Liebe Klavierenthusiasten und -liebhaber,

stellen Sie sich auch manches Mal die Frage, warum immer und immer wieder dieselben Werke in den Klavier-Solo-Konzerten erklingen, warum Klavierlehrer oftmals über Jahre hinweg immer nach denselben Noten, ja warum selbst Professoren immer wieder dieselben Werke unterrichten? Es steht sicherlich außer Frage, dass es großartige Meisterwerke der Klavierliteratur gibt, die man einfach spielen möchte. Nicht zuletzt, da sie zeitlos faszinierend sind, für den Spieler wie für den Zuhörer. Und das Gute ist: es gibt derlei Werke für jeden Schwierigkeitsgrad. Natürlich gibt es auch zahllose vereinfachende Versionen von großen und schwierigen Werken, bei denen man sich aber beim Ausprobieren manchmal fragt, ob es sich wirklich um das Werk handelt, das angeblich die Grundlage bildet. Aber warum spielt kaum einer Werke von heute? Warum immer und immer wieder dieselben Werke, dieselben Zyklen? Wäre es nicht gut, dass man sich auch einmal daran erinnert, dass wir heute wunderbare, lebende Komponisten haben, die gute Werke schreiben?

Natürlich werden auch diese Werke gespielt, aber vielfach auf der Neuen Musik gewidmeten Festivals, die es gibt, die aber kaum reine Klavierfreunde besuchen. Und bei der eigenen Auswahl? Wenn man dem Klavierlehrer Werke vorlegt, die er nicht kennt, bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten: entweder er beschäftigt sich mit diesem Werk, dem Komponisten, oder er lehnt es ab und schlägt ein anderes vor. Kein Wunder, stehen doch die meisten Klavierlehrer, die vom Unterrichten leben müssen, zeitlich recht stark unter Druck. Können sie sich also beständig mit neuer Literatur auseinandersetzen, wenn diese nicht zu den Unterrichtswerken der unteren Schwierigkeitsgrade handelt, sondern schon etwas Vorbereitung verlangt? Ja, sie könnten es, aber sie wollen natürlich auch ein leichteres Leben haben – ebenso wie die Professoren, die sich oftmals einfach immer wieder dieselben Werke auf den Plan rufen, die sie kennen, und bei denen sie sich keine langwierigen Gedanken machen müssen, wie denn nun diese anderen Werke vielleicht wirklich gut interpretiert werden sollten.

Es soll hier keiner verurteilt werden, da ja auch die Schüler oder Studenten selbstredend immer wieder Standardwerke spielen wollen. Aber irgendwann muss es ein Umdenken geben, denn ansonsten werden immer weitere Generationen zu Verwaltern ausschließlich der Vergangenheit, des längst Gewesenen in der Musik. Dass dies nicht über Hunderte von Jahren funktionieren wird, versteht wohl jeder. Dass kommende Generationen irgendwann einmal Fragen stellen werden, warum man nicht die Werke aus der Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts gespielt hat. Und wer weiß, vielleicht fangen Sie selbst ja einfach einmal damit an: Etwas anderes zu hören, etwas anderes zu spielen, Menschen zu animieren, etwas zu programmieren, was nicht zum Alltagsgeschehen gehört. Nur dann wird sich etwas ändern.

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