Pianonews 06 / 2022

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Klare Kunst-Einstellungen

Konstantin Lifschitz

Von: Carsten Dürer

Er ist 1976 in der ukrainischen Stadt Charkiw geboren. Doch schon als Kind zog er mit seinen Eltern ins Zentrum der damaligen Sowjetunion, nach Moskau und wurde von Tatjana Zelikman unterrichtet: Konstantin Lifschitz ist ein eher zurückhaltender Künstler, einer, der sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern allein mit seiner musikalischen Kunst überzeugt. Das allerdings hat er in den vergangenen 30 Jahren zur Genüge getan. Nicht allein mit seinen Auftritten, nach denen das Publikum regelmäßig überzeugt von den pianistischen Interpretationen ist, sondern auch mit seinen zahlreichen CD-Einspielungen, die er bislang vorgenommen hat, ist Lifschitz einer der großen Künstler seines Fachs. Wir trafen ihn an seinem heutigen Wohnsitz in Luzern, wo er an der Universität Luzern Musik seit 2008 unterrichtet.

Es ist ein bewölkter, aber noch warmer Sommermittag, als wir uns vor dem Bistro der der Luzerner Musikhochschule treffen. Nachdem wir uns über den momentanen „Wahnsinn“ der Realitäten unterhalten haben, über steigende Preise in allen Ländern, die Unsicherheit der Energiekosten, drängt sich eine Frage auf: Wurde er in der letzten Zeit häufig auf seine ukrainische Herkunft angesprochen? „Ich bin das letzte Mal 2018 in Charkiw bei einem Festival gewesen“, beginnt er seine Erklärungen. „Dort habe ich gespielt und dirigiert. Das war das erste Mal nach 25 Jahren, dass ich nicht mehr dort war.“ Aber angesprochen wurde er dennoch auf seine Herkunft seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine? „Eigentlich nicht. Ich wurde eher von der anderen Seite angesprochen. Das bedeutet, dass viele Ukrainer anscheinend vorsichtig sind, ob ich noch irgendwelche Verbindungen zu Russland habe. Ich werde momentan eigentlich von beiden Seiten emotional und persönlich angegriffen. Mein Herz ist natürlich bei der Ukraine, und jedes Argument weise ich dringlich ab, denn der Krieg ist auf dem Terrain der Ukraine. Eigentlich ist es ein Bürgerkrieg und viele verstehen nicht, dass es kein Krieg zwischen ukrainischer und russischer Sprache ist.“ Aber hat Lifschitz nicht genau dort, in Charkiw, seine ersten musikalischen Schritte unternommen? Er widerspricht: „Nein, ich bin dort nur geboren und war immer wieder einmal im Urlaub dort, als noch meine Großeltern dort lebten. Aber mittlerweile sind die Familienmitglieder entweder verstorben oder haben sich in der Welt, also nach Australien, die USA und Israel verstreut. Also gibt es keinen persönlichen Bezug zu Charkiw mehr. Und wenn ich gefragt werde, ob ich dort noch Familie habe, sage ich nein. Aber darum geht es auch überhaupt nicht. Es geht um die Tatsache.“

Ein paar Monate nach seiner Geburt war Lifschitz wieder in Moskau, wuchs dort auch auf. „Ich war dort nur in meinen Ferien, spielte danach ab und zu Konzerte und dann – wie gesagt – nach einer großen Pause zuletzt 2018. Kulturell bin ich viel näher an Russland als an der Ukraine. Wenn ich heute noch Konzerte in Russland spiele, bedeutet dies nicht, dass ich keine Solidarität mit der Ukraine habe, sondern ich gehe dorthin, um für die Menschen zu spielen, die seit Februar 2022 dort in tiefer Trauer sind. Sie werden zwar physisch nicht zerstört wie die Ukrainer, aber sie sind moralisch vollkommen ruiniert. Ich habe weder von der einen, noch von der anderen Seite jemals profitiert. Und wenn ich nun sage, ich gehe nach Russland, um dort für mein Publikum zu spielen, dann sehe ich das als moralische Verpflichtung. Ich habe lange überlegt, ob ich es tun soll, da ich viele Anfeindungen bekam, vor allem von Menschen, die eigentlich keine ukrainischen Wurzeln haben, sondern aufgrund des Krieges nun versuchen ihr Ansehen hier im Westen höher einzustufen. Ich lege diese Provokationen beiseite und spiele, wenn ich eine Einladung habe.“ Es ist eine klare Haltung, den Menschen gegenüber, nicht der Politik, eine Haltung gegenüber denen, die seine Musikausübung hören wollen. Es ist eine klare künstlerische Einstellung, die Lifschitz vertritt.

Umfassende Ausbildung

Seine Ausbildung hat er an der bekannten Gnessin-Schule bei Tatjana Zelikman absolviert. Dort blieb er 12 Jahre. „Mit ihr begann ich ins Ausland zu reisen und Konzerte zu spielen. Da war ich so um die 15 oder 16 Jahre alt“, erklärt er. Mit 13 Jahren spielte er sein erstes Konzert in Moskau, so dass er mittlerweile seit 32 Jahren auf der Bühne spielt. Er ist erstaunt und meint: „Ich habe das tatsächlich nie nachgerechnet. Aber es waren schöne Jahre.“ Und dann meint er schmunzelnd: „Wenn ich zu meinem echten Leben nur die Momente zähle, die ich auf der Bühne war, dann sind es weit weniger Jahre.“ Nach der Gnessin-Schule und seinem Abschluss dort war er noch in Großbritannien und in Italien. Mit wem hat er dort gearbeitet? „Nach Frau Zelikman war ich in London bei Hamish Milne. Das war so um die zweieinhalb Jahre. Danach habe ich noch einige Male Alfred Brendel zu Hause besucht, nicht aber wirklich bei ihm studiert. Dann wollte ich bei Fou Ts’ong studieren. Und wegen ihm hatte ich das Glück, dass ich an die International Piano Academy am Comer See kam und auf diese Weise noch bei vielen anderen Lehrern Unterricht nehmen konnte, so bei Karl Ulrich Schnabel, bei Leon Fleisher und anderen.“

Das gesamte Gespräch lesen Sie in PIANONews 6-2022.

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