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Liebe Klavierfreunde und -freundinnen

am 1. Februar erreichte uns die Meldung, dass Aldo Ciccolini, der große Pianist und Lehrer, verstorben ist. Das ist ein von viel zu wenigen Klavierenthusiasten beachteter Verlust. Denn mit ihm verliert die Klavierwelt einen weiteren Vertreter einer Generation von Künstlern, die eine Art von Weitblick und Wissen in sich trugen, die fast unwiederbringlich verloren scheint. Aldo Ciccolini war am 15. August 1925 in Neapel geboren und besuchte zuerst das Konservatorium seiner Heimatstadt, wo er auch schon bald ab 1947 als Lehrer zu unterrichten begann. 1949 gewann er den „Marguerite Long – Jacques Thibaud-Wettbewerb“ in Paris und blieb in der Folge dieses Wettbewerbs in Frankreich. Er machte vor allem mit seiner unvergleichlichen Interpretation französischen Repertoires von Satie, Debussy, Ravel und Saint-Saëns auf sich aufmerksam, was bewies, wie sehr er sich mit dem seiner neuen Heimat identifizierte.

Zwischen 1971 und 1989 unterrichtete er am Conservatoire in Paris. Dort faszinierte er seine zahlreichen Studenten vor allem mit seiner Intuition, mit seiner Warmherzigkeit und seiner Güte. Dabei vermochte er vor allem die Individualität seiner Studenten zu fördern, ohne jemals eine strikte Vorgabe für eine Interpretation zu befehlen. Seinen Werdegang und sein Denken hat er in diesem hier vorliegenden Buch niedergeschrieben. Doch die Frage, die im Raum stehenbliebt: Wie kann man das Erbe dieser großen Pianisten aufrecht erhalten? Nun, die Zeiten haben sich verändert, immer mehr junge Künstler streben auf die Bühnen, suchen nach ihren eigenen Ausdruckformen und nach neuen Ideen, sich einem Publikum in persönlicher Weise mit Werken der vergangenen Jahrhunderte zu präsentieren. Und gerade darin liegt die Veränderung: viele der jungen und jüngeren Künstler wollen vor allem sich und ihre Persönlichkeit präsentieren, denken aber zu wenig an das, wofür sie eigentlich auf die Bühne gehen – die Komponisten und ihre Werke einem Publikum darzubieten. Der Interpret steht heute vielfach im Vordergrund, nicht das Werk und der Komponist. Ciccolini war weit davon entfernt, sich in den Vordergrund zu stellen, wie viel Vertreter seiner Generation. Der Star-Kult der Pianisten hatte zwar schon seit langer Zeit eine Tradition, spätestens seit einem Horowitz oder einem Richter. Doch aufgrund der Ausbildung und dem Umfeld, in dem sich diese Künstler befanden, wurde der Kult um ihre Person nur aufgrund der Interpretationen, die sie lieferten möglich. Heute ist das Umfeld der Künstler oftmals gleich zu Beginn daran interessiert, die Person auf der Bühne in den Fokus zu stellen. Und das kommt dem Ego der meisten Künstler entgegen …

Diese Aussagen sollen nicht verurteilen, nur darauf aufmerksam machen, dass wir die Werke der Komponisten, deren Medium die Pianisten sind, nicht zu sehr in den Hintergrund gedrängt sehen dürfen. Natürlich muss man heute das Profil eines Künstlers schärfen, da es so viel mehr von ihnen gibt, als noch vor Jahrzehnten. Doch der Blick auf die Garde der großen alten Pianisten zeigt, dass sie ihr Profil über ihr Spiel schärfen konnten, nicht über die Zurschaustellung von Eigenwilligkeiten …

In diesem Sinne sollten wir das Gedenken an einen Pianisten wie Aldo Ciccolini aufrecht erhalten. Uns bleibt nur zu sagen: Am 1. Februar 2015 verlor die Welt nicht nur einen großartigen Musiker und Pianisten, sondern auch einen Humanisten und Vordenker wie ihn die Welt nur selten gesehen hat.

