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Imogen Cooper

„Ich spiele nur Stücke, die zu mir sprechen.“

Von: Isabel Herzfeld

Dass sie in unseren kontinentalen Breiten ziemlich selten zu hören ist, muss wohl mit dem berüchtigten Insel-Syndrom zusammenhängen, trotz der zunehmenden Internationalität unseres Konzertlebens. Denn man kann Imogen Cooper getrost als „Grande Dame“ der britischen Klavierszene bezeichnen. Wer sie zu hören bekommt, begeistert sich für die Natürlichkeit, technische Geschliffenheit und poetische Tiefe ihres Spiels. Die Begegnung mit Alfred Brendel prägte maßgeblich ihren Interpretationsstil und ihr Repertoire – Mozart, Schubert und Brahms sind seine Eckpfeiler. Eines ihrer seltenen Konzerte in Deutschland gab uns Gelegenheit, die Persönlichkeit und die Ansichten dieser Pianistin ein wenig kennenzulernen.

PIANONews: Frau Cooper, jetzt treten Sie doch einmal in Deutschland auf?

Imogen Cooper: Ich war drei Tage in Berlin, um mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle Mozarts spätes C-Dur-Konzert zu spielen. Das war eine Art Freundschaftstreffen, denn wir kennen uns seit vierzig Jahren. Vor sieben oder acht Jahren machten wir dieses Konzert schon einmal in Philadelphia, aber wir konnten uns noch sehr gut an unsere Interpretation damals erinnern.

PIANONews: Es wundert mich, dass Sie so wenig in Deutschland spielen. Schließlich haben Sie doch in Wien studiert.

Imogen Cooper: Ja, aber bis dahin war es ein weiter Weg.

PIANONews: Wie ist Ihre musikalische Entwicklung denn verlaufen?

Imogen Cooper: Ich komme aus einem musikalischen Elternhaus. Mein Vater war Musikwissenschaftler und -kritiker, meine Mutter Amateursängerin mit einer sehr schönen Stimme. Ich war die jüngste von vier Kindern, und es war immer Musik im ganzen Haus. Der Flügel stand im Salon, und mit drei Jahren setzte ich mich auf den Klavierstuhl und suchte mir mit einem Finger die Töne von einem Weihnachtslied zusammen. So bekam ich Klavierunterricht, und mit elf Jahren wollte ich mehr Musik machen. Doch es gab damals in England keine wirklich gute Spezialschule für Musik, wie heute die Menuhin-School. So entschieden meine Eltern, dass ich ins Ausland gehen müsste, und die Frage war, ob nach Paris oder nach Moskau. Moskau schien für jemand, der gerade zwölf war, doch ein bisschen hart. So ging ich nach Paris, ganz allein, für sechs Jahre. Ich wohnte in einer Art Jugendherberge, zog dort meine Studien durch. Irgendwie wurde ich ein bisschen ein französisches Mädchen. Ich fühle mich immer noch ein bisschen französisch, das waren sehr prägende Jahre.

PIANONews: Wer waren denn damals Ihre Lehrer?

Imogen Cooper: Das waren Yvonne Lefébure, die noch Schülerin von Alfred Cortot gewesen war, und später Jacques Février, der bei Marguerite Long studiert hatte. Die beiden mochten sich nicht, aber beide beeinflussten mich sehr. Dann war ich noch bei Germaine Mounier, eine große Chopin-Spielerin. Mein Training war hart, es wurde von mir erwartet, sechs Stunden täglich zu arbeiten. Es ging dabei sehr diszipliniert und autoritär zu – das war noch vor 1968, vor der Revole in Paris.

PIANONews: Gingen Sie denn damals auch noch zur Schule?
Imogen Cooper: Nein, seit ich elf war, ging ich nicht mehr zur Schule, hatte nur noch ein paar Privatstunden. Es wäre auch kaum Zeit dafür gewesen. Was ich musikalisch lernen musste, füllte den Tag aus, Harmonielehre, Kontrapunkt und Kammermusik, Musikgeschichte und all diese Dinge, eine gute Grundlage.

PIANONews: War das kein Problem für Sie? Haben Sie nie etwas vermisst?

