Pianonews 04 / 2018

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Christian Zacharias

Pianist, Dirigent und Musik-Erzähler

Von: Anja Renczikowski

Er gilt als der Erzähler unter den Pianisten. „Man muss Musik sprechen“, so der 1950 geborene Christian Zacharias. Ein Widerspruch, mag man sofort einwenden, denn Musik soll doch klingen. Musik ist jedoch weit mehr für den Pianisten. Im Verlaufe seiner Karriere war es Christian Zacharias auch immer ein Anliegen, Musik verständlich zu machen, Zusammenhänge und Hintergründe aufzudecken und sie seinem Publikum nahe zu bringen.

Scheitern gehört dazu

Seine Laufbahn als Pianist begann – wie so viele andere – mit der Beobachtung seines Lehrers, dass da weit mehr Talent vorhanden war als bei vielen anderen Klavierschülern. „Bei meinen Eltern hat mein Musiklehrer damit geworben, dass ich sehr begabt sei“, so der Pianist, „im Alter von 11 oder 12 Jahren bin ich dann an die Musikhochschule in Karlsruhe gekommen. Erst als Gaststudent, später regulär eingeschrieben. Mit 14 Jahren habe ich die Barcarolle von Chopin gespielt und da merkte ich, dass die Leute aufmerksam wurden. Und ich wusste, nun muss ich mich anstrengen.“ Musik mochte er und interessierte sich für die Platten, die sein Vater von Geschäftsreisen mitbrachte. Als Ingenieur arbeitete er auch für längere Zeit in Indien, weshalb Christian Zacharias im indischen Jamshedpur zur Welt kam. Nach der Zeit an der Hochschule in Karlsruhe, wo er von Irene Slavin unterrichtet wurde, ging er nach Paris, um bei Vlado Perlemuter zu studieren. Mit Wettbewerbsgewinnen in den 1970er Jahren ging es mit seiner Karriere schnell aufwärts. „Es ist immer noch ein Ort um sich zu beweisen. Selbst wenn man nicht gewinnt, man muss sich vorbereiten.“ Auch das Scheitern betrachtet er als wichtige Lebenserfahrung. „Wenn man verliert, muss man das verdauen und das bringt einen wahrscheinlich noch weiter. Misserfolge und Rückschläge gehören zum Leben. Und es ist auch immer ein Moment, die ganze Sache zu überdenken.“ Zacharias selbst sieht sich als bestes Beispiel. 1969 errang er beim Concours de Genève den zweiten Platz. „Für mich war das der Ansporn weiter zu machen. Ich habe zwei Mal den zweiten Platz gewonnen. Dann war ich fünf Mal in der erste Rund draußen und zwei Mal im Semifinale, bis ich 1974 beim Van-Cliburn-Wettbewerb wieder Zweiter war und dann beim Ravel-Wettbewerb den ersten Preis gewonnen habe. Das war wichtig, denn erste Plätze lassen sich einfach besser und publikumswirksamer verkaufen.

Heute ist er selbst regelmäßig als Präsident der Jury und Dirigent bei den Wettbewerben Clara Haskil in Vevey und Geza Anda in Zürich tätig. „Das ist ein wenig wie Familie“, so Zacharias, der in England und in Lausanne zu Hause ist. „Dort werden auch keine Punkte vergeben wie beim Eislaufen. Das mag ich nicht. Wir reden miteinander und das ist die beste Methode.“

Erfolge mit Mozart, Beethoven und Schubert

1977 erhielt er für die Einspielung von Schubert-Sonaten dem „Deutschen Schallplattenpreis“ und wurde als „Nachwuchskünstler des Jahres“ ausgezeichnet. In den 1980er Jahren wurde er vor allem durch seine Interpretationen von Werken der Wiener Klassik bekannt, darunter Gesamtaufnahmen der Sonaten Mozarts und Schuberts sowie den Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven. Aber es gab auch immer wieder kleinere und größere Experimente. Seit den 1990ern entstanden diverse Filme mit Christian Zacharias: „Domenico Scarlatti in Sevilla“, „Robert Schumann – der Dichter spricht“ oder „Zwischen Bühne und Künstlerzimmer“ und „De B comme Beethoven à Z comme Zacharias“. 1995 erschien „Encore“ – eine Einspielung, die einem anderen wichtigen Komponisten in seinem Leben gewidmet ist. 20 Aufnahmen ein- und derselben Sonate von Domenico Scarlatti stellte er auf dieser CD nebeneinander, die Aufnahmen seines damaligen Lieblings-Zugabenstücks aus den Konzertsälen von Amsterdam bis Zürich. Die Idee entstand im Zusammenhang mit seiner Arbeit mit dem Künstler Peter Dreher, der seit Mitte der 1970er Jahre jedes Jahr mindestens 50 Bilder, die ein leeres Wasserglas auf weißer Tischfläche vor weißem Hintergrund zeigen, zeichnet. „Es war einfach auch ein Glück und ein Zufall, dass die Plattenfirma die Sachen alle archiviert und diese Idee unterstützt hat. Die Originalplatte ist ein Kunstwerk, deren Cover Peter Dreher entworfen hat. Diese Idee lässt sich nur auf einer Platte umsetzen. Es ist ein schönes Dokument.“ Dass in einer umfassenden Box mit vielen seiner Einspielungen eines französischen Labels auch diese Aufnahme mit dabei ist, freut ihn besonders.

Sprechen über Musik

Beredsam ist Christian Zacharias, der hochgewachsene Pianist, der sich trotz seines Alters einen jugendlichen Charme bewahrt hat. Er hat seine Ansichten und bleibt ihnen treu. „Das ist das Wichtigste. Egal ob man es sich irgendwann leisten kann oder nicht. Ich habe von Anfang an keine Kompromisse gemacht.“ Und er nennt Beispiele, etwa wenn eine Aufnahme oder Stücke besonderes erfolgreich waren und er gebeten wurde, doch vorerst nur dieses Repertoire zu spielen. Und es ist ihm wichtig, über Musik zu sprechen. Das Format der „Piano Lecture“ in der Essener Philharmonie im März 2018 oder auch ein ähnliches Format kurze Zeit vorher in Antwerpen scheinen für dieses Anliegen wie geschaffen. Hier kann Christian Zacharias weit über den musikalischen Vortrag hinausgehen, sein Publikum in seine ganz persönlichen Einsichten und Erkenntnisse zur Musik einweihen. Wenn die Zuhörer den ganzen ersten Konzertteil erst einmal keine Musik hören, sondern gebannt seinen Vortrag „Joseph Haydn, Schöpfung aus dem Nichts?“ verfolgen, dann muss er ein eloquenter Redner sein, der es versteht, seine Zuhörer zu fesseln. Dabei steigt er intensiv in die Materie ein, ohne dass sich das Publikum belehrt fühlt. Ein Quäntchen Ironie und Humor sind auch immer mit von der Partie. Zacharias versteht es, Ernsthaftigkeit und fundiertes Wissen verständlich und unterhaltsam zu vermitteln. „Es ist nicht immer leicht und nicht allen gefällt das. Und es wird von den Veranstaltern nicht so oft gewünscht. Aber es ist immer schön, wenn man die Leute auch anders erreichen kann.“

Im zweiten Teil des Konzerts folgt dann sein Programm, in dem er die Sonaten g-Moll Hob. XVI:44 und Es-Dur Hob. XVI:52 von Joseph Haydn mit der Französischen Suite Nr. 5 G-Dur BWV 816 von Johann Sebastian Bach kombiniert.

Das gesamte Gespräch lesen Sie in der Ausgabe 4-2018 von PIANONews.

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