Materialengpässe für Hersteller?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

es ist kaum zu glauben, dass in einer Zeit, in der wir grundsätzlich im Überfluss leben, es in einigen Bereichen aufgrund des globalisierten Handels plötzlich Engpässe geben kann, wenn es um Rohstoffe oder andere Dinge geht. Dass dies selbst die Klavierindustrie und die Herstellung von Klavieren und Flügeln betreffen kann, hat wohl absolut keiner für möglich gehalten. Waren in früheren Zeiten die Klavierhersteller daran interessiert, ihre eigenen Lager für Holz und andere Rohstoffe zu haben, hat sich auch in diesem Bereich seit Jahrzehnten einiges verändert. Auch bei Klavierherstellern waren die Lagenkapazitäten ein Kostenfaktor.

Dies führte dazu, dass man beispielsweise seine Holzlager abbaute, da man jegliches Holz ja problemlos und recht schnell von einem Speziallieferanten bestellen konnte. Doch nun kommt wieder einmal alles anders. Vor allem, da man festgestellt hat, dass große Waldflächen in Kanada und in China von absterbenden Bäumen betroffen sind, hat man in diesen Ländern eine Export-Reduzierung veranlasst. Das hat schon jetzt zu erhöhten Preisen auf dem Weltmarkt für alle Holzprodukte geführt. Denn viele Hölzer kamen gerade aus diesen Bereichen der Welt. Das betrifft erst einmal die Möbel- und Druckindustrie sowie den Bausektor, in denen die größten Mengen an Holz verarbeitet und benötigt werden. Doch auf Dauer dürfte dies auch die größeren Klavierbauunternehmen treffen, denn auch dort benötigt man viel Holz, wenn es um die Fertigung von Klavieren und Flügeln geht. Denn der größte Teil dieser Instrumente besteht nun einmal aus Holz. Was das für den Endverbraucher bedeutet? Nun, es wird zu einer spürbaren Preiserhöhung führen müssen, denn ansonsten kann ein Klavierbauunternehmen nicht mehr wirtschaftlich in Europa Instrumente bauen.

Ein weiterer Faktor sind natürlich die Teuerungen bei den Containern aus Übersee, die um ein Fünffaches vom Preis vor der Corona-Pandemie aus unterschiedlichen gründen gestiegen sind. Wer nun also seine Mechaniken, seine Klaviaturen und andere Halbfertigprodukte aus Übersee bezog, muss nun als Hersteller auch tiefer in die Tasche greifen. Dass auch dies auf den Kunden umgelegt wird, ist bei den Klavierherstellern ebenso wie es in anderen Branchen üblich ist.

Kaum einer hätte jemals gedacht, dass eine Pandemie und die grassierende Umweltbelastung, für die wir alle verantwortlich zeichnen, tatsächlich eine Auswirkung auf diesen so kleinen, ja fast handwerklichen Bereich der Klavier- und Flügelindustrie in Europa haben könnte. Doch dies beliebt nicht aus, wenn man globalisiert einkauft. Und wenn man sich nun auf die heimischen Hölzer fokussiert, wird dies die Probleme im Preissektor nicht lösen, denn auch Hölzer hierzulande sind teuer geworden. Doch die Marterialnot betrifft nicht nur Holz, sondern auch andere Werkstoffe, die man im Handwerk benötigt. Wenn man hört, dass es kaum mehr Silikon gibt, weiß man, dass es eng wird. Die Ideen alternativer Werkstoffe treten plötzlich wieder in den Vordergrund. Und genau dort sollte man nun wieder ansetzen, um vielleicht doch Lösungen zu finden, zu überdenken, ob Fiberglas, Carbon oder andere künstliche Werkstoffe eine Lösung darstellen können, wenn sie noch verbessert. Die Zeit jedenfalls arbeitet gegen das beständige Festhalten an traditionellen Arbeitsweisen und Werkstoffen.

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