Der ungarische Vielspieler

Jenö Jandó

 

Von: Carsten Dürer


Er ist sicherlich der Pianist, der weltweit die meisten Einspielungen auf CD vorzuweisen hat, er ist „der bestbeschäftigte Pianist der Welt“, wie ein amerikanisches Magazin einmal apostrophierte. Doch Jenö Jandó, der heute 52-jährige Pianist, der seit der ersten Stunde des Labels Naxos und bereits zuvor insgesamt mehr als 200 CDs eingespielt hat, dieser Ungar ist scheu. „Ich denke nicht, dass ich ein spannender Mensch bin, ich mache halt das, was ich mache“, sagt er, nachdem er mich vom Flughafen der Zwei-Millionen-Metropole Budapest abgeholt hat und wir uns auf dem Weg zu seinem Haus in Pest befinden, einem etwas ruhigeren Stadtteil von Budapest, in dem er nun seit mehr als 13 Jahren mit seiner Frau lebt.



Jenö Jandó, ein Name, der nicht beständig durch die Tagespresse geistert, ein Name, der allerdings in Schallplatten-Katalogen und in den Rezensionsstrecken aller Musikmagazine weltweit beständig präsent ist. Studiert hat Jenö Jandó an der Franz Liszt Akademie in Budapest, an der er nun selbst schon seit mehr als 30 Jahren unterrichtet. Das war bei Pál Kadosa, dem Lehrer von Zoltan Kocsis, Deszö Ranki, András Schiff und vielen anderen. „András Schiff war ein Jahr jünger als wir drei anderen. Aber was für eine Zeit, was für eine Konkurrenzlage war das ...“, erinnert sich Jandó und fügt sogleich hinzu: „Aber wir waren tatsächlich lange Zeit richtige Freunde.“ Pal Kadosa war ein großartiger Lehrer, bedenkt man, welche Schüler er hervorbrachte. Doch als wir gemeinsam in der so genannten Rosenstraße eintreffen, stehen Jenö Jandó erst einmal die Gedanken nach Gastfreundschaft, danach, dass man sich bei ihm wohl fühlt. Typisch für die Warmherzigkeit und Gastfreundschaft der Ungarn werde ich von seiner Frau Tamara, einer Sängerin, begrüßt und von einer Freundin, die aus Australien zu Besuch in ihrer Heimatstadt ist und die Jandó seit vielen Jahren aus der Zusammenarbeit an zahllosen CDs als Tonmeisterin zu schätzen weiß. Doch dann setzen wir uns erst einmal zusammen in seinem herrlichen Arbeitszimmer, einem Anbau am Haus, mit Giebeldach und hoher Decke, mit Steinway und Fernsehen, Sitzgruppe, Regalen und Stereo-Anlage. Von seinem Flügel aus kann Jenö Jandó seinen beiden Hunden im Garten beim Spielen zuschauen. Eine Oase für einen vielbeschäftigten Mann.

PIANONews: Herr Jandó, warum sind Sie eigentlich so scheu, wenn es um Ihre Person geht?

Jenö Jandó: Ich denke nicht, dass ich überhaupt interessant bin, dass ich besonders bin. Ich spiele Klavier, gebe Konzerte, spiele CDs ein, ich unterrichte ... Ich kann mich selbst nur ganz schlecht vermarkten. Im Vergleich zu vielen anderen meiner Kollegen halte ich mich eher für langweilig. Es ist nicht mein Beruf, über Musik zu sprechen. Wenn es irgendetwas zu sagen gibt, dann hoffe ich, dass ich es in meinen Interpretationen sage, durch die Musik.

PIANONews: Eine amerikanische Zeitung hat einmal über Sie geschrieben, dass Sie der am besten beschäftigte Pianist der Welt seien. Haben Sie auch diesen Eindruck?

Jenö Jandó: Vielleicht, wenn es um CD-Einspielungen geht. Aber ich habe keine internationale Karriere und ich bin auch gar nicht interessiert daran. Das heißt nicht, dass ich nicht gerne in großen Sälen spielen würde, aber irgendwie hat mein Leben diese Situation herbeigeführt. Ich habe vielleicht einen anderen Charakter als viele meiner Kollegen: Ich mag es nicht, mich selbst anzubiedern. Das heißt also: Wenn Konzerte kommen, dann kommen sie.

PIANONews: Also haben Sie kein Management?

