pn05 2013

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Leseprobe:

Maria João Pires

Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit

Von: Anja Renczikowski

Als sie die Hotellobby betritt, wirkt sie noch viel kleiner, zarter und fragiler als auf der Bühne. Ihr sanftes Lächeln ist berührend, ihre kleinen Hände irritieren auf den ersten Blick. Eine Aura der Herzlichkeit und Wärme umgibt Maria João Pires. Den Tee, den sie bestellt, wird sie im Laufe des Gesprächs nicht trinken – zu sehr konzentriert sie sich auf das Zusammensein, das Erzählen, in dem sie sich selbst als Person immer wieder sorgsam zurücknimmt. Ihre Bescheidenheit ist ehrlich und stimmt nachdenklich. Immer wieder benutzt sie Formulierungen wie „das ist keine große Sache“ oder „das ist ganz natürlich“ – ganz so, als hätte alles keine große Bedeutung. Dabei ist Maria João Pires nicht nur eine großartige Pianistin, die seit mehr als 60 Jahren auf der Bühne steht, sondern eine zutiefst beeindruckende Persönlichkeit. Am selben Abend spielt sie  in der Essener Philharmonie Frédéric Chopins 2. Klavierkonzert. Sensibel und innig zeigt sie ihre berührende wie unmittelbare Sichtweise auf diese Musik – wie immer ohne virtuosen Pomp und Pathos. Eine seltene Begegnung, denn die portugiesische Pianistin hat sich in den letzten Jahren auf den Konzertpodien rargemacht.

Buddhistische Einflüsse

Geboren in Lissabon stand Maria João Pires schon Ende der 1940er Jahre als Fünfjährige auf der Bühne. Für heutige Verhältnisse scheint es unvorstellbar, dass sie als Kind erst bei einem öffentlichen Auftritt auf der Bühne zum ersten Mal auf einem großen Konzertflügel spielte. „Das war schon komisch“, erinnert sie sich an diese überraschende Begegnung. „Aber plötzlich habe ich gemerkt, ich muss jetzt spielen, und dann kam die Musik wieder zu mir und es war schön.“ Maria João Pires ist das jüngste Kind in ihrer Familie. Ihr Vater stirbt noch vor ihrer Geburt. Ihr Großvater war Buddhist. „Das war ungewöhnlich in Portugal. Aber er hatte eine Leidenschaft dafür und hat den Buddhismus intensiv studiert. Es hat uns alle in der Familie beeinflusst. Ich glaube, alles, was uns umgibt, beeinflusst uns.“ Als junge Frau geht sie nach Deutschland, studierte erst in München bei Rosl Schmid und dann in Hannover bei Karl Engel. „Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Schule und die fantastischen Lehrer. Aber es gab auch schwere Zeiten, wo ich mich ganz einsam gefühlt habe und ziemlich viele Probleme hatte, mich anzupassen“, erzählt sie.

Man gibt sich – nicht von sich

1970 kam der internationale Durchbruch. Maria João Pires gewinnt in Brüssel den internationalen Beethoven-Wettbewerb anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten. Die Musik Beethovens gehört neben der von Mozart, Schubert und Chopin zu ihrem Standardrepertoire. Was sie von Beethoven gelernt habe, weiß sie nicht, nur dass sie viel von ihm gelernt habe, sagte Pires einmal. Die Musik Beethovens und Schuberts bedeute Hoffnung – doch beide äußern dies auf unterschiedliche Weise. Bei Beethoven sei diese Hoffnung mit einem Kampf verbunden, bei Schubert mit der Akzeptanz des Schicksals. Zwei Dinge sind ihr als Pianistin besonders wichtig: Zum einen ist es die Fähigkeit, sich immer wieder neu auf die Musik einzulassen. „Ich bin immer noch bereit, zu lernen, das hört niemals auf“, erklärt die Pianistin. Zum anderen soll sich die Musik natürlich entfalten können und nicht einer forcierten oder aufgesetzten Interpretation untergeordnet werden: „Es kommt nicht darauf an, wie man die Musik sieht und sie versteht. Ich habe das Gefühl, ich habe gar keine Version von der Musik. Die Musik selbst gibt sie mir. Man gibt sich und nicht von sich.“ Das vermittelt sie auch ihren Studenten: „Ich sage ihnen immer, wenn man ein Stück spielt, muss das der Körper machen. Und das ist schon genug, ich kann nicht genauso spielen wie andere. Wir müssen die Quelle der Musik finden und entdecken und nicht unsere eigene Interpretation geben. Die muss gar nicht dabei sein“, erklärt sie lachend und ergänzt: „Für mich hat das keinen Sinn, diese egozentrische Idee, die Musik ist dann unsere Musik, wir haben sie ‚wieder‘ komponiert. Aber ich respektiere diejenigen, die das denken. Aber ich könnte das nicht.“ Wenn sie mit jungen Leuten arbeitet, beginnt sie mit dem Wachrufen der ersten musikalischen Erinnerungen. „Wo kam der Wunsch auf, die Musik mit anderen zu teilen, Musik zu hören und zu machen? Wohin kann dieser Wunsch gehen? Ein Wunsch bleibt ein Wunsch und begleitet uns ein Leben lang.“ An ihrer eigenen ersten Erfahrungen erinnert sich die Pianistin sehr gerne. Fasziniert hörte sie der älteren Schwester beim Klavierspiel zu. „Es war eine Tonwelt, nicht unbedingt sofort Musik. Ich habe Farben gehört. Das war schön. Heute ist das nicht mehr so.“

Das vollständige Porträt lesen Sie in PIANONews 5-2013.

 

 

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