Sind Klaviere wirklich zu teuer?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

die momentanen Zeiten sind für Menschen mit einem normalen Durchschnittseinkommen nicht gerade einfach: Inflationsrate, Spritpreise, Erhöhung von Versicherungsprämien, Energiepreise – alles wird teurer. Nur dass es nur wenige Berufsgruppen gibt, in denen die Einkommen entsprechend dieser beständig steigenden Kosten angepasst werden. In diesem Moment erhöhen – natürlich auch als Art der Umlage aufgrund der erhöhten Kosten – auch die Klavierhersteller beständig ihre Preise für ihre akustischen Instrumente. Doch sind Klaviere im Vergleich wirklich zu teuer – oder ist es nicht vielmehr eine Grundeinstellung dazu, die vielen Verbrauchern das Gefühl gibt, dass Klaviere und Flügel zu teuer sind?

Schauen wir doch einmal zurück: Auch in den 1970er Jahren waren Klaviere bereits teuer, denn die Einkommen für Normalverdiener waren damals ähnlich niedrig im Vergleich u den Instrumentenpreisen wie heute. Wenn heute ein Normalverdienst rund 3850,- Euro beträgt, dann ist das nicht so viel weniger als die 2000,- Mark, die man vielleicht 1975 in der Tasche hatte. Und wenn ein Instrument aus deutscher Herstellung vielleicht 1975 6000,- Mark kostete und heute ein solches vielleicht 16.000,- Euro wird das Preisniveau doch wieder vergleichbar.

Es ist vielmehr eine erwähnte Grundeinstellung, die sich verändert hat. Zum einen natürlich dadurch, dass es viele Alternativen auf dem Digital-Piano-Markt gibt, die weitaus günstiger sind. Zum anderen aber vor allem auch in Bezug darauf, dass das Klavierspiel nicht mehr zu einer guten Allgemeinausbildung für Kinder und Jugendliche zu gehören scheint. Vielmehr sieht die Welt der Jugendlichen aufgrund der immensen Konzentration auf das Digitale heutzutage vollkommen anders aus und hat auch andere Kernkompetenzen und Tätigkeitsschwerpunkte zur Folge. Denn heutzutage wollen die jungen Menschen nicht weit in die Zukunft blicken, wollen nicht erkennen, dass das Klavierspiel auch wichtige Funktionen für ihre zukünftige Entwicklung hat – wie das mehrfach wissenschaftlich erwiesen ist. Es sind die schnellen und direkten Erfolge, die man sich wünscht. Und die Eltern entsprechen oftmals den Wünschen ihrer Kinder. Die Folge: Noch sind die Musikschulen und Musikhochschulen voll mit Kindern und Jugendlichen, die sich dem Klavierspiel verschreiben, noch gibt es Wartelisten und geben Eltern das Geld aus, um ihren Kindern diesen Teil der Ausbildung zu finanzieren. Doch ein genauerer Blick ist schon irritierend: denn oftmals sind es Familien mit Migrationshintergrund, die das Positive in diesem Teil der Ausbildung erkennen. Und schon heute sind die Musikhochschulen stärker von ausländischen Studenten besetzt als mit deutschen.

Nein, die kleineren Klaviere aus deutscher Herstellung sind im Vergleich zu allem anderen eigentlich ähnlich teuer wie noch vor Jahrzehnten. Nur dass sich die Sicht auf diese Preise verändert hat. Das sollte jeden nachdenklich machen, denn das Klavierspiel ist eine Bildungsausübung, die den gesamten Menschen positiv beeinflusst.

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