Liebe Klavierfreundinnen und Klavierfreunde,

wenn man sich einmal im Bekanntenkreis umhört, dann erkennt man immer wieder, dass einige der Bekannten „ganz früher einmal“ Klavierunterricht hatten. Allerdings haben sie das Klavierspiel (wegen des Lehrers, des Übens etc., es gibt Hunderte von Ausreden) aufgegeben. Seither sind sie nicht mehr zurückgekehrt. Warum ist das so? Nun, ich denke, dass es mehrere Gründe gibt: Zum einen gibt es tatsächlich die Möglichkeit, dass zwischen Lehrer und Schüler einfach nicht die passende „Chemie“ herrscht. Aber anstatt aufzugeben, sollte man sich nach einem anderen Lehrer umschauen. Auch das Üben ist ja nur dann eine Last, wenn der Lehrer (oder auch die Eltern) eine Art von Erwartungshaltung an den Schüler bzw. das Kind herantragen, die vielleicht oftmals einfach nicht der Realität entspricht und damit dann auch nicht zur Frustration führen muss, wenn man die Anforderung einfach der Realität, dem Wollen des Kindes (auch in Bezug auf die Literatur) anpasst.

Warum ich mir diese Gedanken mache? Nun, letztendlich sind die meisten, die dann das Klavierspiel aufgeben, vollkommen ohne klassische Musik in ihrem weiteren Leben aufgewachsen. Und das halte ich für tragisch. Denn die, die zumindest schon einmal den Bezug zu diesem Instrument und sogar zum eigenen Musizieren hatten, hatten die besten Voraussetzungen ihr Leben mit Musik zu bereichern. Und darüber muss man nicht diskutieren, dass Musik in jedem Fall das Leben bereichert, die Musizierenden und die mir Musik Lebenden fröhlicher, ausgeglichener … zufriedener werden lassen. Und ist es nicht von vielen anderen genau dieses Ziel, was sie anstreben?

Gerade die Anforderungen an die Schüler in unserem Schulsystem sind fragwürdig, denn man belastet sie unnötig, und vergisst dabei, dass sie ihren eigentlichen Neigungen kaum mehr nachgehen können, oder sie überhaupt erst herausfinden. Die Konsequenz wird auf Dauer sein, dass es immer weniger junge Menschen gibt, die – nach vielleicht anfänglichem Enthusiasmus – ihr Hobby aufgeben … und das ist oftmals auch das Musizieren. Und dabei verstehen diejenigen, die diese Aufgabe einfach hinnehmen, als gegebene Notwendigkeit für das vermeintlich Wichtigere akzeptieren, dass dadurch auch die Zukunft weithin an Musik verarmt. Denn wer kaum mit Musik umgeht, oder sie selbst ausübt, wird auch kein Vorbild für die Kinder sein, die derjenige selbst einmal hat. Und so platzt sich diese „Musiklosigkeit“ fort. Und da wissen die Orchester oder die Konzertserien in Deutschland nicht genau, warum so wenige Jugendliche in Konzerte gehen? Genau aus diesen Gründen!

Dass Kultur – und die Musik im Besonderen, wenn es um die die sogenannten E-Musik geht – heute kaum mehr von den Massenmedien, von der Politik oder von anderen einflussreichen Lobbys als wichtig, oder gar dringend notwendig angesehen wird, steht beim momentanen Stand der Hilfe, der Subvention und des Aktionismus im Bereich der Musikausbildung außer Frage. Aber das bedeutet nicht, dass nicht jeder Einzelne etwas dagegen tun kann: in Grundschulen, in Kindergärten, in der Bekanntschaft … genau dort eben, wo die Grundlage des Musiklandes Deutschland liegt: im Privaten Bereich, der einmal so stark und groß war und auf dessen Grundlage sich Komponisten und große Interpreten entwickeln konnten. Und vielleicht sollten wir uns selbst einmal fragen, ob wir nicht im kommenden Jahr etwas tun wollen, um die Musik wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört: in die Herzen der Kinder, in die privaten vier Räume …

