Mit Ruhe und schneller Auffassungsgabe

Die Wege und die Arbeit des Pianisten und Pädagogen Jura Margulis

 

Von: Carsten Dürer


Der Name Margulis ist klangvoll bei den Kennern der Klavierszene. Vitaly Margulis ist einer der großen alten russischen Pianisten und vor allem Pädagogen, der ganze Generationen von Pianisten ausgebildet hat. Zu seinen Schülern zählt auch die jüngere bis mittelalte Generation an Klavierkünstlern, zu der Bernd Glemser, Wolfgang Manz, Rolf Plagge, Igor Kamenz oder Grigory Gruzman gehören. Aber der Name wird im Bereich der Tasteninstrumente vor allem auch durch seinen Sohn Jura Margulis fortgeführt, der - ebenfalls ein Schüler seines Vaters - heute in den USA lebt und dort eine Professur für Klavier an der University of Arkansas innehat. Neben seinem Vater war vor allem Leon Fleisher die beeinflussende Figur in der Ausbildung Jura Margulis', so dass er zwei vollkommen unterschiedliche Schulen in sich vereint und heute als Pianist und Lehrer weiterzugeben versucht.

 
 
Geboren ist Jura Margulis in St. Petersburg. Aber bereits als er sechs Jahre alt war, verließ die Familie die Heimatstadt. Vitaly Margulis, sein Vater, war damals bereits Lehrer am Konservatorium von St. Petersburg. Wie ging es weiter? "Es ging über Wien nach Rom. Und in Rom wartete die gesamte Familie auf ein Visum nach Amerika", erinnert sich Jura Margulis. Doch man blieb erst einmal stecken in Rom, und "wir lebten am absoluten Existenzminimum, da man aus Russland nichts mitnehmen konnte. Es war eine interessante, eine spannende Zeit", sagt er nicht ohne einen Anflug von Zynismus. Doch dann ging es weiter, und wie so oft spielte der Zufall dabei eine wichtige Rolle: "Mein Vater gab ein Konzert, und durch Zufall war ein Professor aus der Hochschule in Freiburg in diesem Konzert und fragte ihn, ob er nicht gerne nach Freiburg an die Hochschule kommen wollte." Vitaly Margulis wurde also nach Freiburg eingeladen, um dort ein Konzert zu geben - mit Erfolg. "Doch dann stellte sich die eigenwillige Situation ein: Wir hatten keine Pässe, keinen russischen und keinen anderen. Wir mussten also irgendwie ohne Papiere nach Deutschland kommen. Als wir es geschafft hatten, von Rom - durch die Schweiz - nach Deutschland zu kommen, erhielten wir alle notwendigen Papiere. Mein Vater hatte auch schon die Professur in Freiburg angenommen." Eine Amerika-Auswanderung war damit erst einmal auf Eis gelegt. Vitaly Margulis war damit einer der ersten russischen Musiker, die in Deutschland Fuß fassten. Das war 1974.

