Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,
es gibt so etwas wie erlernte Gesetze des Marketings für Unternehmen, die ihre Produkte Kunden schmackhaft oder überhaupt visualisiert näherbringen wollen. Die vielleicht berühmtesten Autoren von Marketinggesetzen – wie sollte es anders sein – stammen aus den USA und heißen Al Ries und Jack Trout. Nach ihnen sollte man in einer Krisenzeit folgendes tun: „Nicht panisch sparen, sondern gezielt in Relevanz und Sichtbarkeit investieren.“ Das ist verständlich, denn: Wenn man plötzlich unsichtbar wird, dann wird man auch nicht mehr von möglichen neuen oder auch bestehenden Kunden wahrgenommen. Wer sich für die Sichtbarkeit entscheidet, geht gestärkt aus Krisen hervor. Auch das ist eines der Gesetze von Ries/Trout. All das kann man doch leicht nachvollziehen, denn vor allem geben Kunden in Krisenzeiten ihr Geld weitaus bewusster aus als in Zeiten florierender Geschäfte.
In der Klavierwelt allerdings geht man genau den umgekehrten Weg: Man investiert weniger in Marketing, wenn die Geschäfte schlechter laufen. Was das bedeutet: Man wird weniger wahrgenommen. Und wenn das Thema Klavier ohnehin nicht zu den Topthemen in den Medien und in den Köpfen der Menschen gehört, dann wird eine Rücknahme der Sichtbarkeit das Thema fast stoppen lassen. Denn wer denkt noch an die Hersteller von Instrumenten oder deren verlängerten Arm, die Händler, wenn man ohnehin im Fernsehen und auf YouTube vor allem Digital-Pianos zu sehen bekommt, die dann mit einfachem Spiel malträtiert werden?
Was wirklich fasziniert daran: Anscheinend habt keiner der Hersteller von Klavieren und Flügel sich wirklich auf schwerere Zeiten, also schwächere Absätze vorbereitet, Rücklagen gebildet, sich von echten und nicht halbweisen Marketingexperten beraten lassen, bevor es zu schlimm wird.
Momentan lassen die Zeichen zwar schon wieder einen Aufschwung am Markt erkennen, der durch die Händler initiiert wurde (und nur zum Teil mithilfe der Hersteller für die Händler), doch damit sind die Hersteller noch nicht aus der Bredouille, denn deren Lager sind voll und es dauert bis die Händler genug abnehmen können, um diese wieder zu leeren. Doch die Hersteller leben vom Bau der Instrumente, nicht von der Lagerverwaltung. Warum also nicht gemeinsame Marketingkonzepte entwickeln, die nun besonders wichtig wären, um das Thema akustisches Klavier modern und aktuell zu präsentieren? Nun, jeder redet sich heraus, dass er was machen will, wenn die Geschäfte wieder besser laufen …
Hoffentlich ist es für einige dann nicht schon zu spät.
