Kultur und was es sein sollte

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

was ist eigentlich die momentan so oft beschworene Kultur, die von der Politik mehrfach – trotz Unterstützung hier und da – insgesamt und verglichen mit anderen Bereichen der Wirtschaft schmählich vernachlässigt wird? Nun, eigentlich ist es ein wenig vage, was wir heute unter Kultur verstehen. Wenn wir nämlich von früheren Zeiten sprechen, dann sprechen wir beispielsweise von Hochkulturen der Antike, also von der Kultur als Ausdruck eines gesamten Reiches, eines gesamten Volkes. Das scheint mittlerweile nicht mehr der Fall zu sein, anscheinend ist Kultur mittlerweile zu einem eigenständigen und dem Begriff der „schönen Künste“ des 19. Jahrhunderts nahe stehenden Feld geworden. Doch ist Kultur nicht weitaus mehr, ist es nicht das, was ein Volk ausmacht, was es unterscheidet auch von anderen „Kulturen“, also Völkern. Dieses Verständnis wird aber immer nur dann herangezogen, wenn man sich absondern will von anderen „Kulturen“, anderen Völkern. Schon spricht man nicht mehr davon, dass einige Menschen aus anderen Kulturbereichen kommen, die von einem anderen kulturellen Verständnis geprägt sind. Dabei ist der Begriff aus dem Lateinischen von „cultura“ abgewandelt, der eigentlich den Ackerbau und die Pflege des Landes meinte. Bald wurde dieser Begriff aber schon mit etwas Materiellem verbunden.

Wie auch immer: Heute steht Kultur anscheinend für etwas, was nicht der Ökonomie dient, sondern zur geistigen „Befriedigung“ oder „Belustigung“ der Menschen in einem Land oder auch darüber hinaus. Für die alten Griechen waren die Künste eng mit den Wissenschaften verbunden und bildeten die Grundlage für eine reiche Kultur. Heute wird Kultur vor allem den Künsten zugerechnet – und das ist falsch. Zwar machen die Künste einen Großteil der kulturellen Grundlagen eines Volkes aus, aber eben nur die Grundlagen, auf die die anderen Bereiche des Lebens, wirtschaftliche ebenso wie wissenschaftliche aufbauen. Ohne die Grundlage sind die anderen Bereiche, die heutzutage zumindest in der Politik eine anscheinend wichtigere Rolle zu spielen scheinen, nicht denkbar. Dabei versucht man der Allgemeinheit mitzuteilen, dass es andersherum ist: Dass ohne die Wirtschaft und Wissenschaft die Kultur nicht zu finanzieren wäre. Aber was wäre denn eine florierende Wirtschaft ohne die Kultur? Einfach nicht denkbar, denn die hochqualifizierten Arbeitskräfte eines Unternehmens wollen ja auch Kultur genießen. Wie wichtig die Kultur ist (oder zumindest war), zeigen auch Großunternehmen wie die Bayer AG in Leverkusen oder die BASF in Ludwigshafen, die eigene Kulturabteilungen, Orchester und Konzerthäuser errichteten, da sie wussten, dass es wichtig ist, die Kultur in ein florierendes Unternehmen zu integrieren. Doch auch dieses Denken ist mittlerweile ein gestriges.

Kultur gilt heute als etwas anscheinend Beiläufiges, etwas, das nicht wichtig ist für die breite Masse, solange der viel beschworene „Wirtschaftsmotor“ funktioniert. Doch würde dieser ohne das kulturelle Angebot wie in einem Land wie Deutschland wirklich funktionieren? Wohl kaum. Und dass in den kulturellen Bereichen mehr Menschen arbeiten als in der Automobilindustrie inklusive der vielen zulieferfirmen, scheint keinen zu interessieren. Dass der Kultursektor zudem auch ein wirtschaftlicher Motor für ein Land ist, anscheinend auch nicht. Zur Kultur gehören weitaus mehr Bereiche als Museen, Konzert- und Opernhäuser oder Theater. Da sind die vielen Clubs, die Instrumentenhändler und -hersteller, die vielen freien Musiker, Schauspieler, die Bühnenleute, die Tonstudios, die Zeitschriften und Magazine, die Schallplattenindustrie, die Buchverlage, die Vertriebe, die dafür sorgen, dass man diese Dinge überhaupt zu Gesicht bekommt und käuflich erwerben kann, die Agenturen usw. Wären diese Bereiche nicht mehr da, würden auch viele Zulieferfirmen darunter leiden: Die Setzereien, die Druckereien, die Rundfunkanstalten, die immerhin einen öffentlichen Auftrag haben, die Holzlieferanten für die Musikinstrumente – einen umfassende Liste wäre endlos …Kultur ist ein ebenso wirtschaftlicher wie unabdingbarer Bestand eines Landes. Also sollte man es auch als Grundlage des Lebens sehen und ihn nicht abgesondert von anderen Bereichen betrachten! Ohne Kultur gäbe es ein Land wie Deutschland in dieser Form gar nicht.

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