundervolles kammermusikalisches Paar zu hören, eines, das trotz des jungen Alters hervorragend musizierte und Schiff forderte nur mehr sinnreiche Nuancierungen zu verbessern.
Müde aufgrund der Konzentration des Tages und ebenso unruhig, da er noch am Abend üben will, setzen wir uns zusammen, um zu sprechen.

PIANONews: Herr Schiff, immer wieder liest man von Ihnen, dass Sie ein nachdenklicher Pianist seien. Ist das denn so etwas Besonderes? Kann man denn spielen, ohne nachzudenken?

András Schiff [grinst verschmitzt]: Nein, ich denke nicht. Ich stehe gerne dazu, dass ich vielleicht mehr ein denkender als ein nachdenklicher Mensch bin – vielleicht auch manches Mal nachdenklich. Musik ist eine Mischung aus Emotion und Intellekt. Zwar sollte, wenn man Musik spielt, auch emotionale Spielfreude dabei sein, aber die Gedanken und der Intellekt gehören ebenso dazu und spielen für mich eine wichtige Rolle – zumindest für die Musik, die mich interessiert. Und wo es keine Rolle spielt [lacht er auf], da interessiert es mich auch nicht. Wenn man beispielsweise Opernparaphrasen spielt, da spielen Gedanken nicht eine so große Rolle.

PIANONews: Welche Musik interessiert Sie denn am meisten? Wenn man über Ihr Repertoire schaut, dann scheint es in jedem Fall Schwerpunkte zu geben, oder?

András Schiff: Ja, Schwerpunkte gibt es in jedem Fall, auch wenn die Palette recht weit ist. Im Mittelpunkt steht aber in jedem Fall Bach – und dann alles, was mit Bach verbunden ist. Ich denke, dass alle große Musik nach Bach irgendwie einen Bezug auf Bach hat; und das haben diese Komponisten, ob man nun an Mozart oder Beethoven, Schubert und Schumann, Debussy, Bartók denkt, immer mit Bach zu tun. Aber dann gibt es eine Musik – wie beispielsweise Rachmaninow –, das hat meiner Meinung nach gar nichts mit Bach zu tun. Und deshalb spiele ich Rachmaninow nicht.

PIANONews: Und Schostakowitsch?

András Schiff: Ja, Schostakowitsch hat 24 Präludien und Fugen geschrieben und hat allein daher mehr mit Bach zu tun als Rachmaninow. Ich sage nicht, dass Rachmaninows Musik nicht erstklassig wäre. Ich kenne auch meine Stärken und meine Grenzen. Und weiß, was ich anderen sehr gerne überlasse, da ich weiß, dass ich es nicht adäquat lösen kann. Man muss auch realistisch sein. Die Klavierliteratur ist so enorm groß, und keiner kann alles spielen – und das ist auch nicht nötig. Auch was die zeitgenössische Musik betrifft. Ich würde sehr gerne mehr Neue Musik spielen. Aber das ist inzwischen in solch eine Richtung, dass man Spezialist sein muss. Auch wenn ich gegen Spezialisierung bin, man kann nicht erwarten, dass ein Pianist das gesamte Hauptrepertoire und dann noch das zeitgenössische auf dem gleichen Niveau beherrscht. Und so werden wir immer mehr Menschen finden, die sich in der Neuen Musik von heute sehr zu Hause fühlen. Es ist eine andere Welt – schade, aber so hat es sich nun einmal entwickelt.

PIANONews: Ja, aber Sie selbst sind ja schon ein Extrembeispiel eines Universalmusikers – wenn man das so ausdrücken kann.

András Schiff: Nun, ich denke, dass ich das nicht bin. Ich kann Ihnen genau sagen, von wem ich keine Werke spiele: Ich spiele keinen Ton von Liszt, keinen Ton von Rachmaninow, keinen Ton von Ravel – aber das ganz bewusst nicht. Das sind alles Werke, die ich nicht kann, die mir gar nicht liegen, und ich liebe diese Komponisten noch nicht besonders – auch wenn ich weiß, dass sie großartig sind. Man muss Liszt bewundern, ich glaube, dass es niemals einen größeren Pianisten als Liszt gegeben hat, als Musiker und als Menschen.

