Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

in den vergangenen Wochen haben wir auf politischer Ebene vollends wieder erkennen können, wie sehr sich die Mentalitäten in unterschiedlichen Ländern unterscheiden. Das Stichwort „Griechenland“ sollte hier ausreichen … Was aber bedeutet dies in der Klavierwelt? Heutzutage sind wir es gewohnt in einer fast vollkommen globalisierten Welt zu leben scheinen. Und dies ist in der Musikwelt – und speziell in der Klavierwelt – allerorten erfahrbar. An unseren Musikhochschulen studieren Pianistinnen und Pianisten aus aller Welt, in Klavierwettbewerben kann man auf Pianisten treffen, die aus Ländern kommen, bei denen wir uns erst auf einer Landkarte erkundigen müssen, wo deren geografische Lage überhaupt ist. Und auf unseren Bühnen treffen wir ebenfalls auf Tastenkünstler aus aller Welt – mehr und mehr. Natürlich, die Ausbildung ist globalisiert … aber gibt es nicht auch große mentale und soziologische Unterschiede zwischen den Ländern aus denen diese Künstler stammen? Natürlich gibt es die, das weiß jeder, der einmal diese Länder direkt besucht hat, sei es Russland, Japan, Korea oder China (um nur einmal die vielleicht wichtigsten Herkunftsländer der Studenten in unseren Hochschulen und auf unseren Bühnen zu nennen. Natürlich: Wenn jemand erst einmal eine Weile in einem anderen Land gelebt hat, dann wird er auch einen Teil der Mentalität in diesem Land erfahren und begreifen. Doch ist es wirklich wichtig und sinnvoll, dass alle diese Pianistinnen und Pianisten die zentralen Repertoirestücke der deutsch-österreichischen Klassik und Romantik erarbeiten? Damit soll nicht gesagt werden, dass die Musiker aus anderen Ländern nicht imstande sind, die hinter diesen Werken steckende Ideen- und Gedankenwelt zu verinnerlichen oder nachzuvollziehen. Aber ist es sinnvoll?
In anderen Ländern gibt es eine wunderbare Tradition von Musik, oftmals eine andere historisch gewachsene (gerade in Asien). Warum ist die klassisch-romantische Musik der Kern des Denkens weltweit? Nun, ganz so ist es zum einen nicht, denn beispielsweise sind in chinesischen Musikhochschulen die Abteilungen für traditionelle chinesische Musik immer noch deutlich größer als die für die sogenannte „klassische Musik“. Ein wenig scheint es so zu sein wie in der Politik: Man denkt – und das nicht immer zu Unrecht –, dass ein politisches System und ein wirtschaftliches Denken für die gesamte Welt funktionieren muss. Die momentane Lage in der Welt zeigt allerdings, dass dies nicht immer der Wahrheit entspricht. Und ist es nicht ein wenig arrogant zu glauben, dass die historische Musik Zentraleuropas der Kern jeder ernsthaften Musikbeschäftigung zu sein hat? Wird da nicht eine Mentalität auf aus anderem Denken und Mentalitätskreisen stammenden Künstlern „künstlich“ übergestülpt? Kann es überhaupt funktionieren, dass Musik aus dem Herzen gespielt wird? Ja, dies funktioniert, aber nur, wenn derjenige sich vollauf darauf einlässt, die Sprache lernt, das Denken und um die ganzen Hintergründe weiß. Ansonsten wird es immer ein Nachahmen und nicht in Aus-sich-Heraus-Empfinden sein, was man da hört. Und genau darin liegt heutzutage die Krux: Dass zahllose Musikstudenten, die dann auch die Bühne erreichen, so spielen, wie sie es beigebracht bekommen haben, und nicht so, wie sie die Musik empfinden.
Die Antwort auf die Frage nach einer sinnvollen Globalisierung steht auch hier aus … Wenn man schon in Europa im Künstlerischen immer noch Grenzen sieht, vor allem, wenn es um die Abgrenzung der eigenen Märkte geht, dann kann man nicht erwarten, dass die Offenheit und der Wille, alles zu erlernen, was einem eigentlich fremd ist, funktioniert. Vor diesem Hintergrund ist es umso bemerkenswerter wie etliche dies schaffen, aus vollkommen anderen Kulturkreisen zu kommen, und dennoch mit einer unaussprechlich großen Überzeugungskraft die Werke des 17.–19. Jahrhunderts aus Deutschland und Österreich zu spielen verstehen. Aber – um ganz ehrlich zu sein – muss man auch sehen, dass die, die sich erfolgreich mit dieser Art Musik durchzusetzen vermögen, meist schon längere Zeit in Deutschland oder Österreich leben …

Bestellen

Bestellen Sie sich die Printausgabe der PIANONews ins Haus. Als Abonnement für 6 Ausgaben oder auch als Einzelhefte.

Abonnement Einzelheft

ePapers

Lesen Sie die PIANONews gleich hier und jetzt online. Im 6er Abonnement oder als Einzelexemplar.

6 x ePaper Einzel-ePaper Infos

Service Box

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter
Great new costomer Bonus Bet365 read here.
View best betting by artbetting.net
Download Full Premium themes