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Große Töne!

Stephen Paulellos Konzertflügel Opus 102

Von: Carsten Dürer

Vor 15 Jahren hatten wir den Franzosen Stephen Paulello das ersten Mal in Frankreich besucht, nachdem er kurze Zeit zuvor seinen ersten eigenen Konzertflügel in überarbeiteter Form fertiggestellt hatte – in Hand- und Eigenarbeit. Dieser Flügel trug bereits einige Merkmale in sich, die der als Germanist und Pianist ausgebildete Paulello als Grundlage seiner eigenen Klangideen verwirklichen wollte. Seither ist viel passiert: Gerade als wir ihn Ende 2007 wieder besuchten, hatte er bereits mehrere Instrumente für andere Hersteller konstruiert, arbeitete weiterhin an neuen Flügeln seiner eigenen Marke und hatte einen 217 cm langen Kammerkonzertflügel gebaut, der wiederum neue Merkmale und Ideen in sich vereinte – damals in einem soeben gekauften kleinen Fabrikgebäude. Nun wollten wir sehen, wie sich die Produktion, die Stephen Paulello gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Claire Pichet in reiner Handarbeit zu verwirklichen versucht, weiterentwickelt hat. Immerhin hat Paulello soeben einen 300 Zentimeter langen Konzertflügel mit einem Klaviaturumfang von 102 Tasten und einer geraden Besaitung fertiggestellt. Daher fuhren wir nach Villethierry, um Paulello zu besuchen.

Es ist ein verregneter Dezember-Tag, als ich mit dem Zug von Paris nach Champigny sur Yonne fahre. Stephen Paulello erwartet mich am Bahnhof – es ist ein Wiedersehen mit ihm, aber dennoch kommt mir die hügelige Landschaft in der Bourgogne immer wieder etwas fremd vor. Wir fahren sofort nach Hameau de Coquin, wo sich die große Werkstatt von Paulello befindet, die er bei meinem letzten Besuch 2007 gerade erworben hatte und wo er mit seiner Lebensgefährtin Claire Pichet seine Flügel baut. Mittlerweile sind die 800 Quadratmeter umfassenden Räume mit zahlreichen Maschinen zur Bearbeitung von Holz und Metall ausgestattet: eine übergroße Holzpresse, Furnierschneide- und Nähmaschine, eine Bandschleifmaschine sowie eine stattliche Anzahl von Sägemaschinen. All dies hat Paulello gekauft, um seine eigenen Flügel zu bauen. Zuletzt baute er mehrere Flügel seines Modells 217 cm. Doch das war nur der Anfang, denn Paulello schwebten weit dramatischere Veränderungen im Flügelbau vor, als er sie bis dahin mit seiner Monoblock-Bauweise und seinen unberippten Resonanzböden sowie den besonderen Stegagraffen verwirklicht hatte.
Doch in zwei Räumen sieht man auch, wovon der Klavierbauer Paulello lebt, der bislang insgesamt erst acht seiner 217-cm-Flügel gebaut hat, von denen er sieben verkaufte (der große Konzertflügel in einer Länge von 287 cm, sein erster Prototyp, wurde mehrfach überarbeitet, aber bislang nie verkauft): von Restaurationen alter Flügel! In der Werkstatt, in der die jungen Klaviertechniker François-Jérôme Vincent und Augustin Alonso sich mit etlichen Restaurierungsschritten an den Flügeln in Feinarbeit beschäftigen, stehen Flügel von Steinway, Bechstein und Blüthner und immer wieder auch ein alter Flügel der französischen Firma Pleyel, um restauriert zu werden. Dabei sind es nicht allein Überarbeitungen nach historischem Vorbild, die hier vorgenommen werden, sondern auch Verbesserungen an der Mechanik, mit anderen Saiten und so fort. Zudem hat Stephen Paulello über die Jahre auch immer wieder Auftragsarbeiten übernommen, um Klavierherstellern Konstruktionen zu liefern. Doch sein Herz schlägt für die eigenen Flügel. Und mit seinem neuesten Modell „Opus 102“, dem 300 cm langen Konzertflügel, hat er nun einen Schritt getan, der in die Richtung geht, die ihm immer vorschwebte. Daneben hat Paulello seit langem schon besondere Saiten entwickelt, die er allen Herstellern anbietet.

Der Opus 102

Im hintersten Raum der Werkstatt-Hallen steht er dann: eine Flügel-Schönheit, mit Palisander-Furnier und hellem Riegelahorn-Furnier im Innern – fertiggestellt drei Tage vor unserem Besuch. An den Füßen und der modern gestalteten Lyra sind Edelstahl-Applikationen zu erkennen, die mit der silbernen und in Hochglanz-Optik ebenfalls modern gestalteten Gussplatte im Innern des Flügels harmonieren. Die Ausmaße fallen im ersten Moment gar nicht auf, da die Gesamtgestaltung leicht und mit guten Proportionen ausgeführt wurde. Doch bei näherer Betrachtung treten dann die wirklichen Besonderheiten hervor: Schaut man ins Innere, dann bemerkt man direkt die im Stimmstockbereich massiv gestaltete Gussplatte, die allerdings komplett ohne Spreizen gestaltet ist und sich elegant an den Innenseiten der Rim entlangschlängelt. Auch die extrem langen Saiten mit geradem Verlauf über das gesamte Spektrum sind auffällig, die über einen einzigen Steg verlaufen; zudem die breitere Klaviatur mit ihren 102 Tasten im Gegensatz zu den üblichen 88 an einem Konzertflügel. Natürlich ist all dies sehr auffällig und augenscheinlich. Aber es besagt erst einmal nur, dass Paulello da einen Flügel gebaut hat, der nun endgültig seinen Ideen, die er seit vielen Jahren entwickelt hat, entspricht. Doch dies sind nur die optisch offensichtlichen Veränderungen. Wie es zu diesen kommt, ist nur eine Konsequenz der gesamten akustisch neuen Bauweise, die Paulello hier verfolgt hat. Die Idee zu diesem neuen Flügel kam allerdings schon recht früh: „Am Anfang plante ich diesen geradsaitigen Flügel in einer Länge von 290, allmählich wuchs er und landete dann bei drei Metern. Aber 2005 hatte ich schon die Idee zu einem geradsaitigen Flügel, um die Fehler im Übergang zwischen den Registern zu beseitigen. Nicht nur in Bezug auf die Klangfarbe. Wenn man normalerweise einen herkömmlichen Flügel von unten nach oben spielt, dann gibt es in der Regel eine Art größeres Volumen in der Mitte – nicht immer leicht hörbar. Aber genau dies versuchte ich auszumerzen.“ Damals kannte er auch schon die anderen kleineren Manufakturen, die besondere Konstruktionsmerkmale in ihre Flügel integrieren, so beispielsweise Stuart & Sons aus Australien. Auch Klemmagraffen gab es schon, als Paulello seine erste entwickelte, von Sabel, von Erard, Pleyel und anderen. „Aber es gab immer ein Problem mit diesen Agraffen. So brauchte es 15 Jahre, um sie so zu gestalten, wie sie nun sind“, erklärt der Franzose. Seine Klemmagraffen besitzen eine dreieckige Pyramide, über die die Saiten gespannt werden, und von oben werden dann die rechteckigen Stahlkästchen mit vier Schrauben angebracht, die die Saitenführung allein fixieren. Diese hat er vor zirka 18 Jahren entwickelt, aber noch nicht angewendet.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2-2016 von PIANONews.

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