PIANONews: Mit Universalmusiker meinte ich eigentlich auch nicht das Repertoire, sondern dass Sie unwahrscheinlich viele Felder der Musik belegen, die heutzutage spezialisiert wurden – wie es sich im 20. Jahrhundert mehr und mehr herauskristallisierte: Sie sind Pianist, Sie sind Pädagoge, Sie sind Dirigent, irgendwo auch Wissenschaftler ...

András Schiff: ... Wissenschaftler bin ich wirklich weniger, vielleicht irgendwo. Ja, in diesem Sinne bin ich universell. Ich bin sehr neugierig und mich interessieren ja all diese Dinge. Und Komponieren, was ich liebend gerne machen würde, wenn ich dazu die geringste Begabung hätte.

PIANONews: Aber Sie haben immerhin Kadenzen geschrieben ...

András Schiff [winkt unwirsch ab]: Ach, Kadenzen, so etwas kann auch ich schreiben. Aber das ist noch kein Komponieren, auch da kenne ich meine Grenzen. Aber vielleicht kommt ja irgendwann etwas. Vorgestern erst ist mir plötzlich ein kleines Stück eingefallen. Aber neben dem Komponieren – wie Sie sagten – möchte ich möglichst viele andere Funktionen in der Musik ausüben. Also auch Kammermusik, Ensemblespiel oder Liedbegleitung.

PIANONews: Aber der Kern bleibt immer das Klavier?

András Schiff: Ja, das muss schon so sein. Ich dirigiere zwar immer häufiger, aber ich würde niemals auf die Idee kommen, dass ich ein Dirigent bin, eher ein Hobbydirigent.

PIANONews: Sie würden also das eine niemals für das andere aufgeben ...

András Schiff: Nein, ich benutze es, um meinen Horizont zu erweitern. Das Dirigieren hat mir als Pianist unheimlich viel beigebracht, Erfahrungen gegeben. Eine „Matthäuspassion“ zu dirigieren, oder eine „Schöpfung“ bringt einem Erfahrungen, die vollkommen anders sind als das Spiel von Klaviermusik.

PIANONews: Wurde diese Neugier bei Ihnen auf vieles andere denn schon im Studium gelegt? Immerhin hatten Sie so unterschiedliche und spannende Lehrer wie Pal Kadosa oder György Kurtág.

András Schiff: Ja, das war sehr stark der Fall. Und sie waren ja auch alle Komponisten. Pal Kadosa war ein recht guter Komponist und Kurtág war natürlich ein sehr großer Komponist. Das wussten wir damals noch gar nicht [lacht er], denn er war ja damals noch gar nicht so bekannt. Und beide haben mit einer sehr breiten Kenntnis unterrichtet, niemals eingeschränkt beispielsweise nur auf Klavierspiel. Kurtág hat auf eine sehr assoziative Weise unterrichtet. Ich war damals 14 Jahre, aber schon in der ersten Klavierstunde begann er – nachdem ich eine Mozart-Sonate gespielt hatte – zu erzählen: Hörst du, das ist ein Thema aus „Don Giovanni“, das ist aus „Figaro“ – es ging so zu wie in einem PingPong-Match, allerdings einem einseitigen. Denn ich habe damals fast all diese Werke noch nicht gekannt. Und ich habe mich wahnsinnig geschämt, dass ich sie nicht kenne, denn Kurtág sprach von ihnen, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass ein 14-jähriges Kind all diese Werke kennen würde. Und so ging es weiter mit Schubert und anderen. Wir haben beispielsweise die Schubert-Lieder damals gelernt, wir mussten die Liedbegleitung spielen und gleichzeitig dazu singen. Und ich erinnere mich: Ich hatte vor Zoltan Kocsis Unterricht, und dann hat der eine gespielt und der andere gesungen und umgekehrt. Das war eine wunderbare Zeit.

