Professionelle Ausbildung am Instrument

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

natürlich wollen wir heutzutage Interpretationen auf der Konzertbühne erleben, die makellos sind, die technisch wie interpretatorisch eine fundamentale Durchdringung der Werke seitens des Pianisten erleben lassen. Aber ist dies heutzutage wirklich noch möglich, in einer Zeit, in der die professionelle Klavierausbildung allein der Reproduktion gewidmet ist? In früheren Tagen waren durchaus mehr Talente von einem Pianisten gefordert, der auch Musiker in jeder Hinsicht sein musste: er musste improvisieren, musste sich auch im Spiel anderer Tasteninstrumente auskennen, musste vom Blatt spielen und wenn möglich auch kleine Stücke komponieren können, mit den richtigen vorgaben in Kontrapunkt. Das Generalbassspiel war zudem eine Selbstverständlichkeit. Als man im 20. Jahrhundert mit Tonaufnahmen begann, und spätestens mit der Einführung der Schnitttechnik für Einspielungen wurde ein vordergründiger Perfektionismus im Klavierspiel erwartet, der die Spezialisierung auf das alleinige Wiedergeben von alten Werken zur Folge hatte. Somit war in der Klavierausbildung das alleinige Reproduzieren auf technisch hohem Niveau geboren, das fast alle anderen genannten Fähigkeitsvermittlungen außer Acht ließ.

Erst nach und nach und mit der wissenschaftlichen Beschäftigung des Vergleichs von früheren Ausbildungsmethoden zu den heutigen, geht man dieser Problematik auf den Grund. Ja, es ist ein Problem. Denn allein mit der Reproduktion von Werken auf nur einem Instrument (dem modernen Flügel), kann  man nicht erwarten, dass sich bereits im Studium große Musiker entwickeln. Ganz im Gegenteil kämpfen heutige Klavierstudenten gegen Aufnahmetechnik, einen technischen Perfektionismus am Instrument, der sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Standard entwickelt hat und der das persönliche Gestaltungsmerkmal oftmals außen vor lässt.Das soll nicht heißen, dass heutige Pianisten – auch junge – nicht auch großartige Musiker sein können – nur haben sie diese Fähigkeiten oftmals nicht im Studium gelernt, sondern aus Eigeninteresse in ihrer freien Berufstätigkeit. Natürlich haben die Studenten Gehörbildung, haben Kontrapunkt und Musikgeschichte als Fächer, aber diese betreffen nicht die Praxis am Instrument. Alles weitere Wissen muss sich heutzutage fast jeder Pianist selbst aneignen – und das gelingt nicht immer.Man muss überlegen, ob die heutige Art der Ausbildung nicht einer Revision bedarf, ob man nicht vielleicht die moderne Ausbildung mit der früherer Tage wieder kombinieren muss, um wieder wahre Musiker am Tasteninstrument auszubilden, solche, die mehr können als Musik perfekt reproduzieren, was nur ein Teil des Berufes Pianist sein darf.

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