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frühes Weihnachtsfest 2014 und einen wunderbaren Jahreswechsel mit viel Klaviermusik … Ihr

Carsten Dürer

Liebe Klavierliebhaber(innen),

vor kurzem war ich in einem Konzert mit Kindern, die sich und ihre jüngsten Werke präsentierten – ein

typischer Vorspielabend mit denen, die zwischen einem und mehreren Jahren Klavierunterricht hatten. Neben

den typischen Werken aus Unterrichtsbänden, war vor allem eines festzustellen: Die Schüler, die ein wenig

länger Klavier spielen, waren angetan und anscheinend emotional stark in Werke involviert, die heutzutage zu

den Verkaufsschlagern gehören, solche von Ludovico Einaudi, Yiruma, Clint Mansell und anderen. Wie soll man

dies bewerten, diese Musik, die leicht fließend, mit extrem simplen Bass-Begleitfiguren und harmonisch

vorhersehbaren Wechseln dahinfließen, und kaum mehr als eine leicht kitschige Aussage hervorbringen? Wir

wissen, dass gerade „Komponisten“ wie Einaudi, Giovanni Allevi oder andere mittlerweile zu wahren

Verkaufsschlagern, nicht nur in Bezug auf die Notenwaren, sondern auch bei CD-Einspielungen. Wie ist das

möglich? Denn immerhin handelt es sich hier zum Teil um wirklich wenig engagierte, kaum differenzierte oder

dramatische Musik, wie sie beispielsweise die großen Komponisten der Klassik und Romantik mit all den in

einem Werk vereinten Facetten bieten?
Nun, die Antworten sind sicherlich mannigfaltig – und vielleicht auch ein Abbild der gesellschaftlich-

emotionalen Zustände unserer Jugend und deer jungen Erwachsenen. Ist es nicht eine Sehnsucht nach in neuer

Musik ausgedrückten Gefühlen, die sofort verstanden und rezipiert werden können? Dieses schnelle und

einfache Verständnis für die Inhalte der Musik, die gespielt werden soll, ist wichtig, denke ich, denn

immerhin haben wir es mit einer Generation zu tun, die es gewohnt ist, dass sie – denken wir nur einmal an

die Smartphones, Computer und Tablets, die heute wie selbstverständlich genutzt werden – über Apps und

einfachste Applikationen einen schnellen und einfachen Zugang zu Inhalten erhält. Ein langwieriges

Erarbeiten von Inhalten und ein langer Prozess für ein Verstehen, ist für die meisten Jüngeren kein

Selbstverständnis mehr. Und da kommen nun die Komponisten, die genau dieses Bedürfnis befriedigen, die nicht

wie Beethoven oder Schumann erst nach einer längeren Phase ihre Inhalte dem Nutzer, also dem Klavierspieler

freigeben. Doch bedeutet dies nicht auch ein Aufgeben kultureller historischer Inhalte und Güter?
Nein, ich will hier nicht die Musik von Einaudi und Kollegen verurteilen, sie hat in jedem Fall ihre

Berechtigung! Aber ist sie wirklich dazu geeignet, junge Menschen, die sich mit Musik intensiver gewillt

sind zu beschäftigen, auf längere Sicht für Musik zu interessieren. Letztendlich – wenn man diese Musik ein

wenig analysiert – wird deutlich, dass die Einflüsse aus dem Pop-Bereich in dieser Musik überdeutlich Einzug

gehalten haben. Dies spricht für die Verflachung in der sogenannten Klassik, also der „E-Musik“ und eine Art

von Überschneidung der Genres.
Ein weiterer Grund ist vielleicht auch in der Musik zu finden, die als „Neue Musik“ nach dem Zweiten

Weltkrieg entstanden ist, der Musik, die bei den Darmstädter Ferienkursen oder dem Festival in

