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Lang Lang

Der Musik-Vermittler

Von: Carsten Dürer

Was hat man diesem Pianisten nicht schon alles angedichtet, ihm nachgesagt, wie ihn kritisiert … Und dennoch ist Lang Lang heutzutage im Alter von gerade einmal 32 Jahren sicherlich der bekannteste Pianist weltweit. Zu Beginn seiner Karriere Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der im chinesischen Shengyang geborene Künstler als ein Supertalent hochstilisiert. Die Medien hatten sich auf das Können dieses Pianisten einhellig eingeschworen, lobten über den grünen Klee. Doch wenige Jahre später – als Lang Lang dann zu einem der bekanntesten Musiker avancierte – ließ die Feuilleton-Kritik kaum mehr ein gutes Haar an ihm. Und das, obwohl er kaum anders spielte als zuvor. Allein: Lang Lang scheint mehr denn je durch die Welt zu fliegen, tritt in einer immens großen Anzahl an Orten in kürzester Zeit auf … doch die Rettung seiner musikalischen Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich verändert. Muss dies denn überhaupt sein? Er bewegt mit seiner offenen Art die Massen, hat mittlerweile eine Stiftung zur Klavierspielförderung gegründet und nun auch eine Art von Klavier-Academy begonnen, die mit den ersten fünf Bänden einer Klavierschule den Anfang findet.

Morgens war er im ZDF-Morgenmagazin zu Gast, am Nachmittag hat er einen Auftritt im Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin und am gleichen Abend erhält er den Bambi-Medienpreis für sein Engagement in der klassischen Musik verliehen. Wir treffen uns am ZDF-Funkhaus Unter den Linden in Berlin. Den Abend zuvor hat Lang Lang ein Recital in der Berliner Philharmonie gespielt, nach der Bambi-Preisverleihung reist er zu einem weiteren Konzert am kommenden Tag nach Dortmund. Er ist vielbeschäftigt, hat mittlerweile eine Foundation gegründet, hat ein Buch über sein bisheriges Leben geschrieben und neben seiner letzten CD-Veröffentlichung mit Mozart-Klaviersonaten und -Konzerten (gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern unter Nikolaus Harnoncourt) soeben die ersten fünf Bände einer Klavierschule veröffentlicht.

PIANONews: Wenn man sieht, wie viele Agenturen, Label-Leute und Mitarbeiter anderer Bereiche um Sie herum sind und Ihr Leben mitgestalten, fragt man sich, ob Sie da glücklich sind, mit solch einem engen und streng strukturierten Zeitplan …

Lang Lang: Ich brauche einfach viele Menschen um mich. Neben meinen Auftritten habe ich ja die Stiftung, eine Schule … also brauche ich viele Leute, die mir helfen, da ich selbst auf die wichtigsten Dinge fokussiert sein muss. Zudem sind einige der Menschen mittlerweile richtige Freunde von mir, die genau verstehen, was ich will und was ich brauche. So brauche ich mich nicht um bestimmte Dinge sorgen. Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, eine Gruppe von Leuten zu haben, die mit einem zusammenarbeiten, wenn man Dinge bewegen will und nicht nur auftreten will. Wenn man Einfluss ausüben will, dann braucht man einfach Leute, die für eine Sache brennen. Ich reise momentan mit meiner Mutter, aber auch mit meinem Team aus China. In der heutigen Welt mit all den Social-Media-Möglichkeiten kann man so viel durch das Internet bewegen, so dass es sehr wichtig ist, immer den Moment mitzuteilen. Es gibt eine Menge Dinge, die wichtig sind, dass die Menschen davon erfahren. Und das ist wichtig für unsere Gesellschaft. Seit langem habe ich erkannt – eigentlich seit ich damals in die USA kam –, dass es viel zu viele Menschen gibt, die gar nicht wissen, was wir machen. Es geht gar nicht darum, dass diese Menschen nicht interessiert sind daran, was wir tun, aber sie haben einen vollkommen falschen Eindruck von heutigen klassischen Musikern. Sie denken vielleicht immer noch an Schwarz/Weiß-Fotos, wenn sie an klassische Musiker denken. Und das ist natürlich nicht das reale Bild von heutigen klassischen Künstlern.