Jenö Jandó: Doch, schon, aber es ist keine der großen Agenturen, bei der die ganzen großen Weltstars vertreten sind. Ich würde da auch nicht hineinpassen.

PIANONews: Aber Sie werden nicht nur in Ungarn vertreten, oder doch?

Jenö Jandó: Doch, nur in Ungarn.

PIANONews: Also warten Sie, bis Sie zu einem Konzert eingeladen werden?

Jenö Jandó: Nun, ich spiele sehr viel in Ungarn und ich denke, dass dies ein wunderbares Gebiet ist, um aufzutreten. Natürlich spiele ich auch in anderen Ländern, aber das ist nicht wirklich so wichtig für mich. Ich mag es eigentlich nicht besonders zu reisen. Ich habe keine Angst davor, aber ich fühle mich hier in Budapest einfach rundum wohl.

PIANONews: Aber Sie fühlen sich auf der Bühne wohl?

Jenö Jandó: Ich habe viel über die Gründe gelesen, warum Glenn Gould, der ja nur noch in seinen Aufnahmen lebte, das Konzertieren aufgab. Und vielleicht war etwas Wahres daran, was er als Argumente anführte. Aber ich liebe es natürlich, auf der Bühne zu spielen, auch wenn ich immer noch sehr nervös bin. Um es einfach zu sagen: Ich versuche mein Bestes in Aufnahmen und auf der Bühne zu geben und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich beides gleichzeitig machen kann. Allerdings würde ich es hassen, wenn ich Aufnahmen machen würde, denen man anhört oder von denen man weiß, dass sie Ton für Ton entstanden sind. Die Strategie für Aufnahmen ist folgende: Erst wird das gesamte Stück eingespielt, dann muss man hören und diskutieren, welche Verbesserungen man an bestimmten Stellen herbeiführen kann. Also entstehen einige Takes, die dann für die Verbesserungen Verwendung finden. Und ganz am Schluss, wenn man eigentlich alles aufgenommen hat, spielt man noch einmal das ganze Stück. Und man spielt vollkommen befreit, wie in einem Konzert; daher nenne ich diese letzte Aufnahme auch die „Konzertaufnahme“. Und in der Regel ist sie sehr gut.

PIANONews: Ist es in diesem Zusammenhang denn für Sie wichtig, dass Sie mit den jeweiligen Werken bereits Bühnenerfahrung gesammelt haben, bevor Sie diese Musik im Studio aufnehmen?

Jenö Jandó: Es ist natürlich sehr hilfreich und wichtig. Aber manchmal ist es so, dass ich nach Konzerten mit demselben Werk ins Studio gehe und dann feststelle, dass ich die Art, wie ich es für Konzerte einstudiert habe, gar nicht mag. Die Selbstkontrolle im Studio ist dann so wichtig – und auch brutal. Da muss man vieles ändern.

PIANONews: Ein wenig möchte ich noch über Ihre Anfänge am Klavier erfahren. Sie haben zuerst bei Ihrer Mutter Unterricht erhalten, nicht wahr?

Jenö Jandó: Ja, ich habe erst bei meiner Mutter begonnen und wurde dann von ihrem Lehrer weiter unterrichtet. Meine Mutter ist Pianistin und mein Vater ist Chorleiter und Musiklehrer. Ich ging also ganz normal zur Musikschule, ich war als Kind an allem interessiert, was normale Jungs interessiert: Ich spielte Fußball, kletterte auf Bäu-me – ich war halt ein ganz normales Kind. Ich liebte das Klavierspiel, aber ich hasste es, zu üben. Heute ist es etwas anders: Ich liebe es, zu üben, ich fühle, wie wichtig und befriedigend das Üben ist.

PIANONews: Und wann kamen Sie von Ihrer Heimatstadt Pecs nach Budapest, an die Franz Liszt Akademie, in die Klasse von Pál Kadosa?

Jenö Jandó: Im Alter von 16 Jahren. Aber zuerst studierte ich bei Kodaly Nemecz. Ich studierte also erst einmal sechs Jahre an der Franz Liszt Akademie. Und es war deshalb etwas länger, weil ich bei meinem ersten Versuch, in die künstlerische Klasse zu kommen, nicht angenommen wurde [lacht]. Beim zweiten Mal wurde ich dann angenommen. Und die letzten drei Jahre habe ich also mit Pál Kadosa studiert.

