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Anna Vinnitskaya

Gestärkte Vorstellungskraft

Von: Carsten Dürer

Das erste Mal, als wir Anna Vinnitskaya trafen, war 2007, nicht lange nachdem sie den 1. Preis im Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb gewonnen hatte. Mit diesem Preis ausgestattet, warteten auf die 1983 am Schwarzen Meer in der russischen Hafenstadt Novorossijsk geborene Pianistin eine Menge Konzerte. Doch schon in dem damaligen Gespräch erklärte sie, dass sie ihre Konzertanzahl reduzieren wolle, um ihren Anspruch von der Tiefe der Musik besser verwirklichen zu können, wie sie es von ihrem Lehrer Evgeni Koroliov gelernt hatte. Seither hat sich viel getan im Leben der seit 2009 als Professorin an der Hamburger Musikhochschule lehrenden Pianistin. Wir trafen uns in Brüssel mit ihr, um über ihren Werdegang seit dem Jahr 2007 zu sprechen.

Es ist ein trüber Tag in Brüssel, Ende März. Anna Vinnitskaya kommt soeben aus ihrer heutigen Heimatstadt Hamburg, wo sie mit ihrer Familie – Ehemann und zwei Kinder – lebt. Kaum scheint sie sich in den vergangenen sieben Jahren verändert zu haben – zumindest optisch nicht. Doch genau das wollen wir wissen: Wie hat sich ihr musikalisches Denken, wie hat sich die Sicht auf das musikalische Leben von Anna Vinnitskaya verändert?
PIANONews: Es war nicht lange nach Ihrem Gewinn in Brüssel, als wir uns das letzte Mal zum Gespräch getroffen haben … Damals waren Sie müde von dem ganzen Stress nach dem Wettbewerb. Und scheinbar auch etwas entsetzt, was Sie da überfahren hat. Danach haben Sie auch scheinbar bewusst Ihre Konzertanzahl reduziert. Ist das richtig?

Anna Vinnitskaya: Ja, nach den Wettbewerbsturbulenzen war das. Nachdem ich alle Preisträger-Konzerte gespielt hatte, entschied ich, nicht mehr so viele Konzerte zu spielen. Aber ich denke, dass diese Phase alle Wettbewerbs-Gewinner durchleben. Jedenfalls sagte mir das ein Arzt, der mich nach dem Wettbewerb untersuchte, als ich mich sehr schwach und erkältet fühlte. Während des Wettbewerbs war das alles kein Problem. Man hatte recht viel Zeit, um sich zwischen den Runden vorzubereiten. Das ist in Brüssel ein Luxus. Erst nach dem Wettbewerb ging es ja los, mit den Konzerten, den Interviews … all diesen Dingen. Und ich muss sagen, dass ich mich seelisch auf den Nichterfolg vorbereitet hatte. Aber einen solchen Wettbewerb zu gewinnen – darauf war ich nicht vorbereitet. Das war ein Fehler von mir, denke ich. Und dann war es einfach zu viel für mich. Aber ich glaube, dass ich diese Phase gut überstanden habe, habe mich allerdings dazu entschieden, nicht mehr als 50 bis 55 Konzerte pro Saison zu spielen.

PIANONews: So viele waren es immer noch? Ich hatte das Gefühl, dass es sogar weniger waren …

Anna Vinnitskaya: Nun, so viele waren es, bis ich meine Kinder bekam … Ich bekam zwar auch davor weit mehr Anfragen, aber ich habe es bei dieser Anzahl belassen. Als ich mehr gespielt habe, habe ich mich so gefühlt, als käme ich wie eine ausgepresste Zitrone auf die Bühne. Und genau das wollte ich nicht, ich wollte dem Publikum ja etwas zu sagen haben mit meinem Spiel. Momentan sind es allerdings nur 35 bis 40 Konzerte pro Jahr. Das soll sich langsam wieder steigern.

PIANONews: Aber auf nicht mehr als zuvor, also ist die Grenze von 55 Konzerte Ihre selbst gesetzte Obergrenze?

Anna Vinnitskaya: Ja, genau. Das ist mein Ideal.
PIANONews: Zwei Jahre nach dem Wettbewerb haben Sie in Hamburg eine Professur erhalten, an der Hochschule, an der Sie studiert hatten. Wie war das, auf einmal Ihrem eigenen Professor, Evgeni Koroliov, gleichgestellt zu sein?

Anna Vinnitskaya: [sehr deutlich] Ich stehe ihm nicht gleich, er ist immer noch mein Professor und ich schaue immer noch zu ihm auf. Nun, ich habe an dem Berufungsverfahren teilgenommen, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass es auf Anhieb mit solch einer Stelle klappt. Ich war sogar offiziell noch Studentin. Ich hatte zwar meine Semester zu Ende, aber ich hatte noch keine Abschlussprüfung gespielt. Die habe ich erst einen Monat, nachdem ich die Professur erhalten hatte, gespielt. Dann habe ich also begonnen zu unterrichten – und das war eine sehr interessante Erfahrung … es ist ja nun schon fünf Jahre her, dass ich begonnen habe. Und in dieser Zeit habe ich nicht nur pianistische Erfahrungen gemacht, sondern auch menschliche – oder noch besser gesagt: psychologische Erfahrungen mit meinen Studenten.
Es ist interessant, die Studenten zu beobachten. Es gibt solche, die den gesamten Tag üben und alles gut spielen – aber die Musik lebt nicht. Und die anderen haben Talent, das sie nicht pflegen, üben zu wenig und spielen auch nicht alles so, wie es in den Noten steht. Aber dann sitze ich da plötzlich wie gefesselt und kann nur diese Musik hören. Es sind beides Grenzfälle, denn es ist beides nicht gut. Ideal wäre es eine Pyramide, wo alles unter einen Hut kommt: Disziplin, Talent und Musikalität. Diesen goldenen Schnitt zu finden, ist unglaublich schwer! Manche möchten so gerne spielen, aber etwas lebt da nicht in der Musik, wenn sie spie-
len …

PIANONews: Liegt es nicht auch daran, dass sich viele der jungen Musiker sehr stark auf das rein Mechanische konzentrieren? Also mehr an die Technik als an die Musik selbst denken?

Anna Vinnitskaya: Ja, aber das ist natürlich sehr verallgemeinert. Natürlich versuchen alle das Richtige zu tun. Aber nicht immer funktioniert es. Und der Draht zwischen Seele und dem, was in der Musik transportiert wird, ist oftmals nicht klar.

PIANONews: Wie viele Studenten haben Sie momentan?
Anna Vinnitskaya: Ich habe jetzt acht Studenten. Das bedeutet: Ich habe eine Zweidrittel-Stelle in Hamburg angenommen … und das ist auch gut so. Denn für eine ganze Stelle als Professorin bin ich noch nicht bereit, will ich auch nicht. Zudem habe ich sehr gute Studenten. Was ebenfalls interessant für mich war: Zuerst hatte ich versucht so zu unterrichten wie mein Professor in Russland … vielleicht kann man es nicht als streng, sondern besser als bestimmt bezeichnen. Aber diese Art kam nicht gut an bei den Studenten. Diese Erfahrungen, die ich nun habe, habe ich natürlich auch mit Fehlern gesammelt. Das heißt: Ich habe manchmal Druck ausgeübt, aber manche Studenten konnten diesen Druck nicht ertragen, sie brauchten eher ein Lob, um motiviert zu werden und besser zu spielen.

PIANONews: Das ist natürlich sehr individuell …

Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 4-2015 von PIANONews.

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