Klavierkonzerte

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

sind wir doch einmal ehrlich: Wie oft haben nicht schon das Klavierkonzert von Robert Schumann gehört, wie oft die beiden von Chopin, das 1. von Brahms, die von Beethoven, das 1. von Tschaikowsky, das 2. von Rachmaninoff und einige von Mozart? Wenn man immer wieder postuliert, dass man viel zu wenig des riesigen Repertoires der Musik für Klavier solo zu hören bekommt, dann ist dies noch einmal weitaus eher für die Klavierkonzerte wahr. Und dies, obwohl wir gerade seit dem 20. Jahrhundert eine riesige Anzahl an Klavierkonzerten zur Auswahl hätten, die es verdienen gespielt und gehört zu werden. Beispiele: Das von Alexander Glasunow, das von Alberto Ginastera, das von Antonín Dvorák, das von Wilhelm Kempff oder das von einem der großen spätromantischen Komponisten überhaupt.
Es ist eine Schande, dass wir nur so eine kleine Auswahl dieses Genres kennenlernen dürfen. Doch dies liegt nicht allein an den Pianisten, die sich lieber immer wieder mit denselben Klavierkonzerten schmücken wollen, da sie vielleicht schon betagt sind und kein neues mehr lernen wollen. Eine dieser Ikonen der Bühne wäre sicherlich Martha Argerich, die niemals überhaupt ein großes Repertoire hatte. Nein, gerade junge Pianisten sind hungrig danach, anderes, unbekannteres Repertoire mit dem Publikum zu teilen. Woran es dann liegt, dass dennoch so wenig unterschiedliche Klavierkonzerte erklingen? Nun, eigentlich liegt es vor allem an den so streng organisierten Orchestern und deren Chefdirigenten. Denn mag es noch angehen, dass sie vielleicht den Willen haben, ein neues Werk zu erlernen, dann scheitert dies meist daran, dass es für solch ein Vorhaben einfach nicht genügend Probenzeit gibt, die man erübrigen könnte.
Und wenn man schon neue Werke erlernen will, dann doch bitte solche für Orchester allein, nicht solche ,die den Solisten ins Zentrum des Interesses stellen. Es ist eine Farce, aber es scheint so, dass – wenn es um die Orchester in Europa (und auch in anderen Ländern der Welt) geht –, dass sie diejenigen sind, die bestimmen, was wir für Literatur auf den Orchesterbühnen zu hören bekommen. Das ist zwar traurig, aber es entspricht der Wahrheit: Das Business, die gewerkschaftliche Ordnung und viele Dinge mehr verhindern die Weite des Repertoires im Konzertsaal. Das ist traurig und zeigt einmal mehr wie wenig von der viel benannten künstlerischen Freiheit letztendlich in der Realität noch übrig ist.

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