PIANONews: Und dies ist eines Ihrer heutigen Ziele? Den Menschen zu vermitteln, was es heißt, heute ein klassischer Musiker zu sein?

Lang Lang: Absolut, aber nicht erst jetzt. Schon vor 12 Jahren habe ich versucht, das mitzuteilen, aber zu dieser Zeit war mein Einfluss einfach noch nicht so groß. Erst musste ich mich als Pianist beweisen … aber seit ich 30 Jahre alt geworden bin, erkenne ich, dass es eine große Verantwortung gibt, nicht nur für mich selbst, sondern für eine ganze Generation von Musikern, dieses Image, was herrscht, zu verändern. Und da sollten wir Musiker auch zusammenarbeiten. Und wenn ich mit anderen Musikern spreche, wie Gustavo Dudamel, Yannick Nézet-Séguin oder Andriss Nelsons, dann höre ich, dass sie alle diese Ideen haben. Wir wollen alle mehr Menschen für die Musik, die wir machen, inspirieren, das ist eines unserer Ziele.

PIANONews: Aber diese Inspiration für Musik bedeutet nicht, dass Sie mehr und mehr junge Menschen dazu animieren wollen, klassische Musik als Berufswunsch zu wählen, oder? Immerhin haben wir ja so viele professionelle Musiker, aber immer weniger Auftrittsmöglichkeiten … Wenn man also mehr und mehr junge Menschen dazu inspiriert, Musiker zu werden, wo ist dann deren Zukunft?
Lang Lang: Nun, erst einmal wissen wir alle, dass nicht jeder, der Musik lernt, ein professioneller Musiker wird, absolut nicht. Es geht auch niemals darum, dass man ein professioneller Musiker werden will, sondern man wird es einfach. Musik ist kein Produkt, zur Kunst kann inspiriert werden, aber Kunst kann keine Produktion sein. Man kann also keine Künstler „produzieren“, so funktioniert das nicht. Wir können nur versuchen, die allgemeine Ausbildung im Bereich der Musik zu verbessern. Vielleicht spüren Sie das noch nicht so sehr hier in Deutschland, da die Ausbildung hier noch sehr gut ist …

PIANONews: … ja, aber es gibt den gleichen Prozess wie in anderen Ländern mit dem Niedergang der schulischen Musikausbildung, nur weitaus langsamer als in anderen Ländern …

Lang Lang: Aber es gibt hier immer noch eine gesunde Basis. In den USA ist das aber gar nicht vorhanden. Es gibt kaum Medien-Interesse für klassische Musik. Und in früheren Zeiten, als es noch Schallplatten-Geschäfte gab, war die klassische Musik immer weit hinten in einer Ecke, oftmals abgetrennt mit Glas. Man könnte sogar sagen, dass es jetzt – ohne diese Geschäfte – manchmal besser ist, da man nicht mehr in einer Ecke steht und man das Glück haben kann, dass beispielsweise iTunes auch einmal einen klassischen Titel in eine vordere Position bringen. Aber können Sie sich vorstellen, dass es in den USA eigentlich keine Musikausbildung in allgemeinen Schulen gibt? Das ist auch einer der Gründe, warum wir die Lang-Lang-Stiftung in den USA haben, da ich wenigstens einige Musikklassen in allgemeinbildenden Schulen einführen will. Können Sie sich vorstellen, dass es in Boston – also einer Stadt, die für die gehobene Ausbildung mit Harvard und anderen einrichtungen steht – nur eine öffentliche Schule mit einer Musikklasse gibt? Und diese sponsert unsere Stiftung jetzt. Die gesamte Stadt Boston [er lacht auf] … können Sie sich das vorstellen … Das ist wirklich lächerlich. Wenn das unsere Zukunft ist … Und wenn man hört, dass die Orches  ter Probleme mit Publikum haben, dann wissen Sie warum.

PIANONews: Natürlich, und da liegt die Grundlage für die Weiterführung der klassischen Musik in der Gesellschaft.

Lang Lang: Natürlich müssen wir auch positiv für uns selbst eingestellt sein, aber zeitgleich müssen wir uns klarmachen, dass wir etwas vermissen, wenn es keine Musik in unserem Leben gäbe. In China haben wir diese Probleme nicht: Jede Schule hat eine Musikklasse.


Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 1-2015 von PIANONews.

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