Donaueschingen ihre prägnantesten Auswirkungen fand. Es war eine Musik, die allein konstruktiv versuchte

sich von der Musik der Diktatoren der europäischen Länder zu unterscheiden und Neuland zu betreten. Aber sie

war auch stark am Emotionsgehalt des Publikums vorbeigeschrieben. Daher ist die heutige Musik der oben

genannten Musikschaffer, die zumeist ja zudem auch Spieler ihrer eigenen Musik sind, als eine Gegenströmung

zu sehen. Zudem nutzen sie die modernen Marketinginstrumente, um sich in Szene zu setzen. Erstaunlich nur

ist, dass sie – nachdem zuvor vor allem ein Publikum fernab von der Klassik diese Musik als ihre annahm –

nun auch Einzug in den sogenannten „klassischen Klavierunterricht“ hält und auf Bühnen präsentiert wird, auf

denen im selben Atemzug Diabelli, Chopin oder Beethoven erklingt. Ich bin dafür, dass die jungen Spieler

Musik spielen, die sie mögen, die ihnen etwas sagt – immer noch besser, als wenn sie nur murrend ans

Instrument gehen und ungern spielen, was ihnen gesagt wird. Aber es wird schwer sein, sie davon zu

überzeugen, dass die seit Jahrhunderten so geschätzten Komponisten dann doch mehr zu sagen und zu geben

haben mit ihren Werken, wenn sich die Welt von Michael Nyman, Einaudi und Kollegen erst einmal festgesetzt

hat.
Was kann man tun? Nun, man sollte zumindest einmal manifestieren, dass es eine Musik eines anderen Genres

ist, das kurzfristig schön und nett ist, aber über die Jahre leicht austauschbar wird. Das zeigt schon die

Ähnlichkeit der Werke von oben genannten Komponisten. Gerade in Asien gibt es eine riesige Szene von

Komponisten, die in diesem Stil schreiben – kaum mehr in einem Stil, der persönlich genannt werden könnte,

zu unterscheiden.
Ist es eine neuartige und im ursprünglichen Sinne des Begriffs falsch verstandene Romantik, die da bei den

jungen Menschen zum Vorschein kommt? Nun, sicherlich sind die jungen Menschen von heute stärker verunsichert

von Politik, Gesellschaft, Unruhen und so weiter. Sie sehnen sich wieder nach Stabilität und Werten, die

noch von ihren Großeltern oder ihren Urgroßeltern aufrecht erhalten wurden: Familie, Stabilität im Beruf,

etc. Damit einhergehend lässt sich die Hinwendung zu dieser vordergründig so emotionalen Musikverstehen,

denn sie drückt das aus, was man zu finden erhofft: liebliche Aussagen, gekoppelt mit leichten und

eingängigen Themen, die einfachste Gefühle wiedergeben.
Es gibt sicherlich viele andere Erklärungen für die große Verbreitung dieser Art von Musik, die immense

Zunahme von Menschen, die auf diese Weise Musik schreiben. Aber man sollte sie nicht negieren, ihr nicht

leichtfertig das Feld gegen die großen Klassiker und Romantiker überlassen, die uns über Jahrhunderte

emotional zu bewegen in der Lage waren.
Das einzig erfreuliche in dem genannten Konzert mit Kindern: Als dann ein Nocturne von Chopin erklang,

zeigte sich, dass die Zuhörer in dieser Musik eintauchten, sie nachschwingen lassen konnten, ihr sofort

verfielen, ohne vielleicht überhaupt – als Eltern der Auftretenden – einen vorheriges Wissen über diese

Musik zu haben. Man sieht: genau dies macht die Größe, die Bedeutung und die wirkliche emotionale Tiefe der

großen Meister vergangener Zeiten aus. Und diese wird bestehen blieben, das werden auch die jungen

Klavierspieler erkennen müssen, wenn sie denn – nach den Erfahrungen der kurzfristig interessanten Musik der

„neuen Romantik“ – bei dem Klavierspiel blieben werden.

