Gedanken rund um die ElbphilharmonieNun ist es also vollbracht, die Elbphilharmonie als einer der teuersten Konzertsäle überhaupt, konnte im vergangenen Monat eröffnen. Nun wird geredet über die Akustik, über die Architektur, über alles, nur nicht wirklich darüber, wie der Klang für ein Klavier sich in dem Saal mit 2100 Plätzen und von dem mittlerweile weltweit agierenden auf Konzertsäle spezialisierten Akustik-Guru Yasuhisa Toyota entwickelten Saal anhören wird. Mitsuko Uchida hat die Konzertflügel für die Elbphilharmonie ausgesucht – ok, es sind ausschließlich Steinway & Sons-Flügel der Größe D. Ein paar andere stehen dann auch im Gebäude, aber der Hamburger Hersteller, der weltweit die Vorherrschaft auf den Konzertbühnen hat, war wohl einfach auch „näher dran“ an der Elbphilharmonie. Es wird sich zeigen, wie dieser Saal mit einem Flügel allein klingt. Auch in anderen Konzertsälen, die akustisch brillant geplant sind, hat man später erkennen müssen, dass ein Flügel nicht wirklich so gut seine Kraft im ganzen Saal entfalten kann. Beispielsweise in der Philharmonie in Essen, wo der Klang des Flügels über die Zuhörer, die etwas weiter oben sitzen, ein wenig hinweggeht. Natürlich hört man das Instrument noch. Aber gemeinsam mit einem Orchester wird der Solist oftmals überdeckt, es sei denn, man sitzt in den ersten fünf Reihen.
Toyota hat auch die Musikhalle in Helsinkis „Music Center“ nach dem Weinberg-Prinzip konzipiert. Und auch dort gestaltet sich letztendlich die Akustik als „zu perfekt“: man hört jegliches Geräusch aus allen Ecken, der Saal ist klanglich transparent, aber für Pianisten fast zu brutal transparent, denn man hört einfach auch alle Nebengeräusche des Atmens, des Pedal etc. Und natürlich hört auch der Musiker auf der Bühne alles, was sich im Saal tut, jeden Handtaschen-Reißverschluss, jedes Rascheln mit dem Konzertprogramm. Ähnliches ist auch in der Elbphilharmonie gegeben. Ist das sinnvoll? Ist es überhaupt wichtig, dass man eine neue Architektur entwickelt, wenn man sich die Säle wie den Wiener Musikverein, die Historische Stadthalle in Wuppertal oder andere Säle anschaut, die akustisch zu den besten in der Welt gehören? Nun, man will natürlich mehr Zuhörer unterbringen, ohne dass sie zu weit weg von der Bühne sitzen, wodurch das „Schuhkarton“-Prinzip obsolet wird. Dennoch stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, solche großen Säle zu bauen.
Der kleine Saal der Elbphilharmonie allerdings ist anders. Bei der Eröffnung am 12. Januar 2017 bot das Ensemble Resonanz ein interessantes Programm. Neben einer wunderbaren Uraufführung des für diesen Anlass komponierten Werks des österreichischem Komponisten Georg Friedrich Haas, konfrontierte das Ensemble das Publikum mit den „Sieben letzten Liedern“ von Alban Berg und der „Musik für Streichorchester, Schlagzeug und Celesta“ von Béla Bartók. Der Saal hat konvexe Einkerbungen aus Holz in den Seitenwänden und klingt gut, intim … aber auch etwas trocken, fast zu brutal für die Musiker, die sich hinter keinerlei Hall sicherfühlen können. Der Flügel in diesem Saal (bei Bartóks Musik) klang allerdings etwas fad und matt und keinerlei Klangpotenzial entwickeln. Das ist schade. Und man wird sehen, wie die geplanten solo Klavierabende sich in diesem Saal machen werden.
Sicher ist eines: Jedes Mal, wenn ein neuer Konzertsaal in Deutschland eröffnet wird, sollte man sich freuen, überschäumen vor Enthusiasmus. Denn jeder Saal gibt neue Möglichkeiten, findet neue Zuhörer und neue Freunde – auch der Klaviermusik. Und das kann man nur gut heißen!

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