pn 6 2013

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Leseprobe:

Richard Goode

„Ich brauche Musik, die wirklich notwendig ist.“

von: Isabel Herzfeld

Kritik und Publikum überschlagen sich in Lobeshymnen, rühmen die Schönheit und Tiefe seines Spiels. Trotz umfangreicher Tourneen in Europa und den USA, einer Diskografie, die langsam, aber stetig anwächst, ist der amerikanische Pianist Richard Goode kein Fall fürs breite Publikum, eher die heimliche Liebe von Kennern und Liebhabern. Dabei ist sein Spiel nicht nur von äußerster Seriosität, sondern strahlt ebenso Leichtigkeit und pointierten Humor aus. Davon konnten wir uns auch im Gespräch mit dem kultivierten New Yorker überzeugen: Aufgrund seines engen Terminplans bat er zum Abendessen in ein Gourmet-Lokal nahe beim Berliner Konzerthaus, wo er zuvor für seine Interpretation der letzten drei Beethoven-Sonaten und der Bagatellen Op. 119 stürmisch gefeiert worden war. An seinem Recital störte ihn nur, dass nach dem pointierten Ausklang der Bagatellen niemand lachte – in New York scheint man Beethovens Witz besser zu verstehen. Wir sprachen mit Richard Goode über sein Berliner Programm und die Besonderheiten seines Repertoires.

PIANONews: Mr. Goode, Sie sind vor allem für Ihre Beethoven-Interpretationen bekannt. Sind Sie ein Beethoven-Spezialist?

Richard Goode: Ich verdanke Beethoven sehr viel. So begann meine Solo-Karriere nach der Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten. Das war 1990, ich war 47 Jahre alt und vorher überwiegend als Kammermusiker aktiv gewesen. Aber wenn man einmal Beethoven gespielt hat, sagen alle: Oh, Sie sind ein Beethoven-Pianist. Selten heißt es, dass man ein Mozart- oder Brahms-Pianist sei. Nachdem ich den Beethoven-Zyklus gemacht hatte und danach zu gemischten Programmen mit Mozart und Schubert, Chopin und Debussy übergegangen war, wurde ich gefragt: Wann kommt wieder Beethoven? Und ich sagte: Nein, ich bin nicht nur für Beethoven da. Ich will kein Spezialist sein. Allerdings ist mein Repertoire nicht gerade enorm breit. Ich spiele sehr wenig zeitgenössische Musik, ich spiele sicherlich einiges von Bach, ich spiele etwas französische Musik, aber ich spiele sehr viel Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms – sehr viel Brahms. Ich spiele die beiden Bücher der Préludes von Debussy und viel Chopin. Als Student traf ich Alfred Brendel – er provozierte mich, als er sagte: Man kann nicht Beethoven und Chopin gleichzeitig spielen. Entweder man spielt das eine gut oder das andere. Aber ich wusste, dass er nicht Recht hatte. Denn einer meiner Lehrer war Mieczyslaw Horszowski, er war ein großer Pianist und spielte beide wunderbar, Beethoven und Chopin. Er spielte Beethoven nicht weniger gut, weil er Pole war [lacht]. Das war ein Ansporn für mich, mehr Chopin zu spielen.

PIANONews: An Chopin und auch an Debussy konnte man denken, als Sie im ersten Satz von Op. 110 die Sechzehntel-Figurationen sehr filigran und farbig spielten, geradezu farbensprühend. Man bemerkte, dass Beethoven mehr Klangsinn hat, als ihm allgemein zugestanden wird. Man sollte ihn als „klassischen Komponisten“ nicht nur auf die Form und die thematisch-strukturelle Arbeit festlegen.

Richard Goode: Da stimme ich zu. Vor allem wird Beethoven als der Instrumental-Komponist par excellence angesehen, dabei ist zum Beispiel in Op. 110 die Passage des „Recitativo“, die ins „Arioso“ führt, so ein ergreifender Versuch, das Klavier in eine menschliche Stimme zu verwandeln. Ich kenne keine andere Passage im klassischen Repertoire, die das intensiver versucht. Dafür tut Beethoven alles Erdenkliche, nur irgendwie Zulässige, und heraus kommt eine der komplexesten Stellen seiner Klavierwerke. Entscheidend für mich ist dabei, dass das Klavier das nackteste Instrument überhaupt sein kann.

PIANONews: Und gerade dadurch sehr sprechend.

Richard Goode: Sehr sprechend, absolut! Vor allem in der zweiten Aria, die bezeichnet ist mit „Ermattet, klagend“, das ist wirklich wie italienischer Verismo, die Imitation einer unterdrückten menschlichen Stimme. Vielleicht gibt es das auch in den späten Streichquartetten, aber das Klavier wird regelrecht zur unterdrückten, weinenden, erdrosselten Stimme, man kann kaum die Töne hervorbringen.

PIANONews: Das Thema ist ein Bach-Zitat, nicht wahr? Das gleiche wie in der Cello-Sonate Op. 69.

Richard Goode: Und geheimnisvollerweise findet sich dieselbe Melodie, die jedenfalls auf denselben Noten aufbaut, in Op. 109. Auf der zweiten Seite am Anfang erscheint geheimnisvollerweise das Arioso-Thema. Das macht die drei letzten Sonaten für mich so geheimnisvoll, wegen der Beziehungen, die sie miteinander eingehen. Vieles in ihnen wurde zur selben Zeit konzipiert. Wirklich faszinierend. Man könnte zum Beispiel hören, wenn ich nicht durch den Applaus unterbrochen würde und gleich weiterspielen könnte, dass das Ende von Op. 109 in den Anfang von Op. 110 übergeht. Das eine Motiv ist hier die Umkehrung des anderen.

PIANONews: Interessant sind ja auch die Terzverwandtschaften, die Beethoven hier in den Tonarten der Sonaten aufstellt: E-Dur, As-Dur, c-Moll.

Richard Goode: Zwei große Terzen, die einen übermäßigen Dreiklang schaffen. Das Interessante ist: In der As-Dur-Sonate haben wir eine sehr überraschende Verbindung zu E-Dur, eine merkwürdige Stelle, wo Beethoven von der einen zur anderen gleitet, heißt Es–E. Das legt den Gedanken nahe, dass Beethoven wirklich über solche Beziehungen nachdachte.

PIANONews: Kann man sagen, dass die ersten beiden Sonaten innovativer sind als das berühmte Opus 111? Zumindest der erste Satz ist sehr nach dem konventionellen Formschema angelegt – was sich in der Arietta inhaltlich ereignet, ist natürlich unglaublich.

Das gesamte Interview lesen Sie in PIANONews 6-2013.

 

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