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Arcadi Volodos

Wie neu erfunden

Von: Carsten Dürer

Er ist längst nicht mehr der junge Pianist, der nach Abenteuern und Erfahrungen Ausschau hält oder sich sagen lässt, was er am besten zu spielen hat, damit das Publikum ihn liebt und er Erfolge für sich verbuchen kann. Arcadi Volodos ist mit seinen 45 Jahren ein gelassener Musiker auf der einen Seite, auf der anderen aber auch einer, der niemals aufhört für die Musik zu brennen. Vor 20 Jahren spielte er seine erste CD ein und wurde mit einem Schlag weltberühmt. Auch weil er unablässig Konzerte spielte, weit mehr als 100 pro Jahr. Damals sprachen wir ihn erstmalig. Dann 2007, als er sich Liszt zugewandt hatte, und wir ihn wieder sprachen, erkannte man schon, dass er ein anderer, ein ruhigerer Mensch geworden war. Nun, wiederum 10 Jahre später, spürt man, dass Volodos nicht mehr viel um die Meinung über ihn gibt, sondern sein gesamtes Leben ausschließlich der Musik widmet, gleichgültig, welchem Komponisten er sich zuwendet. Er ist ein Musiker durch und durch, mit eigenen Ansichten, mit eigenen Gedanken, die weit bis in fast philosophische Ebenen vordringen. Wir trafen ihn kurz vor einem Konzert in Amsterdam.

Soeben hat Volodos seine neunte CD eingespielt, mit Werken von Brahms. Schon die Auswahl mit Opus 79 und den Intermezzi Op. 116 und 118 zeigt, dass er sich mehr und mehr zu den großen Spätwerken hingezogen fühlt. Hat er sich in den vergangenen zehn Jahren – seit unserem letzten Treffen – verändert? „Ich bin alt geworden“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Und fährt dann ernster fort: „Ich kann mich selbst natürlich nicht so genau beurteilen, aber ich denke, ich verändere mich jeden Tag. Wenn ich mein Spiel und meine Aufnahmen von vor zehn Jahren höre, finde ich sie schrecklich – das bin nicht ich. Ich habe mir gerade in einem Interview Stücke von meiner ersten CD angehört: Ich hasse es, es ist ein sehr fremdartiges Spiel, wirklich eigenartig.“ Würde er heute denn überhaupt diese Art von Stücken noch spielen? „Nein – nun, es kommt darauf an. Einige Stücke mag ich, andere überhaupt nicht.“

Er spielt weniger und weniger Konzerte. „Ja, ich reduziere die Konzerte und die Länder in denen ich auftrete. Ich spiele nicht mehr in Amerika, da ich Probleme mit meiner Agentur dort hatte. Man erwartete von mir immer und immer wieder virtuose Stücke, das mochte ich nicht. Ich spiele fast nur noch in Europa. Zu Beginn habe ich Erfahrungen sammeln müssen, um zu wissen, was ich will. Das war ein sehr schwieriger Karriereanfang, der mir zu verstehen gegeben hat, dass ich diesen Rhythmus nicht haben will, diese vielen Konzerte. Daher spiele ich in vielen Ländern auch nicht mehr.“ Aber spielt er nicht noch in Asien, in Japan? „Nun, vielleicht alle fünf oder sechs Jahre …“ Warum ist das so? Geht es um das Reisen oder um das unterschiedliche Publikum? „Es sind unterschiedliche Dinge – nicht das Publikum. Das Publikum ist es nicht. Denn in großen Städten gibt es unterschiedliche Konzertserien. Da gibt es Klavier-Reihen, aber auch Orchester-Konzerte. Das Publikum von Orchesterkonzerten ist vollkommen anders als bei Klavierrecitals. In Berlin gibt es viele Säle mit unterschiedlichen Konzert-Serien. Und das Publikum ist überall vollkommen verschieden. Es ist also schwer zu sagen, wie das Publikum in einer bestimmten Stadt oder einem Land ist, in Europa, in Asien, oder in Amerika. Den USA habe ich den Rücken gekehrt, da ich keine virtuosen Stücke mehr spielen wollte, man das aber verlangte, sogar als Klavierkonzerte, immer nur die großen russischen Klavierkonzerte.“

Kann man dann sagen, dass die Agentur nicht verstanden hat, dass sich der junge Pianist Volodos, der viel Erfahrungen sammeln wollte und viele virtuose Stücke spielte, mit zunehmendem Alter verändert hat? Immerhin spielte er in seinen jungen Jahren mindestens die Hälfte der Recitals mit virtuosen Werken. Doch er will nicht genauer darauf eingehen: „Ich habe einfach aufgehört, dorthin zu reisen und fühle mich nun viel freier. Es ist fantastisch, dass ich jetzt wählen kann, welches Repertoire ich spiele und wo ich spiele – es ist eine Freude. Wenn man jung ist, dann wird man gefragt, ob man nicht dieses oder jenes Konzert spielen kann. Nun aber kann ich wählen, was ich spiele, das fühlt sich sehr gut an.“

Die Erfahrung

Wie genau wählt er aus, wo er spielen will? „Ich liebe es an Orte zurückzukommen, an dieselben Orte, an denen ich schon gespielt habe. Ich will eine Geschichte aufbauen. So wie hier in Amsterdam, wo ich bereits 1996 erstmals gespielt habe. Ich habe eine lange Geschichte hier – und viele großartige Freunde. Musiker und andere Leute. Es fühlt sich an, als würde man nach Hause kommen. Saragossa in Spanien oder Bilbao sind solche Städte. Das ist sehr wichtig für einen Musiker: sich zu Hause zu fühlen. Für mich ist es heutzutage viel schwerer an neue Orte zu kommen. Früher, als ich jung war, fand ich das spannend, immer neue Orte zu entdecken.“ Ist dies ein Erfahrungswert, den Volodos über die vielen Jahre entwickelt hat? „Eine sehr wichtige Erfahrung für mich.“ Und dann kommt er doch noch einmal auf die USA zu sprechen: „Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen in den USA, da war ich noch Student. Ich habe beispielsweise Martha Argerich in einem Konzert ersetzt. Meine Karriere startete dann sehr schnell. Da war ich dann für drei Monate unterwegs. Und damals gab es kein Internet, das bedeutet, man war komplett isoliert. All meine Freunde waren in Europa. In diesen drei Monaten spielte ich an dem einen Tag, am nächsten reiste ich weiter und spielte von neuem. Man wird verrückt dabei, vor allem da in den USA alles recht standardisiert ist. Man fliegt viel, aber man hat den Eindruck man kommt in derselben Stadt an, in demselben Hotel. Es ist wirklich unglaublich. Das ist für mich mental sehr schwierig.“

Das vollständige Interview mit Arcadi Volodos lessen Sie in Ausgabe 4-2017.

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