PIANONews: Und dort haben Sie Ihre Studienkollegen Zoltan Kocsis, Deszö Ranki und András Schiff kennen gelernt?

Jenö Jandó: Ja, wir waren in derselben Klasse bei Kadosa. Ranki und Kocsis waren sogar im selben Alter wie ich. Und es war ein gesunder und fruchtbarer Konkurrenzkampf in dieser Klasse mit all diesen begabten Studenten. Wir waren alle sehr unterschiedlich im Charakter. Pál Kadosa war ein großartiger Lehrer: Er versuchte niemals unseren Charakter zu ändern oder unsere individuelle Art des Spiels. Er war daran interessiert, uns zu korrigieren, nicht daran, uns zu ändern. Das erklärt, warum wir vier so unterschiedliche Pianisten und Charaktere geblieben sind. Kadosa war auch ein guter Komponist und ein großartiger Pianist. Sein Spiel der Werke von Bartók und von anderen Komponisten war einfach großartig.

PIANONews: Gab es irgendwelche Repertoireeinschränkungen oder Schwerpunkte im Unterricht bei Kadosa?

Jenö Jandó: Er liebte am meisten Beethoven. Vielleicht deshalb, weil Beethoven der Meister der Form ist. Und Kadosa war sehr an Strukturen in der Musik interessiert. Und er sagte immer: Spiele die klassische Musik in romantischer Art und die romantische Musik in klassischer Art, dann wird dein Spiel wirklich gut sein.

PIANONews: Also gab es keine Einschränkungen im Bereich des Repertoires?

Jenö Jandó: Eigentlich nicht.

PIANONews: Liegt es vielleicht daran, dass Ihr eigenes Repertoire so umfangreich ist?

Jenö Jandó: Ja, vielleicht zum Teil. Aber seit meiner Kindheit war ich immer an neuem Repertoire interessiert, wollte immer Neues ausprobieren. Ich erinnere mich an meine Schulzeit: Meine Mutter gab mir jeden Tag etwas Geld mit, damit ich mir ein Brot kaufen konnte. Aber ich kaufte mir nichts zu essen, sondern sparte das Geld. Und wenn ich genug zusammen hatte, kaufte ich im Musikgeschäft neue Noten, da ich gespannt darauf war, was ich Neues lernen könnte.

PIANONews: Ist eigentlich irgendetwas übrig, was Sie noch nicht gespielt haben?

Jenö Jandó: [lacht]: Es gibt immer große Werke, die ich noch nicht lange spiele. So lernte ich beispielsweise das a-Moll-Konzert von Chopin erst vor kurzem. Natürlich hat man die großen, die schwierigen Werke sehr früh zu lernen, denn dann funktioniert die Technik noch am besten. Also so jung wie möglich. Dann muss man sich diese Werke in sein Gedächtnis einprägen. Später, mit den ganzen Jahren, entwickeln sich diese Werke zu wirklichen Interpretationen. Aber man hat nicht mehr die Probleme, dass man sie sich manuell oder in Bezug auf den Notentext einprägen muss, diese Phase ist längst abgeschlossen. Das heißt, man kann sich dann vollkommen auf die Musik konzentrieren.

PIANONews: Sie haben ja auch einige Wettbewerbe gespielt und gewonnen. So beispielsweise den Dino Ciani-Wettbewerb, den Beethoven-Wettbewerb und den Sydney-Wettbewerb. Hat Ihnen das bei Ihrer Karriere geholfen?

Jenö Jandó: Also: Beim Ciani-Wettbewerb war ich nur Zweiter, der Beethoven-Wettbewerb war nur Beethoven zugeeignet, dann war aber 1970, als ich 18 Jahre alt war, der ungarische Radio-Wettbewerb in Budapest. Auf den Gewinn allerdings war ich sehr stolz, da solche Pianisten wie András Schiff Zweiter waren. Das Niveau damals war also extrem hoch und daher freute ich mich auch entsprechend über den Gewinn. Sydney war für Kammermusikbegleitung. Und das war schon etwas Besonderes, da die Entscheidung für meinen Gewinn vom Streichquartett, mit dem man zusammen spielen musste, und vom Konzertveranstalter getroffen wurde. Und da fiel das Urteil einstimmig für mich aus. Danach habe ich mit dem Quartett eine Tournee durch ganz Australien mit über 40 Konzerten gehabt.

