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Das Intensiv-Wettbewerbsjahr 2025

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

dieses Jahr hat so viele hochkaratige Klavierwettbewerbe gesehen, wie es sie so konzentriert bereits seit vielen Jahren nicht mehr gab. Seit Beginn des Jahres jagt ein bekannter Klavierwettbewerb den nächsten, seien es die Beethoven-Wettbewerbe in Wien und demnächst in Bonn, sei es der Cliburn-Wettbewerb, der ARD-Musikwettbewerb im Fach Klavier, der Busoni-Wettbewerb oder der wohl renommierteste, der Chopin-Wettbewerb in Warschau. Und alle vermelden sie Rekord-Anmeldezahlen. Wie das kommt? Nun, nach den Corona-Jahren sind die jungen Pianisten hungrig sich zu beweisen, sich zu etablieren. Und viele der Teilnehmer sind ohnehin schon Preisträger von anderen Wettbewerben, aus der Vor-Corona-Zeit. Doch die Jahre der Epidemie haben es ihnen versagt, sich mit ihren gewinnen auf den Bühnen zu empfehlen. Also nutzen sie nun wieder die Chance und kommen zu allen Wettbewerben, die sich ihnen noch bieten.

Allerdings ist bei allen die Anzahl an asiatischen und asiatisch-stämmigen Bewerbern so eklatant in der Überzahl, dass man sich fragt, woran dies liegen mag. Denn auch in Europa gibt es genug Studenten für Klavier an den einschlägigen Hochschulen und Konservatorien. Und dennoch machen sie oftmals nur wenige Prozentpunkte an der Anzahl an zugelassenen Bewerbern bei Klavierwettbewerben aus. Liegt dies nun tatsächlich daran, dass die Ausbildung der asiatischen Teilnehmer strikter und stringenter verläuft, vielleicht auch eher beginnt, noch in jüngsten Kinderjahren? Oder liegt es vielleicht doch ehr an den Ideen einer technischen Perfektion, die sich allenthalben breit gemacht hat und die von asiatischen Jungpianisten stärker gepflegt wird als von den europäischen, da Fehler in Asien als Versagen eingestuft werden?

Doch was sagt uns das alles für den Zeitgeschmack von Klavierspiel? Geht es noch um das persönliche Gestalten der Werke von Komponisten, des sich hinter die Musik zurückstellen, um den Transfer der Ideen, die uns in Notenform vorliegen für ein Publikum? Oder geht es doch mittlerweile mehr um einen Mainstream-Stil, der keine Fragen offenlässt, aber auch keine Ecken und Kanten aufweist, der einfach das mitteilt, was erwartet wird – nicht weniger, aber auch nicht mehr? Schnell sind dann die sozialen Medien voll von Lobeshymnen auf die Gewinner, ohne zu hinterfragen, ob sie wirklich die Güte von Pianisten haben, um sich auf den Bühnen der Welt gegen die großen „Alten“ zu behaupten. Einige schaffen natürlich den Sprung in die Weltliga, auch mit viel Marketingwirksamkeit und ohne viel Hinterfragungen von Verantwortlichen, ob man diese Gewinner von Wettbewerben wirklich als gleichwertig renommierten Pianisten an die Seite stellen kann. Letztendlich entscheiden ja Juroren über die Leistungen – doch wenn man sieht, wie oft in früheren Zeiten keine 1. Preise vergeben wurde, ist dies mittlerweile nicht mehr gewünscht. Man arbeitet nun einmal mit den Leistungen, die man da vor sich hat – und gewährt dann auch Preise an weniger überzeugende Teilnehmer, die woanders vielleicht niemals die 1. Runde überlebt hätten. Und da die Juroren oftmals auch die Kandidaten kennen, sie fördern wollen (weil sie mit ihnen gearbeitet haben, oder aus anderen Gründen), wir der breiten Masse vorgegaukelt, dass diese Gewinner gleichzusetzen wären mit denen derselben Wettbewerbe aus früheren Zeiten. Das ist ein wenig tragisch.

Jeder sollte auch beim Hären der Teilnehmer von Klavierwettbewerben kritisch bleiben, denn nur. Weil sie an einem Wettbewerb teilnehmen und in einigen Runden weiterkommen, heißt dies nicht zwingend, dass es großes Klavierspiel mit überzeugenden Interpretationen ist, was man da hört.

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