Ihr PIANONews-Team

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

man spürt es allerorten: Es findet ein Generationswechsel statt, der es in sich hat. Natürlich sind

Generationswechsel seit Menschengedenken immer an der Tagesordnung, aber seit der Zeit, die dem Zweiten

Weltkrieg folgte, gab es derer nicht allzu viele. Lange noch haben (und tun dies auch heute noch) Pianisten

aus der Generation, die noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geboren wurden, die Bühnen der Welt

dominiert. Großartige Musiker, die wir alle zum großen Teil heute als Helden verehren. Danach folgte eine

Generation, die sich nur zu einem Teil den Bühnen allein widmeten, sondern die erkannte, dass sie das

Gewesene, das Erlebte und das Wissen an eine jungen Generation weitergeben sollte: zahlreiche Pianisten

wurden zu Professoren, oftmals zu solchen, die sich aufgrund ihrer Lehrtätigkeit vom Podium fast gänzlich

zurückzogen. Diese Generation von Professoren war stark aktiv im Geben von Kursen und im Initiieren von

Klavierwettbewerben. Nach und nach beherrschten diese Professoren einen großen Teil der Klavierszene. Es war

eine internationale Gruppe, die sich gegenseitig einlud, die sich aufgrund der Erfolge ihrer Schüler in

Bedeutungssphären aufschwang, in die eigentlich nur die Pianisten auf den internationalen Bühnen gehörten.
Mittlerweile ist diese Generation gealtert, sind von ihren Professuren oftmals aufgrund des Alters

erimitiert, geben nur noch wenige Kurse. Zwar lebt dauert ihr Ruhm noch an – und das ist auch richtig so,

haben sie doch viele großartige junge Pianisten das Klavierspiel gelehrt. Es ist eine neue Generation im

Anmarsch. Es gibt neue, jüngere Verantwortlichen für die Klavierwettbewerbe. Und die haben längst erkannt,

dass sie sich in der heutzutage so reichen Wettbewerbslandschaft kaum mehr profilieren können, wenn sie die

immer gleichen Professoren in aller Welt in die Jury einladen. Vermehrt versucht man nun auch auftretende

Pianisten in die Jurys zu beordern. Und auch die Kurslandschaft hat erkannt, dass man mit den immer gleichen

Namen nichtzwangsläufig Studenten aus aller Welt anzieht. Es ist ein Umbruch, der da gerade vor sich geht,

einer, der auch die Vielfalt innerhalb der Klavierlandschaft beflügelt, denn durch neue, unterschiedliche

Einflüsse und Meinungen werden auch junge Künstler entdeckt, die vor den Ohren der vorherigen Generation

vielleicht aufgrund bestimmter, gefestigter Meinungsbilder keine Chance gehabt hätten, entdeckt zu werden.
Die Ideen, die diese neue und jüngere Generation mit sich bringt, gebiert neue Ideen, macht aus dem Klavier

keinen Zirkus, aber lässt eine breitere Öffentlichkeit teilhaben an Erlebnissen des Klavierspiels, die es

bislang auf diese Weise nicht gab.
Während sich auf den Bühnen dieser Generationswechsel schon längst vollzogen hat und auch die „unbequemen“,

die „eigenwilligen“ Jungpianisten eine Chance erhalten, ihr Können darzustellen, findet der Umbruch in der

Klavierwelt abseits der öffentlichen Bühnen erst jetzt statt. Dadurch entsteht eine neue Dynamik in der

Klavierlandschaft, die zu beobachten spannend und facettenreich ist.

