Aufnahmen aus dem Nichts

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

es gibt sie mittlerweile in fast unbegrenzter Anzahl: Die Einspielungen, die im ersten Jahr der Corona-Pandemie von Pianistinnen und Pianisten eingespielt wurden. Da zeigte sich wieder der Vorteil von dem Instrument Klavier: Denn während Sänger und Bläser, ja selbst die meisten Streicher kaum unter den vorgegebenen Hygienebestimmungen selbst Aufnahmen anfertigen konnten oder durften, war dies bei Pianistinnen und Pianisten kein Problem, da sie in genügendem Abstand vom Aufnahmeleiter in einem Studio, einem Saal oder auch in einem geräumigen Wohnzimmer saßen, um sich mit ihrer Musik auszudrücken.

Es war eine Zeit, in der alle Künstler von Konzertabsagen verfolgt waren, auf einmal Zeit hatten, sich mit sich selbst und neuem Repertoire zu beschäftigen, sich auf etwas vorbereiten, wozu sie ansonsten kaum Muße finden. Daraus sind nun wirklich zahllose Einspielungen entstanden. Viele von diesen allerdings sind wenig spannend, da etliche der Pianisten der sogenannten „Modern Piano Music“ mit leichter Musik selbst zu verwirklichen suchen. Da kommt es zu grandiosen Titeln, aber musikalisch wird da ebenso wenig „gesagt“ wie auch schon in den Jahren zuvor, als dieser Trend immer stärker in den Vordergrund rückte.

Aber es gibt natürlich auch Kleinode, die aus der Zeit des Nichts entstanden sind. Da gibt es plötzlich Einspielungen großer Standardwerke, die zustande kamen, da die Aufnahmeteams frei waren, sich geradezu den Künstlern anboten. Diese nahmen die Ruhezeit gerne wahr, um sich dem Aufnehmen hinzugeben, da sie nicht den Druck verspürten, sich drei tage später vielleicht schon wieder auf dem Weg zu einem anderen Konzert zu befinden mit einem anderen Programm. Und dies hört man etlichen Einspielungen an. Sie sind mit Enthusiasmus und einem Selbstverständnis für das Aufnahmen eingespielt, dass man aufhorcht.

Eigentlich sollte es immer so sein, dass man sich viel zeit nimmt für diese Art von Einspielungen, sich auch entsprechend vorbereitet. Natürlich benötigt der eine Künstler weitaus weniger Vorbereitungszeit als der andere. Aber wenn man diese zeit nun braucht, sollte man sie sich auch nehmen und sich nicht allein auf das digitalisierte Schnittverfahren von Einspielungen mit zahllosen Takes verlassen. Auch wenn diese Schnitttechnik mittlerweile derartig professionalisiert ist, stellt sich die Frage nach dem Sinn solch einer artifiziellen Einspielung. Entspricht sie überhaupt noch einer Realität?

Aber einmal abgesehen von dieser Überlegung ist jeder Künstler, der nun bei einem kleineren Label vertreten ist, oder seine Aufnahme dort unterbringt, gesegnet. Denn die meisten der kleineren Labels machen sich nicht abhängig von geöffneten oder geschlossenen Geschäften, sondern veröffentlichen ohne Unterlass. Das ist richtig so, denn ein Verschieben bringt nur Probleme mit sich, denn irgendwann überschwemmen sich die Aufnahmen gegenseitig und werden nicht mehr wahrgenommen.

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