Die Ausbildung zwischen "russischer" und "deutscher" Schule

Doch zurück zur Ausbildung von Jura Margulis: "Meinen ersten Unterricht hatte ich bei meiner Mutter, die bei meinem Vater am Konservatorium ausgebildet worden war. Mein Vater hingegen zögerte, mich zum Pianisten auszubilden. Es war natürlich sein Herzenswunsch, aber er war bereits der Sohn eines Pianisten, und eine Tradition in die dritte Generation zu führen, erschien ihm ein Wagnis zu sein. Als ich mit 11 Jahren den Wettbewerb "Jugend musiziert" gewann, hatte er wohl den Eindruck, dass er aus mir etwas machen könnte und unterrichtete mich seither." So kam Margulis schon mit 11 Jahren in den Genuss, Jungstudent an der Freiburger Hochschule zu werden. Dort blieb er 15 Jahre lang. Doch er sagt: "Wenn ich danach gefragt werde, wie lange ich Unterricht bei meinem Vater hatte, sage ich, dass es 10 Jahre waren, denn danach wurde der Unterricht seltener und ich versuchte, eigene Wege zu gehen." Es war nicht immer einfach, vom eigenen Vater unterrichtet zu werden: "Zu Beginn war er ja nur mein Vater und ich benötigte eine Weile, bis ich erkannte, dass er ein wunderbarer Pianist und ein großer Pädagoge war. Mein Vater ist ein sehr liebevoller Lehrer, der mit mir allerdings sehr direkt war. Und so war es für uns beide wohl nicht immer leicht. Das Schlimmste für ihn war, so glaube ich, dass ich jede Kleinigkeit hinterfragt habe. Normalerweise nehmen Studenten erst einmal die Meinung des Lehrers an. Ich dagegen fragte immer: Warum so und nicht anders." Das war eine hilfreiche Eigenschaft, findet er heute, denn er lernte nicht nur schnell, sondern auch sehr umfassend und war dann auch überzeugt von den Dingen, die er spielen sollte. "Ich habe alles mit einem Röntgenblick gelernt." Doch einen ebenso nachhaltigen Einfluss hatte Margulis' zweiter Lehrer auf ihn: Leon Fleisher, bei dem er fünf Jahre lang in Baltimore studierte. Daneben hat er natürlich auch von vielen anderen Pianisten gelernt: "Es wäre falsch zu sagen, dass ich bei Martha Argerich studiert habe, auch wenn sie einen großen Einfluss auf mich hatte. Mit ihr spiele ich ja auch immer wieder im Duo. Oder dass ich bei Perahia gelernt habe, mit dem ich zwischendurch einmal eine Woche zusammengearbeitet habe." Wie ist bei solchen Einflüssen die Gewichtung? "Auch wenn nicht alle genannten damit glücklich sein werden: Ich habe das Gefühl, es ist 50 zu 50 zwischen meinem Vater und Fleisher, von dem ich unglaublich viel gelernt habe." Jura Margulis kam zu Fleisher bereits als fertiger Pianist, und er sagt: "Ich brauchte einige Zeit, um seine Autorität anzuerkennen. Ich habe sehr vielen Leuten damals vorgespielt, und nicht alle beeindruckten mich. Sie müssen das verstehen: Mein Vater war ein sehr guter Pianist, und ich erwartete von meinem Lehrer, dass er gut spielen konnte und nicht nur Autorität hat." Zu Beginn nahm er die Führung Fleishers "nur mit Widerstand" an. Das änderte sich, als er ihn an einem unterrichtsfreien Tag einmal die Chromatische Fantasie und Fuge von Bach spielen hörte (obwohl er mit der rechten Hand nicht spielen konnte): "Das war ein unvergessliches Erlebnis", erinnert er sich. "Für mich war da klar geworden, dass Fleisher eine musikalische Tiefe besitzt, die ich damals nicht einmal erahnen konnte. Zuvor war es nur selten jemandem gelungen, mir etwas vorzumachen, was ich nicht direkt nachempfinden und nachmachen konnte. Er ist als Lehrer 100-prozentig davon überzeugt, dass er die absolute Wahrheit weiß und weitergibt. Das ist sehr hilfreich, und ich sage heute, dass es eine der wichtigsten Sachen ist, die ich bei ihm gelernt habe: dass man in dem Moment, in dem man eine Sache so und so macht, absolut dahinter stehen muss. Zwischendurch zweifelt man immer schon genug." Immer wieder wird er nach dem Unterschied gefragt - dem zwischen Fleisher und Margulis: "Mein Vater ist ein starker Vertreter der russischen Schule und Fleisher als Schüler von Schnabel ein Vertreter der deutschen Schule. Und ich habe erkannt, dass ich von beiden eine gesunde Dosis abbekommen habe." So war die Ausbildung von einer Mischung geprägt, die Jura Margulis heute in seinem Unterricht an seine Studenten weiterzugeben versucht. "Ich nenne das "The unified piano school" und habe auch begonnen, darüber ein Buch zu schreiben. Diese beiden Schulen haben ganz klare Tendenzen, auch im Gegensatz zu anderen nationalen Schulen." Ihm ist also bewusst, dass es noch weit mehr einflussreiche Klavierschulen gibt, aber er sagt: "Ich versuche nur von meiner Person auszugehen, wie diese beiden speziellen Schulen sich in mir vereint haben und wie ich diese für zukünftige Studenten interpretieren kann." Zu Beginn der Traditionen dieser Klavierschulen, so gibt er zu bedenken, gab es nur eine einzige Klavierschule, die sich aufzuspalten begann und das nicht einmal zur gleichen Zeit. "Die russische Schule sehe ich erst nach den 40er und den 50er Jahren als Abspaltung von dieser universellen Schule, da nämlich, als das extreme Fördersystem von Begabungen in Russland eingeführt wurde, so wie man es heute noch kennt." Jura Margulis selbst bezeichnet sich entsprechend der unterschiedlichen Einflüsse als Hybrid, als eine "neue Generation". Heute gibt es noch den Begriff der "Russischen Schule" an der Freiburger Hochschule für Musik, die Jura Margulis seit drei Jahren leitet. Was steckt eigentlich genau dahinter? "Eigentlich ist sie im Ursprung ein Sommerkurs, den mein Vater in diesem Jahr zum 26. Mal durchführt. Als er nach Deutschland kam, merkte er, dass seine pädagogische Arbeit sich von der der anderen Lehrer in Deutschland unterscheidet. Die russische Schule als Ausbildungsweg unterscheidet sich vor allem darin, dass es eine starke Elitenförderung von sehr jungen Jahren an ist. Das Herzstück dieser Art der Ausbildung liegt im Alter zwischen 8 bis 18 Jahren. In dieser Zeit wird man bereits zum technisch ausgereiften Handwerker ausgebildet. Danach - wenn es eine poetische Seele bei dem Schüler gibt - wird es ein großer Künstler werden. Wenn dies nicht der Fall ist, dann wird es zumindest ein hervorragender Musiker sein." In der "Russischen Schule" in Freiburg wurden und werden dementsprechend auch nicht nur Studenten von Margulis unterrichtet, sondern auch jüngere Klavierschüler. Als Vitaly Margulis aus dem aktiven pädagogischen Dienst ausschied und nach Los Angeles zog, konnte er diesen Sommerkurs aus der Distanz nicht mehr führen. "1998 machte ich gerade meinen Abschluss und habe dann gedacht, dass ich versuchen könnte, die Organisation dieser Sommerkurse weiterzuführen." Mit Erfolg, denn heute stehen diese Sommerkurse auf wesentlich stabileren finanziellen Beinen als noch kurz vor Jura Margulis' Übernahme der Leitung. So ist dieser Kurs der älteste bestehende Kurs in Folge, den es für das Klavierspiel gibt. Vitaly Margulis unterrichtet dort auch heute noch. "Natürlich habe ich direkt nach meinem Studium begonnen zu unterrichten. Aber mein Vater hat mich erst als pädagogischen Partner zugelassen, als ich meine Professur erhielt. Auch deshalb, damit es nicht so aussah, dass er mich protegieren wollte." Heute führen Vater und Sohn diesen Kurs gemeinsam weiter.