Beste Grüße von

Ihrem

PIANONews-Team

Liebe Klavierliebhaberinnen und Klavierliebhaber,

immer wieder liest man von Hybrid-Klavieren (oder im eingedeutschten Englisch auch immer wieder Hybrid-

Pianos) und stellt sich unweigerlich die Fragte, was das eigentlich bedeutet. Denn letztendlich ist der

Begriff „Klavier“ unweigerlich mit einem akustischen und damit auch einem deutlich definierten Hintergrund

belegt. Dieser Begriff ist natürlich Deutsch und stammt – wie die meisten wissen – von dem Wort „Claves“ ab,

was nichts anderes als „Taste“ meinte. Also ist das Klavier ein akustisches Tasteninstrument. „Hybrid“

bedeutet „Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes“. Der Begriff selbst stammt vom lateinischen „Hybrida“ ab

und bedeutet „Mischling“. In anderen, vor allem technischen Bereichen, haben wir diesen Begriff längst als

gegeben hingenommen. So im Automobil-Sektor, wo Brennstoffmotoren mit elektrischem Antrieb vermischt werden.

Oder in der Energiegewinnung, wo Wind- und Sonnenergie gekoppelt auftreten. Selbst vermischte Verbindungen

aus unterschiedlichen Kunststoffen und Metallen nehmen wir als „normal“ hin.

Nun kommen aber Instrumenten-Hersteller seit dem Zeitalter der Digitalisierung immer wieder auf die Idee,

das akustische Klavier mit einem digitalen zu verbinden. Warum dies? Nun, zum einen sind die Vorteile für

den Gebrauch von digitalen Klavieren längst klar: Spielen über Kopfhörer, vielfache Möglichkeiten von

weiteren digitalen Klängen im Instrument, das Aufnehmen des Gespielten, etc. Schon lange gibt es allerdings

Verbindungen von dieser Art digitaler Klaviere mit akustischen. Schon 1987 hatte man bei dem deutschen

Klavierhersteller Seiler in Kitzingen das Patent entwickelt, dass man ein akustisches Klavier mit einem

elektrischen Klavier verbindet und hat mit diesem „DuoVox“-System die erste heute als Silent-Funktion

kreiert, bei der die Hammerstile mit einer Stopperleiste aufgehalten werden, bevor sie auf die Saiten

treffen, und zeitgleich erklingt das elektrische Klavier. Die Silent-Pianos waren geboren worden, die sich

heute besser denn jemals zuvor verkaufen.

Doch eigenwilligerweise – wie man schon an der Namensgebung erkennt – sprechen die Hersteller in diesem

Bereich nicht von Hybrid-Instrumenten. Vielmehr ist dieser Begriff von den Herstellern der digitalen

Klaviere eingeführt worden. Kawai hat früh ein Digital-Piano vorgestellt, das neben einer vollständigen

Mechanik eines akustischen Klaviers auch ein aufwendiges Gehäuse aufwies, über das der Klang transportiert

wurde. Doch unter Hybrid-Instrumenten versteht man grundsätzlich vor allem Digital-Pianos mit kleinen

Eigenschaften des akustischen Instruments, also solche, die eine Mechanik oder einen Resonanzboden vom

akustischen Bruder übernehmen. Das ist wirklich eigenartig, denn die genannten Silent-Instrumente sind weit

mehr hybride „Mischlinge“. Oder auch die Idee des AudioForte von Schimmel und nun dem TansAcoustic-Piano,

bei dem mittels elektronische Elemente der Resonanzboden eines akustischen Instruments als Schallkörper für

digital gespeicherte Klänge genutzt wird, ist ein wirklich hybrides Instrument. Warum also nennt man sie

nicht so?

Nun, wahrscheinlich sind alle Hersteller daran interessiert, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben und daher

entwickeln sie eigene Namen für diese Art von Verbindungen. Aber das, was heutzutage als Hybrid-Instrumente

bezeichnet wird, sind mehr digitale, als wirklich gute hybride Instrumente.

Sicherlich sind wir noch lange nicht am Ende der Mischungen, denn die Hifi-Industrie wurde bislang nur zu

einem kleineren Teil in die Entwicklung und Vermischung integriert … und auch die sich schnell

weiterentwickelnde Computertechnologie bietet immer wieder neue Möglichkeiten, interessante Eigenschaften

mit dem akustischen Instrument zu verbinden. Was aber letztendlich immer gleich bleibt: Der akustische Teil

der echten Hybrid-Instrumente, denn dieser ist fast seit Jahrhunderten in ihren Grund-Techniken wirklich

gleich geblieben.

