Liebe Klavierenthusiastinnen und Klavierenthusiasten,

es gibt eine Tendenz, die es in der Klavierbaugeschichte immer gab, die aber heutzutage ganz andere Auswirkungen hat als es in früheren Zeiten der Fall war. Ich spreche hier von Innovationsgeist und neuartigen Idee, die sich im Klavierbau immer mehr in Form von handgearbeiteten großen Konzertflügeln niederschlagen.
Natürlich sieht man als erstes immer die Namen der Firmen, die es lange gibt, die zahllose Instrumente gebaut haben und deren Name (auch aufgrund von Marketing) auf den Bühnen zu finden sind: Steinway & Sons, Yamaha, Kawai, Bösendorfer, Bechstein und so fort. Es sind traditionsreiche Unternehmen, die natürlich beständig Neuerungen im Klavierbau einführen, die aber aufgrund der Stückzahl und der langjährigen Konstruktionsweise nur langsam zu wirklichen konstruktiven Neuerungen führen. Das versteht man, auch wenn gesagt werden muss, dass keines dieser genannten Unternehmen jemals „stehen bleibt“ im Klavierbau.
Doch es gibt die ganz kleinen Unternehmer, die sich aufgrund von Erfahrungen, als Pianisten oder als Klavierbauer, mit alternativen Konstruktionsweisen beschäftigen. Und es ist bemerkenswert, dass einige parallel ähnliche Ideen haben, sie aber dennoch vollkommen individuell ausführen.
Da ist beispielsweise Wayne Stuart, der in Europa immer noch so gut wie unbekannt ist, da er seit 2001 nur wenige handgefertigte Flügel baut, weit weg – in Australien. Er baut einfach alles selbst, gießt sogar die Gussplattenrahmen seiner Flügel selbst – eine Ausnahmeerscheinung. Er hat eine vollkommen andere Konstruktion, mit Klemmagraffen, gerade Saiten in den Instrumenten, eigene Saiten und so weiter. Das Ganze ist aber vor allem handwerklich so faszinierend ausgeführt, dass es allein schon eine Freude ist, diese Instrumente anzuschauen.
Der französische Pianist Stephen Paulello hat sich vor vielen Jahren darangemacht, seinen eigenen Konzertflügel in der Garage seines südlich von Paris gelegenen Landhauses zu bauen. Auch er experimentierte mit Klemmagraffen und grader Besaitung seiner Flügel. Und auch er entwickelte seine eigenen Saiten, die er auch anderen Herstellern anbietet. Mittlerweile hat er, gemeinsam mit seiner Frau, eine Kleinproduktion aufgebaut und entwickelt einen neuen Flügel nach dem anderen. Seine Instrumente leben vor allem von einem riesigen Klang, der in jeder Nuance kontrollierbar und zudem sehr farbenreich ist. Das letzte Meisterstück, das er ablieferte war der „Opus 102“, ein Konzertflügel mit nicht weniger als 102 Tasten, gerader Besaitung und vielen neuen Details (s. Ausgabe 2-2016 von PIANONews).
Dann gibt es die Phoenix-Pianos, die von dem Musikliebhaber Richard Dain entwickelt wurden. Er forschte auf seiner Hurstwood Farm in der Grafschaft Kent in Großbritannien lange Zeit mit unterschiedlichen Materialien und brachte dann in Zusammenarbeit mit dem Klavierbauunternehmen Steingraeber & Söhne die Phoenix-Pianos auf den Markt, die vor allem mit einem Resonanzboden aus Karbon und einer auf Karbon basierten Mechanik (ähnlich der Idee der Millenium-Mechanik in den Kawai-Flügeln) als Innovation aufwartet.
Als Auftragnehmer für die Innovation in einem Flügel, der Schlagzeilen machte, ist der von dem belgischen Klavierbauer Chris Maene im Auftrag von Daniel Barenboim gebaute „Barenboim-Flügel“. Auch hier ist wieder die Idee von gerader Besaitung und vielen anderen Details verwirklicht, die die anderen genannten Klavierbauer bereits mit ihren eigenen Visionen eines „anderen Klangs“ individuell in ihren Flügeln ausgeführt haben (s. Ausgabe 1-2016 von PIANONews).
Man sieht, dass es seit zirka 15 Jahren Individualisten unter den Klavierbauern gibt, die sich beständig mit dem Klang beschäftigen und dies nicht nur umsetzen (denn davon gibt es natürlich auch sehr viele), indem sie Veränderungen an bestehenden Flügeln bekannter Marken vornehmen, sondern dazu übergehen, Instrumente von Grund auf neu zu denken, zu entwickeln, und dann auch tatsächlich zu bauen. Dass dabei interessanterweise Ideen wieder aufgegriffen werden, die schon in den Analen des Klavierbaus zu finden sind, ist besonders interessant, denn gerade besaitete Flügel gab es natürlich schon vor der von Henry Steinway eingeführten Kreuzbesaitung.
Es ist eine Zeit, in der es Innovationen am laufenden Band gibt, in der Individualisten nicht ruhen, bevor sie nicht ihre Ideen von ihrem Klang und ihrer Bauweise in die Tat umgesetzt haben. Genau das macht den Klavierbau heutzutage so lebendig. Und wenn man selbst spielt, sollte man sich diese Instrumente alle einmal anschauen und sie anspielen – es lohnt sich.

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