Pädagoge, Pianist und Kammermusiker

Im August 1999 wurde Jura Margulis, eigentlich schon kurz nach seinem Abschluss, als Professor an die Universtiy of Arkansas berufen. Wie sieht er nun seine Weitergabe im pädagogischen Bereich vor dem Hintergrund seiner hybriden Ausbildung? Gibt es Aspekte, die er vollkommen verändert hat, im Vergleich zu seiner eigenen Ausbildung? "Nein, denn ich hatte das Glück, die beste vorstellbare Ausbildung als Pianist und als Musiker erhalten zu haben. Ich hatte das Glück, in einer hochintelligenten und künstlerisch aktiven Familie aufgewachsen zu sein. Und ich hatte immer nur die besten Pädagogen, nicht nur gute, sondern phänomenale Lehrer. Mit meinem Vater und Leon Fleisher und all den anderen, denen ich immer wieder vorspielte. So habe ich seit einigen Jahren ein gutes Verhältnis zu Paul Badura-Skoda, dem ich immer wieder meine CD-Aufnahmen schicke und der mir dann seitenweise seine Meinung schreibt. Und der Unterschied ist heute, dass ich seine Kritik mit sehr viel Aufmerksamkeit lese, während ich sie früher abgelehnt hätte." Man spürt, dass Jura Margulis einen extremen Reifeprozess innerhalb der vergangenen Jahre durchlebt hat. Auch seine Frau, eine Musikwissenschaftlerin, hat dabei ihren Anteil: "Aufgrund ihres Einflusses lese ich sehr viel mehr Bücher und Artikel", sagt er und meint, dass dieser Reifeprozess niemals aufhören wird. In diesem Zusammenhang sagt er auch, dass er sich für sein Buch "The unified piano school" sehr viel Zeit nehmen will. Nun ist Jura Margulis nicht nur Pädagoge, sondern auch konzertierender Pianist. Wie ist da die Gewichtung? "Ich habe in Arkansas eine hervorragende Position. Ich habe im Umkreis von 1000 Kilometern in gewissem Sinne keine Konkurrenz. Weder als Pianist noch als Pädagoge. Im Rahmen von den Erfordernissen an der Universität kann ich dennoch machen, was ich will. Ich bin Leiter der Klavierabteilung. Doch die Abteilung ist so klein, dass nur ich im Hauptfach Klavier unterrichte. Teil meiner Aufgabe ist es, Studenten an diese Universität zu bringen. Es ist ein Aufbau, den ich dort betreibe. Ich selbst habe also gerade einmal 15 Stunden, in denen ich unterrichten muss." Doch diese Universität kennt man für musikalische Ausbildung eigentlich gar nicht. Ist das nicht sehr undankbar? "Nein, im Gegenteil, es ist eine sehr dankbare Aufgabe, vor allem als Einstieg. Eine größere Schule würde einen jungen Pädagogen wie mich verheizen. Denn dann müsste ich mindesten 30 Stunden unterrichten und hätte keine Zeit für andere Dinge." Doch war diese Universität ein Wunschtraum? "Nun, wissen Sie, das Musikerdasein ist ja eine hoch komplizierte Sache. Und da ist eine Professur für jemanden, der einen Abschluss gerade einmal in der Tasche hat, ein Traum. Mein Gedanke am Beginn meiner Ausbildung bei Fleisher war: Ich bleibe zwei Jahre, komme dann zurück nach Deutschland und schaue einmal weiter, wie es gehen wird. Ich bin dann aber länger bei Fleisher geblieben und bekam das Gefühl, ich möchte in Amerika bleiben. Und das ist ja nicht ganz einfach; der Konkurrenzkampf um eine Professur ist dort sicherlich nicht geringer als hierzulande." Doch das Glück sollte ihn auch in diesem Fall nicht verlassen. Nach einem Jahr in New York als "unbeschäftigter Musiker" ("Ich hatte für ein Jahr lang keinen Flügel zum Üben.") bewarb er sich auf diese Professur und wurde direkt mit dieser ersten Bewerbung angenommen. "Und dieses Angebot war im Prinzip einmalig, da ich dort in Arkansas Aufbauarbeit im Bereich Klavierpädagogik leisten kann. Und dies ist eine wirkliche