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

als Verleger eines Klaviermagazins im deutschsprachigen Raum beobachten wir auch immer, was sich in der Welt

der Musikmagazine vornehmlich mit klassischer Ausrichtung so tut. Im reinen Klavier-Magazin-Bereich gibt es

gar nicht mehr so viele in der westlichen Welt. Neben „Piano International“, „Pianist“ in Frankreich und in

Großbritannien, „Piano“ in Russland und „Pianowereld“ in den Niederlanden (und dort auch auch ab sofort

„Pianist“) gibt es keine reinen Klaviermagazine mehr. Allerdings nimmt die Flut an kostenlosen

Klaviermagazinen zu – als Printmedien sowie als Online-Magazine im Internet. Bei genauem Hinsehen erkennt

man aber bald schon, dass diese Magazine vor allem eines im Blick haben: das Geldverdienen. Kaum einem der

Magazine nimmt man die Liebe für die Musik noch ab, wenn man immer und überall die von der Musikindustrie

vorgegebenen Sternchen und „Stars“ in allen Magazinen gleichzeitig findet. Das erschreckt und ist auch etwas

langweilig, finden wir.

Überhaupt: Was ist mit dem guten alten Musik-Journalismus? Nicht, dass wir für uns glauben, dass wir schon

auf dem höchsten Niveau angelangt sind, dass wir nicht etwa immer noch etwas verbessern können in unseren

Publikationen … Aber ist es nicht ein wenig absurd, dass viele Online-Plattformen mittlerweile dazu

aufrufen, dass die Käufer von CDs oder die Besucher von Konzerten, Kritiken verfassen, die dann eine Art von

scheinbar objektiver Meinung darstellt? Was kann man vom Musik-Journalismus heutzutage verlangen? Nun, vor

allem das Hintergrundwissen und den Enthusiasmus für das Thema Musik – und in unserem Falle das Thema

Klavier und Klaviermusik im Besonderen. Die Autoren, die für PIANONews schreiben, bringen diese Liebe für

diese Musik mit und sind allesamt erfahrene Musiker, Musikwissenschaftler und haben eine lange Erfahrung mit

Musik-Journalismus. Ist es nicht das, worum es geht? Das bedeutet nicht, dass man (weder als Chef-Redakteur,

noch als Leser) immer derselben Meinung des jeweiligen Mitarbeiters sein muss. Aber gerade die Vielfalt an

Meinungen, schonungslos, frei von Vorschriften und mit dem Vertrauen auf Hintergrundwissen und Erfahrung

macht ein Magazin doch erst spannend und lesenswert.

Sind wir einmal ehrlich: Vertrauen in die objektivierte Subjektivität eines Journalisten bringt die Essenz

im Musik-Journalismus.

Dass die Industrieunternehmen immer stärker (und dies nicht nur in der Musikindustrie) Einfluss auf den

Inhalt journalistischer Produkte nehmen (oder nehmen wollen), ist wohl jedem klar. Abhängigkeiten bestehen

immer, aber man muss den schmalen Grad zwischen freier Meinung und Abhängigkeit wahren, damit man nicht

Gefahr läuft als Sprachrohr der Industrie zu enden. Und genau darin sehen wir als Magazin unsere Aufgabe.

Und genau das sollten unsere Leser auch von uns verlangen: Ehrlichkeit und Hingabe. Dass dabei Kritik geübt

werden soll und darf an dem, was wir machen, ist eine Selbstverständlichkeit für uns.

Aber man sollte nachdenken, was guter Journalismus auch in der Musik heutzutage noch wert ist und wo man ihn

findet. Nur das kann auf Dauer das Kulturgut Musik-Journalismus aufrecht erhalten.

