Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,
auch wenn nicht alle Klavierliebhaber selbst Klavier spielen oder Klavier spielen wollen, so stellt sich doch immer wieder die Frage: Warum eigentlich nicht. Die Ausreden sind immer die gleichen: Zu wenig Zeit, zu wenig Platz in den eigenen vier Wänden, zu wenig Geld, um sich ein wirklich gutes Instrument zu leisten. Ich sage: Alles Ausreden. Warum ich das sage? Nun, es kommt doch allein auf den Anspruch an, den man an sein eigenes Spiel auf dem Klavier stellt, oder nicht? Sind wir doch einmal ehrlich: Jeder, der sich für die Klaviermusik begeistert ist „in Gefahr“ vor einem Instrument zu stehen und das Verlangen zu verspüren, seine Tasten anzuschlagen. Das ist eine Magie, der man sich einfach nicht entziehen kann. Und nur, da wir keine kleinen Kinder mehr sind, die diesem verlangen einfach nachgeben und auf die Tasten hauen, heißt das ja nicht, das wir davor gefeit sind.
Diesem Verlangen kann man natürlich im Klaviergeschäft nachgeben, kann sich bei Freunden auch einmal an das Instrument setzen und ein paar Töne nacheinander anschlagen. Wir wissen alle, dass wir – selbst mit Unterricht und Übepraxis – niemals das Niveau von professionellen Pianisten auf den auch noch so kleinen und unbedeutenden Bühnen erlangen können. Aber das sollte auch gar nicht der Anspruch sein. Natürlich will jeder einmal Klaviermusik von Beethoven, Schumann oder Liszt spielen. Aber da gibt es tatsächlich einige kleine Klavierstücke, denen man Herr werden kann.
Das Verlangen des Klavierspiels, die Magie, die von diesem Instrument ausgeht, ist nichts, vor dem man sich schämen muss. Man sollte ihm einfach nachgeben, sollte sich ein akustisches Instrument – wenn auch vielleicht gebraucht – anschaffen, und sich jedes Mal an das Instrument setzen, um diesem Verlangen nachzugeben. Probieren Sie es einmal, es ist wirklich schön und beruhigend, selbst Hand auf die Tasten zu legen und einfach zu spielen, den Klängen, die man da erzeugen kann, nachlauschen. Irgendwann werden aus einzelnen Tönen, dann Reihen von Tönen, irgendwann legt man beide Hände gleichzeitig auf die Tasten, probiert, lauscht – und selbst das ist schon beglückend.
Wer dann tatsächlich auch Noten lesen lernen will, sich ein Stück, das er kennt aneignen will für sein Spiel, der kann dann Unterricht nehmen, kann sich auf YouTube informieren, kann diesem Wunsch nach mehr auf einfache Weise ebenfalls nachgehen – ohne einen Anspruch an sein eigenes Spiel haben zu müssen.
Wer dem Verlangen, ein eigenes Instrument zu besitzen, dem Wunsch, seine Finger auf die tasten zu legen, niemals nachgibt, der wird es bereuen, mit jedem Jahr, den er sich diesen Wunsch nicht erfüllt.