Herausforderung." Jura Margulis weiß heute seine Position durch das Wissen um die harte Konkurrenzsituation auch in den USA gut einzuschätzen. Und wie sieht es nun mit dem Pianisten Margulis aus? "Dazu muss ich noch vorausschicken: Bei Fleisher habe ich gelernt, dass die Karriere eines Pianisten bedeutungslos ist, wenn man als Musiker nicht ein erfülltes Leben haben kann. Fleisher verlangte, dass man weder Konzerte noch Wettbewerbe spielen sollte, während der Ausbildung bei ihm. So hatte ich natürlich zuvor bereits aufgebaute Kontakte verloren. Also habe ich erst wieder 1998, nach meinem Abschluss, begonnen, diese Kontakte zu reaktivieren. Seither habe ich diese Karriere mit sehr wenig Drang vorangetrieben. Durch die Professur habe ich natürlich auch eine gesunde Basis. Das bedeutet, dass ich nicht mindestens 50 Konzerte im Jahr spielen muss, um überleben zu können." Heute spielt er gerade in Arkansas sehr viel Kammermusik. So beschränken sich viele seiner Aktivitäten als Pianist auf diesen und die umliegenden amerikanischen Bundesstaaten wie Missouri, Oklahoma oder Texas. "Das ist eine absolut begrenzte Karriere, das weiß ich, aber ich lerne jedes Jahr zwei volle Trio-Programme, was mir sehr weiterhilft. Und so ist es auch mit anderer Literatur im kammermusikalischen Bereich. Ich lerne dadurch extrem viel. Für mich sind momentan im künstlerischen Bereich meine CD-Aufnahmen sehr wichtig. Denn dadurch, dass ich im Moment noch nicht so viele Konzerte spiele, ist die CD ein Querschnitt für mich, wo ich künstlerisch stehe." Momentan gibt es vier Einspielungen, und es wird noch in diesem Jahr eine weitere CD erscheinen. Die Konzerttätigkeit wird sich - so Jura Margulis - von selbst, auch ohne viel Nachdruck, entwickeln. "Ich gebe nicht so viele Konzerte, aber dafür sehr gute", gibt er zu bedenken. Er spielte mit dem Montreal Symphony Orchestra unter Charles Dutoit, mit dem Russischen Nationalorchester und er spielt im Klavier-Duo mit Martha Argerich. Und dennoch spielt er 20 Soloabende im Jahr, also nicht ganz so wenig, wie man aufgrund seiner bescheidenen Aussage annehmen könnte; vor allem dann nicht, bedenkt man all die kammermusikalischen Aktivitäten. Eine Menge Stoff, die da jährlich zum Lernen ansteht. Dabei beschränkt er sich im Repertoire überhaupt nicht. "Ich habe beispielsweise das Schubert-Quintett gespielt. Und auch abseitiges Repertoire, das für mich absolut neu war. So beispielsweise auch ein Trio für Klavier und Oboe von Löffler - tolle Musik. Oder ein Bläserseptett mit Klavier nur für die linke Hand von Janacek." Vorlieben? "Nein, überhaupt nicht. Ich versuche nur, meine Programme interessant zu gestalten, beschäftige mich meist ausschließlich mit zwei Komponisten an einem Klavierabend. Aber es gibt keine Beschränkungen nach vorne hin. Nur mit der sogenannten Postmoderne habe ich meine Schwierigkeiten. Früher war die Musik mehr intuitiv und emotional. Um es anders zu sagen: Ich kann Joseph Beuys nicht ausstehen. Und es gibt Musik, die das umsetzt, was Joseph Beuys in seiner Kunst ausdrückt. Ich verstehe und respektiere sie, aber ich hasse sie." Er meint, dass diese Werke als Verneinung der absoluten Schönheit und Ästhetik von Musik und Symmetrie existieren, womit er sich nicht anfreunden kann. Dennoch schätzt er Komponisten wie Ligeti, Gubaidulina und andere, auch wenn er deren Werke noch nicht gespielt hat. "Ich habe viel gespielt und ein großes Repertoire durch die Jahrhunderte hindurch, aber solange ich nicht die drei letzten Sonaten von Schubert gespielt habe, muss ich nicht unbedingt nach Neuem suchen."

