Pianonews 05 / 2022

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Pianistin, Naturschützerin, Schriftstellerin

Hélène Grimaud

Von: Anja Renczikowski

Selten passiert es, dass sich am Tag eines Konzertes ein Musiker zu einem Interview verabreden mag. Denn meist steht dann das Proben und die Konzentration auf den Abend im Vordergrund. Hélène Grimaud wird an diesem Tag, Ende Mai 2022, im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr ein Konzert in der Philharmonie Essen spielen, und doch nimmt sie sich am Mittag Zeit für ein Gespräch. Sprechen wollten wir über ihr Programm, vielleicht auch über ihre literarischen Ambitionen und natürlich über ihr Engagement als Naturschützerin und Menschenrechtlerin – alles ganz verschiedene Bereiche ihres künstlerischen Lebens, und doch scheint alles miteinander verbunden.

Das Klavier in all seinen Dimensionen

Wir sind in der Hotellobby verabredet und freundlich werde ich von hinten angesprochen und begrüßt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich über die Zartheit und zierliche Gestalt einer Musikerin überrascht bin, die auf der Bühne eine ganz andere Präsenz hat und viel größer wirkt. Das ist es wohl, was man „Bühnenpräsenz“ nennt. Mir drängt sich die Frage auf, warum musste es das Klavier sein – dieses Instrument, das bei Kindern oft eine Faszination auslöst, gleichzeitig aber auch mit seiner massiven Existenz einzuschüchtern vermag?

„Allem Anfang liegt ein Zauber inne“ heißt es, doch wo war die Magie, die das Kind Hélène Grimaud fasziniert hat? Die stellte sich bei ihr erst nach und nach ein. Zunächst meinte der Vater, das Klavierspiel wäre ein guter Anfang, nachdem die Musiklehrerin versichert hatte, dass eine Gabe oder Begabung für die Musik vorhanden sei. „Sie sagte, ich habe ein gutes Gehör und ein gutes Rhythmusgefühl, und ich sollte mit dem Klavierspiel beginnen. Das ist eine gute Basis. Wenn ich damit anfangen würde, könne ich später immer noch zu einem anderen Instrument wechseln. Das Gute an einem Klavier ist: Man braucht nichts und niemanden, um es zu spielen. Natürlich hat es diese imposante Präsenz, aber gleichzeitig auch diese Selbständigkeit. Es ist etwas Wunderbares, dass man es sofort spielen kann. Diese Art der Unabhängigkeit entspricht meinem Charakter, denn ich war immer eine Einzelgängerin.“ Schnell entdeckte sie aber auch den Klang des Instruments: „Es sind alle Dimensionen vorhanden, die horizontale Dimension, die vertikale Dimension, diese architektonische, diese skulpturale Qualität des Klangs und die Tatsache, dass man wirklich eine Art klangliche Versöhnung von Gegensätzen erreichen kann.“ Immer wieder liebäugelte Hélène Grimaud auch mit einem Streichinstrument, insbesondere mit dem Cello, da ihr der Klang so gut gefiel. „Das Klavier ist ein perkussives Instrument, und es ist immer wieder die Frage, wie bringe ich es zum ‚Singen‘. Es gab ein paar Phasen in meinem Leben, in denen ich dachte, ich müsste etwas anderes ausprobieren. Noch bevor ich nach Paris ging, in Aix-en-Provence, da war ich 12 Jahre alt, war ich von der Geige besessen. Ich erinnere mich, dass ein anderes Mädchen das Violinkonzert von Chatschaturjan für einen Wettbewerb geübt hat. Ich habe mir die Geige geschnappt und es auch versucht. Aber letzten Endes war das Gefühl nicht stark genug. Man findet im Leben seinen ‚match‘, und das war bei mir das Klavier.“

Wie viele andere Pianisten macht sie sich aber auch Gedanken über die besondere Herausforderung, die das Konzertieren mit diesem Instrument mit sich bringt: „Entscheidet man sich für das Klavier, bedeutet das ein Leben mit Kompromissen, da man sein Instrument nicht dabei hat. Je länger man spielt, desto mehr entwickelt man ein bestimmtes Klangideal. Es gibt die Vorstellung von Flexibilität, mit der man in der Lage sein sollte, sich an alles anzupassen, und das tut man in den ersten Jahren auch und macht das Beste aus dem, was einem gegeben ist. Aber man stelle sich vor, man würde Anne-Sophie Mutter oder Gidon Kremer eine Geige geben und sagen: ‚Das ist ein ausgezeichnetes Instrument, ihr Kollege hat es gespielt, und es ist wirklich gut. Sie haben bis morgen Zeit, Bachs Partiten zu spielen.‘ Ich meine – sie würden entsetzt davonlaufen! Es ist schon eine einmalige Situation mit dem Klavier, aber ich würde es gegen nichts auf der Welt eintauschen.“

Das komplette Gespräch lesen Sie in Ausgabe 5-2022 von PIANONews.

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