PIANONews: Es war ja auch eine sehr fruchtbare Klasse bei Pal Kadosa, denn neben Ihnen und Kocsis waren ja auch noch Jenö Jandó und Deszö Ranki dort.

András Schiff: Ja, das war zumindest die gleiche Generation. Es war eine sehr gute Konstellation, die wir dort hatten. Die schlimmsten Jahre des Stalinismus waren vorbei. Aber dann kam der sogenannte „Gulasch-Kommunismus“. Das war nicht mehr so schlimm wie früher, aber wir waren noch sehr weit von der Öffnung zum Westen entfernt. Und wir gingen in diese Franz Liszt-Hochschule in Budapest wie in eine Kirche, es war wie eine Oase – und drum herum war ein ziemlich tristes und graues Leben. Und drinnen war eine vollkommen andere Atmosphäre.
Heute ist es viel schwerer dort, denn zum einen ist das Leben viel moderner und offener auch außerhalb der Hochschule, die meisten Lehrer sind tot oder im Ausland. Die Leute können reisen und konsumieren – aber diese unschuldige Zauberwelt ist weg.

PIANONews: Ihre Karriere hat ja erst so richtig begonnen, Ihr Name ist erst so richtig in die Öffentlichkeit getragen worden durch einen Decca-Produzenten, wenn ich das richtig sehe, oder?

András Schiff: Ja, Christopher Raeburn. Wir sind noch immer sehr befreundet. Manchmal sind solche Konstellationen halt in den Sternen. Man muss Glück haben und zum richtigen Moment am richtigen Ort sein – das war solch eine Konstellation. Es gab diese Sängerin aus Ungarn, die ich schon länger kannte. Sie war bei Decca schon unter Vertrag und hatte Ungarn zwei Jahre vor mir verlassen. Ich bin 1979 aus Ungarn raus. Und dann musste sie eine Schallplatte für Decca aufnehmen und äußerte den Wunsch, dass ich dazu Klavier spielen sollte. Christopher Raeburn war der Produzent und so haben wir Liszt-Lieder aufgenommen – [lacht] das Einzige, was ich jemals von Liszt eingespielt habe, aber sehr schöne Lieder sind das. Und in einer Pause fragte mich Raeburn, ob ich Mozart-Sonaten spiele; und ich sagte: Natürlich. Ob ich eine Testaufnahme machen könnte, fragte er. Und so kam es, dass die von Decca belieferte Serie von Time Life zu dieser Zeit mit einigen Mozart-Einspielungen von mir bestückt wurde, die noch fehlten. Andere in der Serie waren Backhaus, De Laroccha oder Ashkenazy. Ich durfte halt ein paar Sonaten aufnehmen, aber wir waren sehr früh fertig und Decca hatte noch für eine Woche das Studio gemietet. Und so haben wir noch weitere Sonaten aufgenommen – und so kam es, dass ich einen Vertrag mit der Decca erhalten habe. Ein Glücksfall.

PIANONews: Wissen Sie eigentlich, wie viele Aufnahmen Sie überhaupt gemacht haben?

András Schiff [lacht]: Nein, ich habe sie nie gezählt.

PIANONews: Aber es sind wahnsinnig viel geworden mittlerweile. Sind Ihnen Einspielungen wichtig, wichtig, etwas von Ihren Interpretationen der Nachwelt zu hinterlassen?

András Schiff: Es war schon wichtig und ich finde, dass es wichtig ist. Allerdings habe ich das meist etwas philosophisch gesehen und niemals daran gedacht, dass es für die Nachwelt ist. Das war für mich nie wichtig. Und ich finde, wenn einige Kollegen – ohne dass ich jetzt Namen nennen möchte – anscheinend den Willen haben, jeden Augenblick ihres Spiels als Aufnahme zu bannen, ist das übertrieben. So wichtig ist es dann auch nicht. Aber man hat schon das Bedürfnis, von Werken, die man sehr schätzt, seine Sichtweisen zu dokumentieren.