Imogen Cooper: Nein, nicht wirklich. Wenn man das Lernen von Musik als eine anspruchsvolle Geistesdisziplin betrachtet, dann habe ich vielleicht eine bessere Disziplin erworben, als wenn ich die Könige von England oder so etwas gelernt hätte. Heute gehe ich ins Internet oder finde ein Buch, das ich lesen möchte. Ich mache Entdeckungen in einer späteren Zeit meines Lebens, die ich vielleicht mehr schätze, als wenn ich sie mit fünfzehn Jahren gemacht hätte. Doch, es gibt es etwas, was ich vermisse: Nicht gelernt zu haben, wie man Shakespeare lesen und verstehen kann. Es ist einfach viel schwerer, wenn man nicht in der Schule das Handwerkszeug bekommen hat, um in diese Sprache einzudringen.

PIANONews: Wie ging es für Sie weiter?

Imogen Cooper: Nach meiner Rückkehr nach London wollte ich mit institutioneller Ausbildung nichts mehr zu tun haben. Aber ich spielte einigen Musikern vor, ich traf Rubinstein und bekam Kontakt zum Amadeus-Quartett; sie ließen mich bei ihren Proben zuhören und auch bei BBC-Aufnahmen, fantastisch. Ein bisschen später, ich war vielleicht 19, traf ich Alfred Brendel in London, und er fragte mich, ob ich zu ihm nach Wien kommen und mit ihm arbeiten wollte.

PIANONews: Erzählen Sie etwas vom Unterricht bei Brendel. Wieso hatte er überhaupt Zeit?

Imogen Cooper: Es war sicher die letzte Gelegenheit, bevor er so berühmt wurde, dass nichts mehr ging. Damals war er pro Jahr ungefähr sieben Wochen am Stück in Wien. Was wirklich toll war: er gab mir unbegrenzte Zeit. Und nach den Stunden hörten wir uns Aufnahmen an, von Furtwängler, Fischer, dem Busch-Quartett, Lotte Lehmann. Das war etwas sehr Besonderes und beeinflusste mich sehr.

PIANONews: Und was haben Sie speziell bei ihm gelernt?

Imogen Cooper: Ich glaube, das Wichtigste war, meinem eigenen Spiel wirklich zuzuhören. Wir machten überhaupt nichts mit Technik, denn ich hatte von Paris her eine solide Basis. Aber er war sehr kompromisslos, was den Klang betraf, die Klangbalance – und da muss ich die Geschichte meiner ersten Unterrichtsstunde erzählen: Ich spielte für ihn die Schubert-Sonate in a-Moll, Deutsch-Verzeichnis 784, und der langsame Satz beginnt mit einem F-Dur-Akkord, nur vier Noten. Mit diesen vier Noten verbrachte er 20 Minuten, während er langsam im Raum herumwanderte: Nein, keine gute Balance, zu viel Gewicht in der linken Hand, falsche Farbe. Ich wäre fast verrückt geworden, aber ich fing an darauf zu hören, was er von mir wollte. An einem bestimmten Punkt spielte ich den Akkord und dachte, ah, das war besser, und er drehte sich um und sagte: danke. Und von da ab machte die Arbeit Fortschritte. So konnte ich gut lernen, wie man Spannung in einer Phrase aufbaut und wieder nachlässt.

PIANONews: Wie stark war Brendels Einfluss? Bestand die Gefahr, dass sich Ihre künstlerische Individualität nicht richtig entwickeln konnte und Sie quasi eine Kopie wurden?

Imogen Cooper: Überhaupt nicht. Nach zwei Jahren zog er sowieso nach London, und ich musste meinen eigenen Weg gehen. Aber wir blieben in Kontakt. Manchmal informierte ich ihn über eine Aufnahme oder ein Konzert, ob wir das zusammen hören und er ein paar Bemerkungen machen würde, und er begann auch, für mich zu spielen. Wenn er ein neues Werk lernte, gab er mir die Partitur und einen spitzen Bleistift und sagte, erzähl mir, wovon du nicht überzeugt bist. Das war ein sehr gutes Training. Denn man überlegt natürlich sehr genau, bevor man Brendel irgendetwas Kritisches sagt. Es wurde immer mehr kollegial, auf Augenhöhe. Schließlich machten wir zusammen Aufnahmen, wir spielten die Konzerte für zwei und drei Klaviere von Mozart ein. Danach bin ich ein bisschen davongeflogen, ich hatte meine eigenen Flügel. Aber Brendel blieb immer ein guter Freund und auch Mentor. Sein ältester Sohn ist mein Patenkind.

PIANONews: Durch Brendel sind Sie zu Schubert ge-kommen. Aber vorher spielten Sie mehr Chopin, Debussy und Ravel.

Das gesamte Interview lesen Sie in Ausgabe 5-2018 von PIANONews.

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