Komplexes Zusammenspiel an Materialien im Instrument

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

wenn man sich an ein Klavier oder einen Flügel setzt, sieht man die Tastatur vor sich, Teile des Instrumentengehäuses – und dann vor allem meist die Noten, die vor einem stehen. Doch kaum macht man sich Gedanken darüber wie viele Materialien notwendig sind, damit dieses Instrument überhaupt funktioniert.

Nun muss man zugeben, dass man sich darüber auch bei anderen Alltaggeräten, die man täglich bedient, ebenso wenig Gedanken macht. Wer möchte schon wissen, wie ein Kaffeevollautomat funktioniert, wenn man sich am Morgen einen Kaffee zubereitet, wie eine Waschmaschine innen aussieht, wenn man saubere Wäsche haben will. Was zählt ist, dass es funktioniert. Der Unterschied: Ein Klavier ist – wie in guten alten Zeiten – ein vollkommen mechanischer Gegenstand. Da gibt es keine Elektronik oder Computertechnologie, die einem das Alltagsleben erleichtert. Schon beim Blick in das Instrument sind die meisten Klavierspieler fasziniert über das, was sie da sehen, wenn sie eine Taste drücken.

Doch es ist ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen Materialien, die das Instrument, so wie wir es heute kennen, überhaupt funktionieren lässt. Da ist natürlich erst einmal das Holz, bzw. viele unterschiedliche Hölzer, die im Innern wirken und das Gehäuse bilden. Dann erkennt man immer auch den Gussrahmen, der tatsächlich im Graugussverfahren angefertigt wird. Diese Art des Gussverfahrens wird heute nur noch für wenige Teile im Motorenbau oder bei Straßenlaternen benutzt und ist eher selten. Dann hat man natürlich – und auch das sind Teile am Instrument, die man sieht – Messing, die beispielsweise für die Pedale oder für die Scharniere verwendet werden.

Der nächste extrem wichtige Stoff ist hochwertiger Filz in unterschiedlichen Ausführungen. Denn der hochverdichtete Schafsfilz, der für die Hammerköpfe und Dämpfer genutzt wird, ist ein anderer als der, der in kleinen Plättchen unterhalb der Klaviatur und im Innern der Mechanik zur Dämpfung der Geräusche beim Spiel genutzt wird. Denn kaum jemand macht sich Gedanken darüber, warum die aus Holz gefertigten und mit Kunststoff oder artifiziellen Elfenbeinersatz belegten Tasten keine Geräusche machen, wenn man sie drückt. Auch da kommt Filz zum Einsatz. Den Filz sieht man auch, wenn man auf die Saiten schaut. Da erkennt man Filze, der zwischen die Saiten gewoben ist. Dieser hilft dabei, dass die Saiten nicht alle im oberen Bereich mitschwingen, wenn man eine mittels der Mechanik und dem Hammerkopf anschlägt.

Natürlich gibt es auch Stahl, denn die Stimmnägel und die Stifte, in die die Saiten im Instrument eingehängt werden, bestehen aus Stahl. Auch einige Federelemente in der Mechanik sind aus Stahl gefertigt. Zudem sind die Saiten des Instruments aus Stahl gezogen. Allerdings sind die Basssaiten mit Kupfer umsponnen, um ihnen mehr Masse und einen langanhaltenden Klang zu geben. Dass all das Holz natürlich mit bestimmten Leimen verbinden sein muss, versteht sich von selbst und ist nicht wichtig für die Mechanik. Leder gibt es auch. Einige Mechaniken haben Lederplättchen im Innern und einige Hersteller versehen auch

Letztendlich gibt es heutzutage in vielen Instrument auch noch Kunststoffverbundwerkstoffe oder Carbon. Gerade im Mechanikbau haben einige Hersteller dieses Material in Anwendung gebracht, das wohl modernste Material im Instrument überhaupt.

Allein an dieser doch kurzen Beschreibung erkennt man, dass zahllose Materialien notwendig sind, um ein Klavier oder einen Flügel, den man so selbstverständlich nutzt, in einem komplexen Zusammenspiel einen bestimmten Klang erzeugen. Und selbst wenn alle Hersteller dieselben Materialien nutzen würden, würde dann doch jedes Instrument anders klingen, da es letztendlich Handarbeit erfordert, um das Zusammenspiel dieser Materialien einzustellen und aufeinander abzustimmen.

Wenn Sie also ein Klavier oder einen Flügel spielen, seien Sie sich über diese unglaubliche Materialdichte bewusst und bewundern Sie, dass dieses Instrument so funktioniert wie es sein

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