PIANONews: Ist Ihre Beschäftigung mit den Beethoven-Aufnahmen eigentlich abgeschlossen?

András Schiff [grinst]: Der ist niemals abgeschlossen. Aber die Aufnahmen sind nun abgeschlossen, ja. Ich habe den Zyklus jetzt in 10 Städten gespielt. Im Dezember habe ich das beendet und habe nun wieder einige Zyklen mit sämtlichen Sonaten vor mir.

PIANONews: Warum haben Sie diese Einspielung live gemacht?

András Schiff: Ich habe bei Decca früher ja viel Erfahrungen mit Studio-Aufnahmen gemacht. Aber seit einiger Zeit fühle ich mich in einem Konzertsaal besser als in einem Studio. Diese Einmaligkeit ist interessanter – manchmal ist man nicht ganz so zufrieden mit seinem Spiel, aber ich fand, dass gerade die Musik Beethovens den Risikofaktor verträgt – und damit auch diese Einmaligkeit des Spiels. Und wenn es nicht so ist, wie man das wollte, muss man es ja nicht herausbringen. Alle vergangenen Aufnahmen habe ich live gespielt, auch die Goldberg-Variationen. Das heißt nicht, dass ich nicht wieder etwas im Studio machen werde.

PIANONews: Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass Sie sehr starkes Interesse an Zyklen haben, an der intensiveren Beschäftigung mit einem Komponisten. Ist das so?

András Schiff: Ja, das war bei mir immer so, die Intensität und in die Tiefe gehen war mir immer wichtig. Man kann das auch mit Einzelwerken, aber ich finde, dass es schon wichtig ist, die Zusammenhänge aufzuzeigen, auch die Entwicklungen. Und bei Beethoven ist das besonders wichtig. Deshalb ist auch die chronologische Reihenfolge der Beethoven-Sonaten für mich sehr lehrreich. Für mich und auch für die Zuhörer. Wenn man die Werke nicht ad hoc zusammenstellt, finde ich das weniger befriedigend. Man hört die Unterschiede bei Sonaten wie Opus 10, die unter einer Opusnummer stehen, wenn man sie zusammen spielt, viel besser, begreift viel mehr.

PIANONews: Sie haben ja auch in der Londoner Wigmore Hall Vorträge gehalten über die Sonaten ...

András Schiff: Ja, dieser wunderbare Saal hat ja nicht so viel Plätze. Und die Freunde der Wigmore Hall haben ein Kartenvorkaufsrecht. Dadurch kam es, dass viele Leute, die kommen wollten, keine Karten kaufen konnten. Und so kam die Idee, dass ich diese Konzerte mit den Beethoven-Sonaten zwei Mal spielen sollte. Ich sagte, dass es vielleicht eine bessere Idee wäre, wenn ich vor den Konzerten lieber einen kostenlosen Vortragsabend mache, um auch den jungen Leuten, die immer behaupten, sie könnten sich die Karten für die Konzerte nicht leisten, die Chance zu geben, zu kommen. Aber es stellte sich heraus, dass in den Lectures genau dieselben Leute saßen wie im Konzert. Ich sage nichts dagegen, im Gegenteil, ich bewundere diese Menschen. Aber es gibt ein weltweites Problem, dass junge Menschen nicht in klassische Konzerte kommen – und der Grund ist nicht finanziell [lächelt er vielsagend]. Es gibt viele tiefer gehende Gründe, denke ich. Leider hatte ich auch in London Recht. Und diese jungen Menschen würden auch nicht kommen, wenn man sie dafür bezahlen würde. Was denken Sie, warum sie nicht kommen?

PIANONews: Ich denke, dass wir uns in einer Phase befinden, in der wir eine Jugend haben, die niemals von den Eltern oder den Schulen an die klassische Musik herangeführt wurde. Nun geschehen ja viele Dinge, aber wir brauchen nun auch ein wenig Geduld, bis wir ein jüngeres Publikum wieder herangezogen haben.

 

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