PIANONews: Sie unterrichten ja seit einiger Zeit selbst an der Akademie, an der Sie studiert haben, an der Franz Liszt Akademie in Budapest.

Jenö Jandó: Oh ja, ich habe erst vor drei Tagen festgestellt, wie alt ich bin, da ich mein 30-jähriges Jubiläum als Lehrer an der Akademie feiern konnte.

PIANONews: So sind Sie also direkt nach Ihrem Studium als Lehrer dort geblieben?

Jenö Jandó: Ja. Und seit 2003 bin ich Professor. Ich liebe es zu unterrichten.

PIANONews: Sie sind also niemals aus Budapest herausgegangen, um woanders zu unterrichten?

Jenö Jandó: Nun, ich gehe auch jedes Jahr im Sommer einmal nach Tokio, um dort am Konservatorium zu unterrichten. Aber ich würde schon woanders unterrichten, wenn man mich fragt. Ich war einmal in Helsinki, an der Sibelius-Akademie, und war erstaunt über das hohe Niveau. Auch Hannover ist hervorragend, oder andere interessante Orte: London, Paris.

PIANONews: Wissen Sie eigentlich, wie viele CD-Einspielungen Sie gemacht haben?

Jenö Jandó: Nein, nicht genau. Ich denke, es sind über 200.

PIANONews: War Ihre erste Einspielung eine CD für Naxos?

Jenö Jandó: Oh nein. Meine erste Einspielung habe ich 1974 gemacht, nach einem der Wettbewerbe. Da spielte ich das Grieg- und das Ravel g-Moll-Konzert. Ich denke heute noch, dass diese Aufnahme recht gut ist. Sie ist vor kurzem wieder erschienen bei Hungaroton, innerhalb einer Serie alter Einspielungen.

PIANONews: Wann begannen Sie dann für Naxos aufzunehmen?

Jenö Jandó: Das muss so 1987 oder 1988 gewesen sein. Klaus Heymann erzählte mir, dass ich derjenige war, der die erste Naxos-CD überhaupt einspielte. Es waren einige der bekannteren Beethoven-Sonaten.

PIANONews: Wie kamen Sie denn überhaupt in Kontakt mit Naxos?

Jenö Jandó: Das kam über Hungaroton. Soweit ich weiß, hat Naxos ja kein eigenes Aufnahmestudio, sondern kauft Einspielungen ein. Ich bin heute extrem glücklich, da ich die Hälfte des Repertoires für Naxos eingespielt habe [lacht]. Zudem habe ich alle meine Lieblingskomponisten einspielen dürfen: die Beethoven-Sonaten, Mozart-Klavierkonzerte, etliche Werke der Kammermusik und so weiter. Und als ich Herrn Heymann einmal in Hongkong traf, erzählte ich ihm, dass ich gerne die Haydn-Sonaten aufnehmen wollte, da ich diese Sonaten so sehr liebe und für einen Teil des größten Repertoires für Klavier überhaupt halte. Und er sagte: Gut, das machen wir. Dann auch die Schubert-Sonaten ...

PIANONews: ... und die Bartók-Werke.

Jenö Jandó: Ja, die sind auf dem Weg, diese Serie ist noch nicht abgeschlossen.

PIANONews: Und da Naxos überall auf der Welt hervorragend vertrieben und vertreten ist, sind Sie wohl der bestverkaufende CD-Pianist der Welt!

Jenö Jandó: Ja, statistisch mag das stimmen.

PIANONews: Haben Sie eine Ahnung, wie viele CDs von Ihren Einspielungen bereits verkauft wurden?

Jenö Jandó: Nein, nicht wirklich, aber ich habe bereits einige Preise für Verkäufe in unterschiedlichen Ländern erhalten.

PIANONews: Ist es wichtig für Sie, dass Sie in nahezu jedem Schallplattengeschäft dieser Welt Ihre CD finden können?

Jenö Jandó: Es ist ein wirklich gutes Gefühl zu wissen, dass ich mit meinen Interpretationen zu so vielen Menschen in aller Welt sprechen kann. Es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Ich denke nicht, dass all meine Einspielungen die besten sind. Kein Pianist kann alle diese Werke gleich gut aufnehmen, keiner kann alle 32 Beethoven-Sonaten mit demselben Niveau spielen. Und ich kann es auch nicht. Aber es ist meine Verantwortung, es ist meine Sache, damit zu leben.

