Konkurrenzdenken in der Klavierwelt?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

in Zeiten, in denen das Gemeinsame wichtiger ist als das Gegeneinander ist es auch Zeit, sich über ein Konkurrenzdenken in der Klavierwelt Gedanken zu machen. Natürlich ist die Profession eines Pianisten erst einmal eine recht einsame. Entsprechend haben viele, gerade jüngere Pianisten ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken entwickelt, da sie jahrelang „stillen Kämmerlein“ dafür gearbeitet haben, um irgendwann einmal auf einer Bühne zu sitzen, vor Publikum zu spielen. Doch nun, durch die Corona-Krise, sind plötzlich alle im selben Boot, denn niemand, gleichgültig wie berühmt sie oder er ist, tritt vor Publikum auf. Da ist das Denken, dass man vielleicht ein Konzert weniger spielt, da es ein anderer bekommen hat, nicht mehr angebracht, auch wenn viele Online-Konzerte dann doch wieder nur eine Handvoll von Pianisten mit großem Marketing eine entsprechend große Aufmerksamkeit zu Teil wird. Aber alle anderen haben nun auch die Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum von zu Hause aus zu präsentieren. Und da kann man so einige Pianisten entdecken, die bislang noch nicht so richtig wahrgenommen wurden. Konkurrenzdenken wir da ausgeschaltet.

Auch die anderen Bereiche der Klavierwelt sollten sich durch die Erfahrungen der vergangenen Wochen nun langsam von einem krankhaften und althergebrachten Konkurrenzdenken verabschieden: Klavierhändler sollten – wie es im Kleinen schon geschehen ist – zu Allianzen zusammenfinden, da viele oftmals nicht aus eigener Kraft haben, ihre Angebote wieder einem breiteren Kundschaft kundzutun. Immerhin sind die Menschen aufgrund der finanziellen Einbußen oftmals verunsichert. Und wenn selbst die Politik über den vielleicht nicht stattfindenden Sommerurlaub diskutiert, sparen viele ansonsten vielleicht am Klavier Interessierten schnell bei allem, was man als kulturelle Inspiration bezeichnen könnte – auch beim Klavier.

Den dritten große Bereich stellen natürlich die Klavierhersteller dar. Viele haben Kurzarbeit angemeldet, produzieren momentan gar nicht. Nur einige versuchen ihre Fertigung weiterlaufen zu lassen, um Lieferengpässe, die in der Vergangenheit bei bestimmten Modellen bestanden, nun aufzufüllen, damit es keine Lieferzeiten mehr gibt. Doch wenn man sich in Europa umschaut, dann sollte sich auch bei den Herstellern langsam ein Denken für Allianzen einstellen. Natürlich könnte man womöglich jedes verkaufte Instrument einer Marke, als ein nicht verkauftes der anderen ansehen. Aber ist es nicht so, dass das Thema Klavier eigentlich viel zu wenig im Bewusstsein der breiten Bevölkerungsschicht verankert ist? Sollte man nicht daran arbeiten, das Instrument selbst, das Klavier, das nun eine 320-jährige Geschichte hat, thematisieren. Sollte dies ein Hersteller allein versuchen? Wohl kaum, denn kein Hersteller hätte genug Kraft, dies einer breiten Bevölkerung nahezubringen. Und wenn das Klavier erst einmal wieder als Kulturgut angesehen wird, kann es auch zu einer neuen Lebendigkeit des Verkaufens kommen.Konkurrenz ist gesund, sagt man im Marketing. Das stimmt, denn ohne Konkurrenz ruht man sich als Hersteller zu schnell auf den eigenen Lorbeeren aus und wird träge. Konkurrenz belebt das Geschäft, lautet ein anderer Satz aus der Wirtschaft. Stimmt auch, aber nur dann, wenn die Allgemeinheit das, was man herstellt, überhaupt genug wahrnimmt. Und dies ist momentan vielleicht gar nicht der Fall, da die meisten Menschen an andere Dinge zuerst denken.

Daher sollten nun alle, die sich dem Thema Klavier widmen, ein falsches Konkurrenzdenken aussetzen, und das Instrument als Kulturgut und als ein Medium, das in Krisenzeiten Gutes bewirken kann, vermarkten.

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