Ein Aus mit langem Atem?

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

die Nachrichten über Klaviergeschäfte, die geschlossen werden, häufen sich in Deutschland. Und es scheint so, als ob es nicht aufhört. Wenn man dachte, dass es bereits 2024 ein schlechtes Jahr für den Klavierhandel gab, dann haben sich 2025 die negativen Meldungen noch verschärft. Die Frage: Wird sich das wieder erholen? Werden wieder irgendwann mehr Klaviere verkauft, so dass das Händlersterben ein Ende hat und man auf einem niedrigeren Niveau wieder nach vorne blicken kann? Nun, letztendlich liegt dies an zwei anderen Faktoren in diesem Zusammenhang: Den Herstellern und natürlich den Kunden.

Momentan scheint es so, dass die Klavierliebhaber fast ausschließlich nur noch Digital-Pianos kaufen. Jahrzehntelang hat man ihnen eingebläut, dass Digital-Pianos mindestens ebenso gut seien wie akustische Klaviere. Und ja, sie sind viel besser geworden, können aber noch lange kein akustisches Klavier ersetzen. Zum anderen hat man erklärt, dass diese digitalen Klaviere kein Stimmen etc. benötigen, also die Folgekosten natürlich tatsächlich niedriger liegen. Aber das Erlebnis ist niemals das gleiche.

Wie bei allen Gütern, die sich momentan schlechter verkaufen, werden die Preise erhöht. Gerade natürlich bei solchen, bei denen die Rohstoffpriese schon in zeiten von Corona, also 2020 und 2021, ordentlich gestiegen sind. Und Holz ist mittlerweile ein teurer Rohstoff. Aber es sind natürlich auch die Mitarbeiterkosten, die es den Herstellern nicht leicht machen, Preise zu halten. Aber auf der anderen Seite haben sie während der Corona-Pandemie auch viele Instrumente verkauft. Entsprechend haben die Händler also auch immer wieder nachgekauft bei den Herstellern, da sie weiterhin für die Kunden ihre Instrumente bereitstellen wollten. Doch der Trend brach im Frühjahr 2024 massiv ein, die Händler sitzen geradezu auf den Instrumenten. Dennoch sind die Preise drastisch gestiegen für Instrumente aus deutscher Fertigung – in einem Maße, dass man sich fragt, wie sich ein Normalverdiener noch solche leisten können soll.

Zudem sind einige der Händler auch mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem sie einfach nicht mehr weitermachen wollen, aber – wie auch in anderen Branchen – keinen Nachfolger für ein schwieriges Geschäft finden. Da ist das schließen eines Geschäfts einfacher, als es aufrecht zu erhalten.

Wenn sich nicht alle gemeinsam an einen Tisch setzen, Hersteller, Klavierbauer, Händler und am besten auch repräsentative Verbraucher, dann wird sich der Trend wohl fortsetzen. Aufgehalten werden kann er nur mit gemeinsamer Kraft. Dazu muss es aber einen Konsens zu gemeinsamen Aktionen geben: Aufzeigen, wie wichtig es ist, dass es akustische Klaviere gibt, dass sie gespielt und gekauft werden sollten und nicht immer durch digitale Instrumente oder gebrauchte ersetzt werden können. Es ist Zeit, aufeinander zuzugehen, sich gemeinsam zu unterstützen und Lösungen gegen diesen Abwärtstrend zu finden.

Image