PIANONews: Aber bei Naxos ist es doch so, dass niemals ein Werk zwei Mal eingespielt wird. Stört Sie das nicht? Nicht nur in Bezug auf Ihre eigenen Einspielungen, sondern auch in Bezug auf das Repertoire, das von anderen Interpreten eingespielt wurde?

Jenö Jandó: Herr Heymann sagte mir, wenn ich wirklich unbedingt etwas noch einmal einspielen wollte, dann ist es möglich. Natürlich bin ich etwas traurig, dass ich keinen Brahms und Chopin einspielen kann, da Idil Biret das komplett eingespielt hat. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja einmal später dazu.

PIANONews: Sie haben ein so breites Repertoire eingespielt; gibt es eigentlich Werke, die Sie nicht für CD einspielen würden?

Jenö Jandó: [nachdem er einen langen Moment nachgedacht hat]: Ich denke nicht.

PIANONews: Wie geht es normalerweise vor sich? Schlagen Sie nicht im Katalog befindliche Werke vor oder wird Ihnen gesagt, was Sie einzuspielen haben?

Jenö Jandó: Normalerweise sagt man, was ich aufnehmen soll. Manchmal war es meine Idee, aber in der Regel ist es die Anfrage von Naxos. Im Moment gibt es zwei Einspielungen, auf die ich sehr stolz bin, die aber noch nicht erschienen sind: Die erste ist Bartóks „Für Kinder“ und die zweite Bachs „Goldberg-Variationen“.

PIANONews: Wie viele CDs spielen Sie im Jahr ein?

Jenö Jandó: Es sind von Jahr zu Jahr weniger geworden. Ich brauchte zum Beispiel sehr lange Vorbereitungszeit für die „Goldberg-Variationen“. Und ich habe immer wieder mit den Aufnahmen begonnen, aber am Ende habe ich einige Variationen wieder aufgenommen. Beim Bartók war es das Gleiche. Ich denke, dass ich auch immer kritischer werde, je älter ich werde. Der Wunsch nach einem immer höheren Niveau hält einen immens lange auf. Je mehr man aufnimmt, umso selbstkritischer wird man. Gute Lehrer können einem zwar viel beibringen, aber letztendlich lernt man durch die Selbstkontrolle beim Anhören von Aufnahmen am meisten. Das heißt nicht, dass meine früheren Aufnahmen schlecht sind, aber mein musikalischer Horizont hat sich extrem erweitert.

PIANONews: Und gibt es einige Ihrer Einspielungen, die Sie bei nochmaligem Anhören nicht mögen?

Jenö Jandó: Ich weiß nicht, denn ich höre sie mir nicht mehr an. Wissen Sie, Arthur Rubinstein sagte einmal, dass es richtig sei, dass es in seiner Verantwortung liege, was er bisher gemacht habe, aber er wäre an dem Neuen interessiert. Und so ist es auch bei mir.

PIANONews: Hier in Ihrem privaten Studio steht ein Steinway-Flügel. Was denken Sie über Marken?

Jenö Jandó: Ich mag Steinway sehr. Steinway und Fazioli. Im Aufnahmestudio allerdings steht ein Steinway & Sons Modell C. Ich mag auch andere Marken. Ich habe mal einen herrlichen Yamaha gespielt, auch einen tollen Kawai. Aber ich mag Steinway.

PIANONews: Kein Modell D, also kein Konzertinstrument?

Jenö Jandó: Nein, ein wunderbarer C-Flügel, der herrlich klingt. Oder haben Sie jemals bemerkt, dass es kein Steinway D ist?

PIANONews: Nicht direkt, aber jetzt werde ich natürlich darauf achten. Gibt es bei all diesen Erfahrungen, die Sie bereits in Ihrem Leben gemacht haben, noch Wünsche oder Ziele, die Sie erreichen wollen?

Jenö Jandó: Ich hoffe, dass ich nicht müde werde, mich immer wieder auf das Kommende, auf das Neue, das Spannende zu konzentrieren. Ich bin froh, dass ich Bartóks Mikrokosmos noch einmal aufnehmen kann. Ich würde gerne ein wenig Chopin aufnehmen, mehr Scarlatti-Sonaten ... ja, einige Aufnahmen, wie Werke von Brahms und so weiter. Und ich würde gerne noch mehr von Bach einspielen.

PIANONews: Ich danke Ihnen für dieses offene und interessante Gespräch.

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