Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

wir kennen das alle: Es gibt Momente, da benötigt man kein Hintergrundwissen, keine genauen Anleitungen und dennoch kann man ein Klavierstück sofort erfassen. Es spricht geradezu zu einem, man weiß genau, wie man es zu spielen hat. Das ist extrem selten der Fall, vor allem, wenn man bereits im Erwachsenenalter ist. Bei Kindern erkennen wir dies allerdings weitaus häufiger. Kinder – noch unvorbelastet von vielen äußeren Einflüssen – nehmen Dinge in ihrer Umgebung oftmals intuitiv auf. Und auch beim Klavierspiel geschieht dies. Voraussetzung sind natürlich gewisse technische Grundlagen, um Musik auf dem Klavier darstellen zu können. Aber dann ist es oftmals erstaunlich, dass Kinder bereits im Alter von 10 Jahren die komplexesten Werke so zu spielen vermögen, wie man sie sich vorstellt, dass sie zu klingen haben. Warum ist diese Fähigkeit im Alter nicht mehr möglich?
Schon bei Jugendlichen, die den Wunsch haben, sich vor einem Zuhörer (oder gleich auf einer Bühne) zu produzieren, ist es anders: Oftmals hört man geradezu, dass der eigene Anspruch des Gelingens, die Obsession, sich selbst zu beweisen, diese nur etwas älteren daran hindert, dieselbe intuitive Freiheit und Fantasie am Instrument zu produzieren, wozu dieselben Spieler vielleicht noch vor einigen Jahren selbst in der Lage waren. Das Wissen, der selbstauferlegte Druck alles „richtig“ zu spielen, wird zu einem Hemmnis. Das ist wirklich schade, denn wenn wir uns die kindliche Unbefangenheit bewahren können, dann erfassen wir auch die Werke von Komponisten vielleicht natürlicher und einfacher als wenn wir dann beginnen, mit all unserem Wissen um die Hintergründe, mit all unserer Erfahrung, diese Werke von großen Pianisten gehört zu haben, einen zu starken Druck auf uns selbst aufzubauen. Das Spielerische geht verloren. Doch genau dieses Moment ist es, was den Spaß am Klavierspiel – vor allem auch für die sogenannten Amateure – ausmachen sollte. Man sollte spielerisch an die Musik herangehen, gleichgültig ob die Trefferquote der Noten nun gleich hoch ist oder nicht. Denn man muss sich doch gerade in den eigenen vier Wänden nicht wirklich etwas beweisen, oder? Wenn wir die Musik spielerisch angehen, wenn wir nicht erst versuchen, alles über einen Komponisten und seine Lebens- und Arbeitsumstände zu erfahren, können wir viel unbefangener an die Musik herangehen. Wenn dieses Moment erst einmal gelungen ist, dann können wir einige Schritte weitergehen, können – um das Werk in seiner Tiefe besser auszuloten – lesen und mehr Wissen in das Spiel einfließen lassen. Aber davor steht das Empfinden, das ursächliche „Verstehen“ der musikalischen Aussage, die oftmals weniger verkopft ist, als man sich das im Allgemeinen vorstellt.
Denn die Frage, die sich stellt, ist ja auch: Wollten die meisten Komponisten wirklich immer tiefe Dinge zum Ausdruck gebracht wissen mit ihrer Musik, oder wollten sie vielleicht vielmehr unterhalten oder die Spieler mit dem Niedergeschriebenen emotional bewegen? Oftmals ist es nämlich genau dies: die Musik soll die Empfindungen der Spieler ebenso wie die der Zuhörer direkt und unverhohlen ansprechen. Wenn wir uns dies immer wieder einmal vor Augen führen, wenn wir Musikstücken unvoreingenommen begegnen, dann wird der Zugang wieder auf eine bestimmte Art und Weise kindlich und wir erfassen die Musik intuitiv – und damit auch leichter in ihrer oftmals einfachen Schönheit.

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