Tiefes Verständnis im Erarbeiten

Wie erarbeitet sich so jemand wie Jura Margulis neue Werke in seinem Repertoire? "Nun, zum einen habe ich wahrscheinlich die komplette Literatur in Notenform bei mir zu Hause. So habe ich irgendwann begonnen, immer neue Werke zu lesen. Beim wiederholten Lesen erfahre ich zunächst die Struktur, ich analysiere also die Musik beim Lesen auf verschiedenen Ebenen - melodisch, harmonisch, rhythmisch und strukturell. Jedes dieser Attribute hat eigene Gesetze, die zu kennen eine wesentliche Voraussetzung zum Verstehen ist. Später wende ich mich auch den Hintergründen des Werkes zu: der Entstehungsgeschichte des Stücks in den Händen des Komponisten, der musikalischen und gesellschaftlichen Geschichte der Zeit und der Interpretationsgeschichte des Stückes. Wenn es ein besonders wichtiges Stück ist - wie zum Beispiel Liszts h-Moll-Sonate - dann versuche ich in jedem Fall, noch das Manuskript einzusehen oder mir eine Faksimile-Ausgabe zu besorgen." Man sieht, dass trotz der vielen neuen Werke, die sich Margulis erarbeitet, er einen tiefen Einblick in jedes einzelne Werk zu erreichen versucht. Das hört man dann auch bei seinen Konzerten und Einspielungen: Tiefes Verständnis, gepaart mit hervorragender Technik sind das Ergebnis. Dafür übt er jeden Tag, trotz seiner vielen Tätigkeitsbereiche. In diesem Jahr will er "die drei Bs", wie er sie nennt, erarbeiten: Berg, Barber und Bartók.

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