Neues Jahr, neues Klavierglück?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

Schon wieder ist ein Jahr vorbei und ein neues beginnt. Haben Sie sich auch Einiges vorgenommen, denn der Jahreswechsel ist ja auch immer ein Moment, in dem man das alte Jahr Revue passieren lässt und sich Verbesserungen, Änderungen oder sogenannte Vorsätze auf die Flaggen schreibt. Nun, viele werden sich sicherlich sagen, dass sie sich mehr Zeit für ihr Hobby nehmen wollen, sich beispielsweise mehr mit dem Klavier beschäftigen möchten.

Das ist nicht das Schlechteste, was man sich vornehmen kann. Und wenn es nicht um das Klavierspiel selbst geht, dem man sich in den eigenen vier Wänden am Instrument widmen will, dann kann es auch sein, dass man sich mehr Zeit nehmen will, um in Konzerte zu gehen (vielleicht auch einmal die kleineren Klavierkonzerte in ländlichen Regionen), oder aber sich vornimmt, dass man mehr Klaviermusik konzentriert zu Hause hört.

Das Zuhören ist eines der Wesentlichsten Elemente in der Musik. Oftmals vergessen wir, genau zuzuhören, uns vorzunehmen, wirklich einmal das zu hören, was wir da selbst produzieren am Instrument oder aber von einem Interpreten geboten bekommen. Oftmals schweifen unsere Gedanken ab, hören wir oberflächlich nur das, was uns bekannt vorkommt, verbrämen auf diese Weise das, was wir tatsächlich akustisch hören könnten. Wir lassen uns immer wieder verführen, gerade bei bekannten Werken, das zu hören, was wir gewohnt sind zu hören. Das ist natürlich gefährlich, denn auf diese Weise lassen wir uns dazu hinreißen, dass wir keine Feinheiten hören, dass wir nicht wirklich das gehörte beurteilen, sondern eigentlich nur das, was in unserem Kopf als Erinnerung an ein Musikstück gehört wird. Das ist psychologisch bedingt, aber entspricht oftmals nicht der Realität des Klang, der uns geboten wird.

Jeder kennt das, wenn er selbst Klavier spielt: Wenn wir uns aufnehmen, stellen wir plötzlich fest, dass wir den Rhythmus nicht einhalten, obwohl wir es so beim Spiel wahrgenommen haben. Da hat uns das Selbstempfinden einen Streich gespielt. Und genau das kann auch beim Zuhören anderer Interpreten passieren.

Das Größte Glück aber ist es, wenn man dem Klavierspiel genau lauscht, sich selbst immer wieder kritisch hinterfragt, ob das, was wir da hören (wollen), wirklich zu hören ist. Denn nur dann erkennen wir die vielen kleinen Unterschiede, sagen nicht nur, dass es uns gefallen hat oder nicht, sondern können auch verbalisieren, was und warum es uns gefallen hat.

Das Zuhören ist ein großes Glücksgefühl und kann das Klavierglück in diesem Jahr auf ein neues Niveau heben. Versuchen Sie es einmal bewusst!

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