Klaviermusik und das Internet

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

wir nutzen es alle, die wir mit Musik umgehen: Das Internet. Immer wieder will man sich kurz einmal vergewissern, welche Opusnummer ein Werk hat, oder in welcher Tonart es steht, wann genau es geschrieben würde, oder wie viele Sätze ein Werk hat und wie sie genau benannt sind. Und schon landet man auf den Plattformen der großen Globalplayer im Internet: Auf YouTube, bei Amazon, oder aber natürlich bei Wikipedia. Das hat alles irgendwie seine Berechtigung, aber was genau macht dies mit uns?

Immer mehr, gerade junge Menschen konsumieren Musik über YouTube, Spotify oder andere Internet-Dienste. Und wenn man nun denkt, dass es bei denen, die sich dazu entschlossen haben, sich professionell mit Musik auseinanderzusetzen, anders sei, unterliegt einer Fehleinschätzung. Fragen Sie doch einmal einen Klavierstudenten, welches Konzert eines Pianisten er zuletzt besucht hat, live, nicht auf YouTube. Sie werden erschrecken, dass immer mehr Studenten sich genau an den genannten Plattformen für ihre Musikkenntnisse orientieren. Und auch an Wikipedia. Auch dies ist zur schnellen Orientierung einmal ganz in Ordnung, aber wenn man sich ein wenig auskennt, erkennt man dort auch viele Fehler, oder aber zumindest eine deutliche Vereinfachung von Darstellungen von Werken, Komponisten oder Interpreten. Wenn man diese Studenten fragt, wann sie das letzte Mal eine Biografie über einen Komponisten in Buchform gelesen haben, wird man mit einem fragenden Blick belohnt. Das soll nun nicht bedeuten, dass alle Studenten gleich seien, dass sich niemand mehr für die tiefergehenden Ideen hinter den Werken und die geschichtlichen Umstände interessiert. Aber der Druck, der auf den jungen Interpreten lastet, ist hoch. Wie soll man sich durchsetzen, wenn jeder von ihnen eine technisch einwandfreie, aber dennoch persönliche Interpretation vieler Werke fordert? Zudem müssen sie sich mit der Jetztzeit auseinandersetzen, mit den Studienanforderungen, die seit der Einführung von Bachelor und Master nicht gerade vereinfacht wurden. Da tritt dann auch eine gewisse Ablehnungshaltung gegen alle vielleicht wichtigen, aber in dem Moment kaum wahrnehmbaren Zusatzaktivitäten ein, die früher als selbstverständlich galten.

Daneben sind es Vorbilder, die falsche Hoffnungen setzen. Immer wieder werden recht unfähige Pianisten aufgrund ihrer zum Teil sexistisch anrüchigen oder anders in Szene gesetzten Internetauftritte von Medien und Schallplattenfirmen ins Spotlight gehoben. Das ist bedenklich. Wenn diese es aber schaffen, warum sollten sich die jungen Interpreten an den Tasten noch intensiv mit dem Kern der Musik und ihrer Darstellung für ein Publikum beschäftigen. Andere schaffen es doch auch, mit einer Story, mit fragwürdigem Klavierspiel oder einer Selbstdarstellung, die kaum mehr fragwürdig, sondern fast schon abstoßend ist.

Was zu tun ist? Man darf nicht müde werden, die interessierten Studenten zu unterstützen, man muss sie in die Konzerte mit großen Interpreten bringen, sie animieren, sich mit famosen Interpretationen, mit den Komponisten, mit der Geschichte ihrer Zeit und mit den politisch-sozialen Atmosphären dieser Zeiten zu beschäftigen. Das ist eigentlich die Aufgabe der Hochschulen, an denen diese Pianisten ausgebildet werden, aber auch in anderen Studienbereichen wird man nur dazu angeregt, sich selbstständig weiter zu beschäftigen. An den Hochschulen bleibt kaum mehr Zeit für den Anstoß des Interesses, kaum mehr die Luft, um mit den Studenten mehr Zeit als die Unterrichtsstunde selbst zu verbringen. Und dort geht es nun einmal darum, ihnen die Grundlagen des Klavierspiels zu vermitteln. 

Die Kartenpreise in vielen Städten müssten für Studenten noch drastischer gesenkt werden, auch wenn man sie gerne mit denen von Kinos vergleicht. Aber wie oft geht ein Student ins Kino? Zudem sollten Labels Aktionen starten, um den Studenten nicht nur die Internetplattformen günstig zur Verfügung zu stellen, sondern auch die physischen Tonträger. Man muss langsam etwas tun, um auch weiterhin in einem kulturell so reichen Gebiet wie Europa die Ausbildung auf einem Niveau zu halten, das alles bietet, was schon längst verloren zu sein scheint.

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