Pianonews 05 / 2019

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Eigene Ansichten

Benjamin Moser

Von: Carsten Dürer

Der Name Moser ist ein bekannter in der Musikwelt. Doch Benjamin Moser ist das einzige Familienmitglied, das sich als Pianist seinen Weg bahnte. Und das auf nicht ganz gradlinigem Weg. Denn erst im frühen Teenageralter erkannte er, dass er Pianist werden will. Damit ist er recht erfolgreich. Als er 2007 neben einem fünften Platz auch den Tschaikowsky-Preis und vor allem den Publikums-Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau erringen kann, begann seine Karriere an Fahrt aufzunehmen. Im gleichen Jahr ebnet ihm der Gewinn des „Young Concert Artists Award“ in New York City den Weg in die USA. Nun hat der 38-Jährige soeben eine neue CD eingespielt, die nicht nur aufgrund der Interpretation, sondern auch aufgrund der Programmwahl aufhorchen lässt. Denn auf den ersten Blick haben Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, Georges Gershwins „3 Preludes“ und einige Bearbeitungen des genialen amerikanischen Altmeister-Pianisten Earl Wild nichts miteinander zu tun … Wir trafen den sympathischen Pianisten in seiner heutigen Wahlheimatstadt Berlin zum Gespräch.

 

PIANONews: Herr Moser, Sie haben soeben eine Professur für Klavier an der Musikhochschule in Luzern angenommen …

Benjamin Moser: … ja, meine erste Professur …

PIANONews: Fühlen Sie sich jetzt mit 38 Jahren reif dafür zu unterrichten?

Benjamin Moser: Gute Frage, wann fühlt man sich schon reif zum Unterrichten. Es gibt eine schöne Aussage von András Schiff, der sagte, dass er sich seit Mitte 60 nun langsam bereit fühlt, zu unterrichten. So denke ich nicht. Allerdings lernt man wahnsinnig viel. Am Beginn des Unterrichtens dachte ich: Ich weiß so viel, ich habe so viel Erfahrung durch meine eigenen Lehrer … und dann merkt man, wie viel man noch lernen muss. Letztendlich tut man so vieles als Pianist so intuitiv, so vieles, ohne es sich verbal bewusst zu machen. Im Unterricht ist das genau der Punkt: Warum funktioniert etwas auf eine bestimmte Art, warum phrasiert man so. Genau dieses Verbalisieren muss man in den ersten Jahren lernen. Daher bin ich auch so froh, dass ich solch eine Chance bekommen habe. Immerhin hatten sich 116 andere Pianisten um diese Stelle beworben. Allerdings ist es nur eine 50-Prozent-Stelle, so dass ich durchaus noch genug Zeit habe, für meine Musik und andere Dinge. Denn natürlich will ich meine eigene Musik noch nicht aufgeben.

PIANONews: Warum versuchen so wahnsinnig viel Pianisten eine Professur zu bekommen, die eigentlich genug zu tun haben mit Konzerten? Denn immerhin bedeuten viele Konzerte in der Regel auch, dass man nicht zu wenig verdient … Bei Ihnen habe ich auch nicht das Gefühl, dass Sie zu wenig zu tun haben.

Benjamin Moser: Ja – es ist einfach so, dass ein Moment kommt, an dem man zu überlegen beginnt. Wenn man etwas älter wird, eine Familie gründen will, und vielleicht nicht mehr den Wunsch hat, beständig unterwegs zu sein. Dann ist der Wunsch ausgeprägter, eine Sicherheit zu haben. Und eine feste Stelle gibt einem eine solche Sicherheit. Es ist etwas Psychologisches. Man muss sich dann nicht immer wieder um Konzerte kümmern, nicht dem aussetzen, dass man immer wieder spielen muss, hofft, dass einen Veranstalter immer wieder einladen. Dann kommt der Moment, in dem man sich freut, die Musik mit anderen im Unterricht zu teilen, nicht nur auf der Bühne.

PIANONews: Hätten Sie auch eine volle Professur angenommen?

Benjamin Moser: Das ist eine gute Frage … [denkt kurz nach] Wahrscheinlich ja, dann hätte ich es halt irgendwie einrichten müssen mit mehr Unterrichtsstunden. Andere Pianisten schaffen das ja auch, neben dem Unterrichten noch Konzerte zu geben. Denn natürlich bedeutet es auch eine gehörige Portion Glück, solch eine Stelle zu erhalten – da habe ich gar keine Illusionen. Ich hoffe, dass ich dort jetzt erst einmal lange Zeit bleiben kann.
PIANONews: Sie kommen ja aus einem sehr musikalischen Haus … Warum haben ausgerechnet Sie das Klavier gewählt?

Benjamin Moser: Das ist ganz profan: Meine Mutter hat gesungen, mein Vater hat Cello gespielt, mein Bruder damals noch Geige – jetzt spielt er natürlich auch das Cello [gemeint ist der Cellist Johannes Moser] – und da blieb das Klavier, das immer vorhanden war, übrig. Nach dem Blockflötenunterricht, entlockte ich dem Klavier die ersten Töne, hatte dann eine Lehrerin, die mir die Liebe zum und die Grundlagen am Instrument beigebracht hat. Aber in erster Linie lag es wohl daran, dass ich beständig Musik um mich herumhatte, als ich jung war. Mein Vater war ja im Bayrischen Rundfunk im Orchester, und mit ihm hörte ich auch Aufnahmen von Horowitz, Gilels und Richter. Das war essentiell, da ich damit einen natürlich Zugang zur Musik fand.

PIANONews: Das muss ja aber nicht zwangsläufig zu einem Beruf als Musiker führen …

Benjamin Moser: Absolut nicht. Und andersherum natürlich auch nicht, denn es gibt ja ganz tolle Musiker, die keine Musik um sich herum hatten.

PIANONews: War denn die Ausrichtung Musiker zu werden für Sie sehr schnell klar?

Benjamin Moser: Eigentlich bei mir ganz untypisch spät. Ich hatte viele andere Interessen, ich habe neben der Musik viel Sport gemacht, habe auch Abitur gemacht … erst mit 14 oder 15 Jahren habe ich dann entschieden, dass ich Pianist werden will. Wenn man dann sieht, dass es wahnsinnig viele Pianisten aus Asien oder auch aus Russland gibt, für die schon ganz früh feststeht, dass sie Musiker werden wollen, dann weiß man auch, dass ich viel nachholen musste. Als ich mit 16 Jahren mit meinem damaligen Lehrer, Michael Schäfer, zusammenkam, habe ich überhaupt erst richtig angefangen zu arbeiten. Wenn man es als Kind nicht so handhabt, muss man dann natürlich später umso mehr arbeiten. Das bedeutet: Ich habe in der Zeit als Jungstudent und dann als ordentlicher Student sehr viel gearbeitet.

PIANONews: Um aufzuholen neben den anderen?

Benjamin Moser: Auch das, aber einfach auch um das manuelle Defizit erst einmal aufzuholen. Auch wenn ich als Jugendlicher und auch als Kind immer schon geübt habe, sogar erfolgreich an kleinen Wettbewerben teilgenommen habe, habe ich dennoch nur eine Stunde am Tag geübt – und das ist eigentlich viel zu wenig. Deshalb hatte ich eigentlich einen vollkommen untypischen Verlauf.

 

Das vollständige Interview mit Benjamin Moser lesen Sie in der Ausgabe 5-2019 von PIANONews …

 

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