Wenn Sie anderer Meinung sind, sind wir offen für Anregungen, Kritik und auch andere Meinungen.

Ihre PIANONews-Redaktion

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

immer wieder kommt es vor – und irgendwie immer häufiger –, dass seitens Lehrern an Musikhochschulen sich darüber beklagen, dass so wenig gute Talente aus Deutschland Eingang in die Klassen an den Musikhochschulen finden. Das ist nicht fremdenfeindlich gemeint, sondern mit einem großen Fragezeichen versehen. Denn warum sind ausgerechnet aus dem Land, in dem die Musik eine solche Tradition hat kaum deutsche Nachwuchstalente zu finden – gerade auch im Klavierbereich.Nun, das hat sicherlich unterschiedliche Gründe. Zum einen ist die antiautoritäre Erziehung, die schon in den 60er Jahren ihren Ursprung fand, einer der Gründe. Immerhin waren nur wenige Eltern gewillt, ihren Kindern das Musizieren aufzuzwingen. Im Nachkriegs-Wirtschaftswunder wollte man den Kindern alle Optionen offen lassen, wollte auf sie hören, ihren Willen akzeptieren. Und das Klavierspiel erfordert nun einmal viel Disziplin und ist auch immer verbunden mit viel Mühe, die zeitweise einen klaren elterlichen Antrieb braucht (Ausnahmen bestätigen immer die Regel). Zudem hatten die Eltern nie – wie dies in Russland oder heute in China der Fall ist – viel aufopfern müssen, um ihren Kindern Musikunterricht ermöglichen zu können, so dass der Druck auf den Kindern ungleich niedriger war. Auf der anderen Seite hatte der Musikerberuf bald schon einen Nimbus der brotlosen Kunst. Noch heute werden oftmals junge Künstler nach einem Konzert gefragt, wovon sie eigentlich leben … Dies war in anderen Ländern in diesem Ausmaß niemals der Fall. In Russland hatte der Musiker einen ebenso guten Status wie andere Berufe. Das Gleiche gilt in Asien. Entsprechend kommen viele Studenten mit großartiger Grundausbildung nach Deutschland, dem Land der großen Musiktradition, um hier zu studieren. Dass bei Eintritt in eine Musikhochschule die Staatsangehörigkeit keine Rolle spielen darf, ist sicherlich absolut sinnvoll, denn bei einer Aufnahmeprüfung gilt das Können – nichts weiter.Aber: Wenn die Studenten in Deutschland schon in den Genuss einer fast kostenfreien Ausbildung kommen – im Vergleich zu fast allen anderen europäischen Ländern – dann sollte man doch darüber nachdenken, ob es in Ordnung ist, dass die meisten nach dem Studienabschluss nicht auch für eine Zeit versuchen, der Gesellschaft, der sie dieses Studium zu verdanken haben, etwas zurückgeben. Natürlich ist dies sehr profan und positiv ausgedrückt, denn nicht alle haben die Chance, ihr Leben mit der Musik zu bestreiten. Aber manches Mal stimmt es schon traurig, wenn man sieht, dass Talente, die ihren Abschluss in Deutschland gemacht haben, gleich danach wieder in ihre Heimat zurückkehren, mit dem guten und hoch angesehenen Abschluss, der ihnen zu Hause bessere Möglichkeiten offenbart.Dies sollte vielleicht geregelt werden, dies sollte auch politisch nachdenklich stimmen, denn wenn die Chancen für junge Pianisten in Deutschland mittels Förderung besser wären, würde sich die Ausbildung, die von der Gemeinschaft getragen wird, auch für die Gemeinschaft lohnen. Und sicherlich würden viele gerne in Deutschland bleiben, wenn sie Chancen für ein Leben mit der Musik sehen würden und ihr Ansehen besser wäre.Daran sollten wir alle arbeiten: Die Chancen für junge Musiker, egal welcher Nationalität, zu verbessern und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie einen Schatz für die Gesellscahft darstellen.

Ihr

PIANONews-Team

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